Interview mit Gertrud Selzer zum Weltladen-Tag in Losheim

Interview mit Gertrud Selzer : „Für die Produzenten ändert sich viel“

Das Vorstandsmitglied der Aktion Dritte Welt Saar erzählt, woran man fair gehandelte Produkte erkennen kann.

Der Weltladen in Losheim beteiligt sich diesen Samstag am bundesweiten Weltladen-Tag (siehe separater Text unten). Damit will die Aktion Dritte Welt Saar auf die Bedeutung des fairen Handels hinweisen. Gertrud Selzer vom Vorstand der Aktion Dritte Welt erzählt im Interview, woran man fair gehandelte Produkte erkennt und was der Losheimer Weltladen im Angebot hat – und warum es schon hilft, wenn Einzelne fair kaufen.

Frau Selzer, woran erkennt man fair gehandelte Produkte?

SELZER Jedenfalls nicht an einem Siegel. Wir arbeiten mit Fair-Handels-Importorganisationen zusammen, die seit Jahrzehnten für den fairen Handel stehen. Zum Beispiel die kirchlich geprägte Gepa oder El Puente und Weltpartner Ravensburg. Sie machen zu 100 Prozent fairen Handel und nicht nur mit einem Produkt. Zusätzlich gibt es Produktsiegel, zum Beispiel das Transfair-Siegel. Dies kann eine Firma für ein Produkt gegen Gebühr erwerben. Die Standards dieses weit verbreiteten Siegels sind sehr niedrig. Deshalb sind die großen Fair-Handels-Importeure aus der Versiegelung ausgestiegen. Zudem verkauft Transfair sein Siegel an Firmen in Deutschland, die Gewerkschaften die Arbeit erschweren; zum Beispiel an Lidl und Starbucks. Ich lehne dieses Fairwashing ab. In unserem Weltladen erhalten Sie nur Produkte aus fairem Handel, kontrolliert von der WFTO (Netzwerk der Fair-Handels-Organisationen, Anm. d. Red.) und dem Weltladen-Dachverband.

Nach welchen Bedingungen läuft der faire Handel ab?

SELZER Nach klaren sozialen und ökologischen Kriterien, die kontrolliert werden: Vorausfinanzierung, höhere Preise, so dass die Produzenten davon leben können. Zentral ist im fairen Handel die besondere Förderung von Frauen. Ebenfalls gesetzt ist, dass ohne ausbeuterische Kinderarbeit und ohne Gentechnik produziert wird.

Welche Produkte verkauft der Losheimer Weltladen, und von woher bezieht er die Waren?

SELZER Jede Menge Leckereien: Säfte, Gewürze, Tee, Schokolade, Kaffee und darüber hinaus Kunsthandwerk. Für uns ist wichtig, dass die Produkte qualitativ hochwertig sind, viele davon in Bioqualität. Wir arbeiten nur mit Importeuren zusammen, die bereit sind, hohe Kriterien einzuhalten und sich kontrollieren lassen.

Kann denn der Einzelne mit dem Kauf von fair gehandelten Produkten überhaupt etwas bewegen?

SELZER Ja, für die Produzentinnen und Produzenten im Süden ändert sich dadurch viel. Das darf man nie vergessen. Aber man muss auch ehrlich sein: Die Welt und das Klima können wir damit nicht retten. Auch mit fairem Handel ist eine bessere Welt nicht käuflich. Deshalb steht für die Aktion Dritte Welt Saar, dem Trägerverein unseres Weltladens, seit 37 Jahren zusammen mit dem Fairen Handel die politische Bildungsarbeit im Vordergrund. Für beides suchen wir Aktive. Wer nicht so viel Zeit hat, kann ganz konkret Fördermitglied werden.

Wie kann man den Menschen die Schwellenangst gegenüber dem fairen Handel nehmen?

Kaffee ist eins der Produkte im Angebot des Weltladens in Losheim. Foto: dpa/Bernd Settnik

SELZER Durch Veranstaltungen wie „Auf einen Espresso in den Weltladen“ an diesem Samstag und durch unsere Premiummärkte wie den Allerweltsbasar und den Ostermarkt. Wir helfen beim ersten Schritt.

Mehr von Saarbrücker Zeitung