1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Losheim am See

Jugendcafe in Losheim besteht seit einem Jahr

Losheim : Wesentlicher Baustein in der Jugendarbeit

Das Losheimer Jugendcafé ist Anlaufstelle für junge Menschen, die sonstwo durchs Raster fallen. Nach einem Jahr wurde eine erste Bilanz gezogen.

„Die Förderung schwer zu erreichender junger Menschen“ ist die Zielsetzung des Paragraphen 16h des Sozialgesetzbuches II. Im vergangenen Jahr suchte das Jobcenter im Landkreis Merzig-Wadern nach Einrichtungen für Jugendliche und junge Erwachsene, die dieser Zielsetzung gerecht werden können. Das Rennen machte damals das Jugendcafé Losheim in Trägerschaft der Losheimer Arbeitsmarktinitiative (LAI). Zum einjährigen Bestehen des Projekts „Jugendcafé Losheim – Aktivierung und Coaching U25 – LAI“ zog die LAI nun Bilanz.

Aktuell hat das Jugendcafé 22 Teilnehmer. Von diesen besuchen derzeit sieben Jugendliche die Einrichtung mit dem Arbeits- und Vermittlungsgutschein (AVGS) des Jobcenters, 15 nehmen freiwillig an der Maßnahme teil und werden über den Europäischen Sozialfonds gefördert. Jährlich kostet das Projekt 120.000 bis 130.000 Euro.

„Das Jugendcafé Losheim kümmert sich um Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren, die bei anderen behördlichen Hilfen durchs Raster fallen“, sagte Losheims Bürgermeister Lothar Christ und bezeichnete das Projekt als „gut gelungen.“ Er lobte das Engagement und die Motivation aller Mitarbeiter, die dieses Projekt aufgebaut haben und weiter betreuen. Er akzentuierte, dass bereits „ein Konzept zur Umgestaltung der Räumlichkeiten besteht und mögliche Investoren gefunden wurden“. Denkbare wäre laut Christ auch „ein Umbau zum Dienstleistungszentrum“.

Für die Merzig-Waderner Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich ist das Jugendcafé Losheim eine „Anlaufstelle und vor allem Anknüpfungsstelle für Jugendliche“. Sie nannte es einen „wesentlichen Baustein in der Jugendarbeit“. Die Landrätin betonte: „Der Erfolg eines solchen Projekts ist abhängig vom Engagement der Mitarbeiter; und das hat hier alles gepasst. Kein vergleichbares Projekt ist so hoch frequentiert.“

Lisa Aktun, Sozialpädagogin und neben zwei Teilzeitkräften momentan einzige Vollzeitkraft des Jugendcafés, nutzte das Treffen, um auf den Inhalt, die Ziele und Möglichkeiten des Projekts einzugehen. Ihre Ausführungen boten den Gästen nicht nur einen Einblick in die Arbeiten des letzten Jahres, sondern machten auch anhand verschiedener Fallbeispiele klar, wie wichtig die  individuelle Hilfeleistung in konkreten Fällen ist. Dabei werden die drei Schwerpunkte „Social Coaching“, „Alltagsbewältigung/Stabilisierung“ sowie „Aktivierung und Bewerbertraining“ unter den drei Mitarbeitern aufgeteilt. „Wir geben keine Ziele vor, sondern helfen beim Erreichen selbst gesteckter Ziele“, erklärte sie. Dabei müssen selbst augenscheinlich „kleine Probleme“ wie der Fahrweg von Zuhause zum Café  durch die Mitarbeiter organisiert werden. Vor allem bei momentan 22 Teilnehmern summieren sich diese Probleme.

Großes Ziel einer jeden Maßnahme soll die Aktivierung und das Bewerbertraining sein, um junge Menschen in die Arbeitswelt zu integrieren. Dabei muss jedoch schon häufig bei grundlegenden Dingen – wie beispielsweise Haushaltsführung oder Körperhygiene – Hilfestellung gegeben werden. Das sei „zuweilen sehr mühsam und bedarf viel Geduld, einem jungen Erwachsenen auch noch die 20. Chance zu geben“, sagte Aktun, „es zahlt sich aber bei erfolgreicher Vermittlung immer wieder aus.“ Von den bislang 40 Teilnehmern verhalten die Betreuer des Jugendcafés neun zum Einstieg in den Arbeitsmarkt, zehn kamen in Folgemaßnahmen unter und sechs absolvieren die Schule oder eine Ausbildung.

Wie schnell man auf die Hilfe des Projekts angewiesen ist, berichtete ein Teilnehmer: „Meine Mutter verstarb, als ich 17 Jahre alt war. Da ich mich schon lange Zeit davor um sie kümmern musste, sackten meine Noten in der Schule ab. Ich hatte keine Lust mehr, irgendetwas zu tun und verlor immer mehr die Struktur. Das Jugendcafé half mir, mich auf wichtige Sachen zu konzentrieren und Behördengänge zu erledigen.“ Die Geburt seines nun dreimonatigen Sohnes motiviere ihn maßgeblich zu einer Veränderung: „Ich will ihm ein Vorbild sein. Deshalb möchte ich jetzt eine Ausbildung machen.“

Dabei wird ihn das Jugendcafé auch weiter unterstützen, lautete das Versprechen. Sozialpädagogin Lisa Aktun betonte abschließend, dass die Einrichtung grundsätzlich jedem offen stehe: „Man muss kein Problem haben, um ins Jugendcafé kommen zu dürfen.“