Kein neuer Vorstand für Chorverband

In der nächsten Versammlung am 4. Mai fällt die Entscheidung, ob der Kreisverband endgültig aufgelöst wird.

"Kreis-Chorverband droht das Aus" - Mit ihrer Schlagzeile auf der Titelseite der lokalen Freitagausgabe hat die Redaktion Merzig der Saarbrücker Zeitung gute hellseherische Fähigkeiten bewiesen. Die Mitgliederversammlung des Kreis-Chorverbandes Merzig-Wadern im Bürgerhaus Hausbach hat unter der Versammlungsleitung von Burkhard Müller (Chor-Gemeinschaft 1904 Hausbach) keinen neuen Vorsitzenden gefunden, da bekannt war, dass der alte Vorstand nach über 25 Jahren im Amt nicht mehr kandidierte. Mehr noch, kein Delegierter der 14 anwesenden (von 28 im Kreis registrierten Vereine) hat sich für die Übernahme des Amtes im Vorstand bereitgefunden. "Damit übernimmt wieder der jetzige Vorstand kommissarisch die Leitung des Chorverbandes bis zum 4. Mai. An diesem Tag findet im Pfarrsaal Losheim eine erneute Mitgliederversammlung statt, in der ein neuer Vorstand gefunden oder aber die Auflösung des Verbandes beschlossen wird", war Vorsitzender Franz Meiers vom Verlauf der Mitgliederversammlung eigentlich nicht überrascht. Im Vorfeld der Versammlung hatte er viel Herzblut investiert und bei den Vereinen gebetsmühlenartig versucht, junge Leute und gute Ideen für einen neuen Vorstand zu gewinnen. Auch von der geringen Zahl der teilnehmenden Vereine war er nicht überrascht - gerade mal die Hälfte war anwesend. "Die meisten Vereine, vornehmlich wohl die großen, glauben, den Chorverband nicht zu brauchen, kochen ihr eigenes Süppchen, machen ihre Konzerte, wie sie wollen", mutmaßt Meiers. Das sollte sie aber nicht am Erscheinen zur Mitgliederversammlung hindern. Es sollte aber schon eine Dachorganisation auf Kreisebene geben.

Auch Gemeinde-Beigeordneter Norbert Müller sprach in seinem Grußwort den Wunsch aus, dass es weitergehe. Es sei schon großartig, wie die Sänger mit Beharrlichkeit und Ausdauer ihrem Hobby frönen, zumal mit dem Chorgesang auch Geselligkeit und Freundschaften verbunden sind. "Sie leisten einen ordentlichen Beitrag zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben unserer Dörfer", betonte Müller. Die gleiche Meinung vertrat Ortsvorsteher Dietmar Kerwer. Sänger allein reichen nicht aus, das Ehrenamt müsse entschieden mehr gefördert werden, damit es auch Spaß mache, sich vereinsübergreifend zu engagieren.

Die Regularien einer Mitgliederversammlung, die beschlussfähig war, waren schnell und zügig abgewickelt. In seinem Rechenschaftsbericht der letzten zwei Jahre listete Vorsitzender Meiers die Aktivitäten auf, die sich in der Mehrzahl auf Ehrungen langjähriger Sänger beschränkten. Zudem wies er die Führungskräfte der Vereine darauf hin, von den Projekten und Angeboten der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung in Ottweiler regen Gebrauch zu machen. Kreischorleiter Joachim Meiers monierte, dass es trotz vieler Gespräche und Bemühungen kein Kreischorkonzert gegeben habe. Ein Rezept, um die Überalterung und den fehlenden Nachwuchs in den Chören aufzuhalten, hatte er auch nicht. "Chorgemeinschaften verlängern nur wenige Jahre den Erhalt einer Singgemeinschaft, sind keine endgültige Lösung", so seine Einschätzung. Letztlich stellte er das Amt des Kreischorleiters in Frage, denn überwiegend haben die Chorleiter ja ihre eigenen Vorstellungen vom Repertoire in ihren Gesangvereinen. Kassierer Winfried Schilz vermeldete einen gesunden Kassenstand, so dass die Entlastung des Vorstandes einstimmig erfolgte. Versammlungsleiter Müller dankte dem Vorstand für eine über 25-jährige gute Arbeit im Kreis. "Sie alle haben ihr Bestes gegeben und irgendwann ist ja mal eine Schmerzgrenze erreicht", zeigte er Verständnis für den Schritt des Vorstandes.

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Plädoyer für den Erhalt des Kreis-Chorverbandes Marianne Hurth, Präsidentin des Saarländischen Chorverbandes, plädierte auf der Versammlung dafür, den Kreis-Chorverband zu erhalten. Sie fand es "ausgesprochen traurig", dass sich niemand für das Amt des Vorsitzenden gefunden hatte. Schließlich seien es doch keine so umfangreiche Tätigkeiten, wie im Bericht des Vorsitzenden Franz Meiers mit drei Sitzungen im Jahr zu hören war. Personell könnte es auch ein kleinerer Vorstand sein. "Sie sollten für ihre Kinder und Enkelkinder schon Wegbereiter sein, schließlich wird in Kindergärten und Schulen durchaus noch viel gesungen", so die Präsidentin. Vom Hauptverband sei eine Betreuung der Kreisvereine über einen Referenten oder Vertrauensmann, wie von einem Vereinsmitglied angedacht, nicht möglich, so die Einschätzung der Präsidentin. Schon in ihrem Grußwort hatte Hurth auf die Veränderungen in der Chorlandschaft des Saarlandes hingewiesen und betont, dass bei den vielfältigen Freizeitangeboten vornehmlich die Chöre um ihren Fortbestand kämpfen müssen. Sie appellierte an die Vereinsmitglieder, Verantwortung zu übernehmen, sagte jedem, der bereit dazu sei, die Unterstützung des Landesverbandes zu.