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Losheim
„Eine Frage der Vernunft“

Der Waderner Bürgermeister Jochen Kuttler.
Der Waderner Bürgermeister Jochen Kuttler. FOTO: TINA MANN
Losheim am See. Waderns Verwaltungschef Jochen Kuttler sieht in der Kooperation nur Vorteile für seine Kommune.

Gleich acht Hände knubbelten sich auf dem Buzzer, mit dem sechs Gemeinden symbolisch ihre Datenverarbeitung ins Rechenzentrum der KÜS DATA GmbH in Losheim am See verlagerten. Über die sich daraus ergebenden Perspektiven für die Zukunft unterhielt sich die SZ mit dem Bürgermeister der Stadt Wadern, Jochen Kuttler (ProHochwald).


Erfahrungsgemäß geben Kommunen nur ungern eigene Kompetenzen ab. Warum also hat sich der Rat von Wadern für das KÜS-Rechenzentrum entschieden?

Kuttler: Aus Gründen der Vernunft. Unser Server und auch das Equipment drumherum sind in die Jahre gekommen. Da stellte sich fast von selbst die Frage, ob man in neue Technik im eigenen Haus investieren will oder den Umzug in ein modernes Rechenzentrum ins Auge fasst. Diese Frage hatte ich auch frühzeitig auf der Ebene des eGo Saar aufgeworfen, aber damals war die Zeit noch nicht reif für konkrete Entscheidungen. Deshalb haben wir als Stadt die Entwicklung selbst vorangetrieben, auch aus der Überzeugung heraus, dass gerade die gemeinsame Heimat in einem Rechenzentrum die Keimzelle für mehr interkommunale Zusammenarbeit sein kann.



Mit diesem Schritt sind Sie offensichtlich nicht allein geblieben?

Kuttler: Nein, was uns freut. Die Stadt Wadern war hier Motor der Entwicklung. Wir haben von Anfang an versucht, Partner mit ins Boot zu nehmen. Letztendlich sind es nun die Stadt Wadern, die Gemeinde Losheim am See sowie die Gemeinden Weiskirchen, Perl, und Nonnweiler, die inzwischen den Umzug ins KÜS-Rechenzentrum gewagt haben. Und die Gemeinde Freisen will bald folgen.

Könnte es irgendwann eng werden im KÜS-Rechenzentrum?

Kuttler: Wohl kaum. Die vorgehalte Raum- und Technik-Kapazität würde locker allen Kommunen des Saarlandes eine Heimat geben können. Und dann wäre noch immer jede Menge Platz für zusätzliche Player.

Wie sehen Sie die aktuelle Diskussion um die Rechenzentrumsstruktur im Saarland?

Kuttler: Die Thematik ist komplex, weil es vieles ein Für und Wider gibt. Ich werbe allerdings – auch als Vorstandsmitglied des Zweckverbandes eGo Saar – intensiv dafür, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und gemeinsam schauen, wie dieses Land am besten in Richtung Digitalisierung geführt werden kann. Die Rechenzentrumsstruktur ist nur ein Baustein auf dem Weg dorthin. Insofern werden wir die Entwicklung der Rechenzentrumsstruktur im Saarland weiterhin genau beobachten. Die Verträge mit KÜS DATA wurden auch aus diesem Grunde so gestaltet, dass wir in ein paar Jahren durchaus noch einmal genau hinschauen können, was nun für unsere Kommunen das Beste ist. Aktuell hält die KÜS hier aber ein Rechenzentrum vor, das uns einen günstigen Preis und höchste Datensicherheit bietet. Viel mehr Argumente bedarf es meiner Meinung nach nicht. Dass sich die Welt aber weiterdreht und neue Entwicklungen neuer Entscheidungen bedürfen, versteht sich von selbst. Wir bleiben also dran!

Die Fragen stellte
Dieter Ackermann.