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"Kein Kraftwerk mitten im Ort"

Britten. In Britten regt sich Widerstand gegen das geplante Biomasse-Blockheizkraftwerk, über das künftig bis zu 200 Haushalte des Ortes ihre Heizenergie beziehen sollen. Dies wurde auf einer gemeinsamen Sitzung der Ortsrates und des zuständigen Gemeinderats-Ausschusses für Bildung und Freizeit am Dienstag deutlich Von SZ-Redakteur Christian Beckinger

Britten. In Britten regt sich Widerstand gegen das geplante Biomasse-Blockheizkraftwerk, über das künftig bis zu 200 Haushalte des Ortes ihre Heizenergie beziehen sollen. Dies wurde auf einer gemeinsamen Sitzung der Ortsrates und des zuständigen Gemeinderats-Ausschusses für Bildung und Freizeit am Dienstag deutlich.Dort hat die Betreiber-Genossenschaft "Energie-Naturdorf Britten", die diese Anlage errichten möchte, den aktuellen Stand der Planungen den Ausschussmitgliedern vorgestellt. In dem Blockheizkraftwerk sollen Holzhackschnitzel verbrannt werden, um Energie zu erzeugen. Doch bevor diese Präsentation beginnen konnte, ergriff Franz-Josef Ewerhardy, Anwohner der Saarstraße in Britten, das Wort. Er wohnt in unmittelbarer Nähe des geplanten Standorts des Blockheiz-Kraftwerks auf einer Gewerbefläche, die früher als Lackiererei genutzt wurde und heute als Lagerfläche dient. Ewerhardy erklärte, es gebe zunehmende Bedenken von Britter Bürgern gegen den Standort für diese Anlage. Es habe sich zwischenzeitlich auch eine Bürgerinitiative formiert. Ewerhardy weiter: "Wir sind grundsätzlich nicht gegen erneuerbare Energien, aber ein solches Kraftwerk mitten im Dorf verschandelt das Ortsbild." Die Bedenken richteten sich gegen die erwartende Lärm- und Geruchsbelästigung sowie die zunehmende Verkehrsbelastung durch Anlieferverkehr. Zudem gebe es Sorgen wegen der Schadstoffe, die das Kraftwerk in die Umgebung abgebe. "Wie passt das zum anerkannten Erholungsort Britten?", fragte Ewerhardy, der eine Liste mit 100 Unterschriften gegen das Projekt an Bürgermeister Lothar Christ übergab. Er forderte die Genossenschaft auf, das Blockheizkraftwerk außerhalb des Ortes zu errichten.Franz-Joef Emmerich, der die Betreibergenossenschaft in technischer Hinsicht berät, sagte zu der Kritik, man habe bewusst ein Genehmigungsverfahren gewählt, das strengere Auflagen vorsieht, als es formell erforderlich gewesen wäre. Eine Verlagerung aus dem Ort heraus sei technisch nicht machbar. Durch den Einsatz moderner Filter werde die Gesamt-Schadstoffbelastung erheblich reduziert. Werner Ludwig, Leiter des Losheimer Umweltamtes, sagte der SZ, wenn sich die geplante Zahl an Haushalten im Ort an das Nahwärmenetz des Kraftwerkes anschließen würde, so würden im Gegenzug die jetzigen Schadstoff-Emissionen der Heizungsanlagen dieser Haushalte wegfallen - im Saldo würde dadurch die Luftbelastung vermindert. Bürgermeister Lothar Christ sagte, die Gemeindegremien würden sich bemühen, zu gegebener Zeit eine Entscheidung zu treffen, "die den Interessen aller dient".




StichwortBei dem Projekt Dorfheizung, das die in Gründung befindliche Genossenschaft "Energie Naturdorf Britten" realisieren möchte, soll ein Teil des Britter Oberdorfes an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden, das von einem Holzhackschnitzel-Kraftwerk gespeist wird.Das Material für diese Anlage soll zu einem großen Teil aus den weitläufigen Waldbeständen rund um den Ort Britten kommen. In der Genossenschaft kann Mitglied werden, wer seinen Haushalt an das Wärmenetz anschließen möchte und/oder Holz für das Kraftwerk liefern kann. Vorgesehen ist nach den Worten von Joachim Adler, der für die Genossenschaft die Anlage plant, die Errichtung von drei bis vier Kesselanlagen mit Materiallager. Weiter soll in einem separaten Gebäude ein so genannter Stirling-Ofen zur Stromerzeugung errichtet werden, dazu kämen Büro- und Verwaltungsräume. Die Investitionskosten für die Anlage bezifferte Adler auf drei Millionen Euro, hinzu kämen 1,6 Millionen Euro für das Leitungsnetz. Die Genossenschaft erwarte öffentliche Zuschüsse in erheblichem Umfang für das Projekt, zudem würde das Vorhaben von der Hochschule für Technik und Wirtschaft wissenschaftlich begleitet. Die geplante Leistung des Kraftwerkes soll in der Endstufe bei drei Megawatt liegen. Nach Angaben der Genossenschaft hätten bislang 124 Haushalte ihre Bereitschaft erklärt, sich an das Nahwärmenetz anzuschließen. cbe