Gut 450 Gäste lauschten dem Schlagabtausch der Bürgermeisterkandidaten

Losheim : Die drei Kandidaten gehen in die Verlängerung

Am Mittwochabend stellten sich Björn Kondak (SPD), Norbert Müller (CDU) und Einzelbewerber Helmut Harth den Fragen der Bürger.

Den Wahlgewinner hat das Trio am Ende der Podiumsdiskussion jeder für sich ausgemacht. „50 Prozent plus x“, schätzte CDU-Bewerber Norbert Müller seinen Anteil der Stimmen nach der Auszählung am 26. Mai. „Nach der Stichwahl bin ich jenseits der 50 Prozent“,  lautete die Antwort des SPD-Kandidaten Björn Kondak auf die Frage von SZ-Redakteur Christian Beckinger, wer das Rennen um den Bürgermeistersessel in Losheim macht. „Ich bin sehr optimistisch, dass ich bei der Stichwahl als Sieger hervorgehe“, sagte der parteilose Helmut Harth. Die Dauer eines Fußballspiel, also 90 Minuten, hatte Christian Beckinger, Moderator des Abends, angesetzt – weit über zwei Stunden debattierte das Trio, das Lothar Christ beerben will. Finanzen  waren ein Thema, außerdem Gewerbegebiete, die Entwicklung der Ortsteile und des Kernortes, die demografische Entwicklung, die Vorstellungen, wie die Kommune zukunftssicher zu gestalten sei, und der Verkehr. „Wir haben die reguläre Spielzeit längst überschritten, sind mittlerweile schon beim Elfmeterschießen“, kommentierte der Moderator die Diskussionsfreudigkeit des Trios in der Eisenbahnhalle.

Ihre Ziele als Verwaltungschef umrissen die drei Männer ebenfalls. Der 37-jährige Kondak sprach von dem Generationswechsel, der auf der Arbeit von Lothar Christ aufbauen soll, falls er Bürgermeister werde. Auch wolle er gemeinsam mit den Losheimern die Kommune gestalten. Zehn Jahre für Losheim richtig Gas geben, eine nachhaltige Weiterentwicklung des Kernortes und der Ortsteile sowie Losheim in zukunftsfähige Bahnen lenken, haben für den 56-jährigen Harth Priorität, sollte er den Chefsessel im Losheimer Rathaus einnehmen. Gesunde Kommunalfinanzen, Investitionen in langfristige Unternehmungen und die Entwicklung der Kernorte sind für Müller, 60 Jahre alt, die wichtigsten Dinge, sollte er Wahlsieger werden.

Rimlingens Ortsvorsteher Björn Kondak von der SPD will Verwaltungschef in Losheim werden. Foto: Werner Krewer

Ein paar Geheimnisse lüften die drei Kandidaten bei der Vorstellungsrunde. So gab Björn Kondak, Ortsvorsteher von Rimlingen, preis, dass er mit Ehefrau Julia bald Bierhochzeit feiere – ein Brauch, der  neun Monate nach dem Ja-Wort ansteht. Müller, Vater von vier Kindern aus Hausbach, verriet, dass stolzer Opa ist. Und Helmut Harth, geboren in Losheim und mittlerweile heimisch in Niederlosheim, verwies darauf, ebenfalls Großvater zu sein. Er wehrte sich gegen die Bezeichnung politischer Quereinsteiger.  „Ich bin ein Querdenker.“

Unter dem Stichwort „Losheim in Bewegung“ will Diplom-Geograf Harth die Kommune nachhaltig weiterentwickeln und zur landesweit führenden Modellgemeinde im Einklang von Ökonomie, Ökologie und Soziales bringen – mit „enkeltauglichen Entscheidungen“. In der Vergangenheit hätten viele Beschlüsse diese Maxime vermissen lassen. „Ob in der Umwelt, beim Klima oder beim Verkehr: Oft haben enkeltaugliche Entscheidungen keine große Rolle gespielt“, kritisierte er. „Enkeltauglichkeit ist nur ein Schlagwort“, konterte Diplomingenieur Müller, der ein Planungsbüro in Hausbach leitet. Seine Schwerpunkte: „Die Ortsteile stehen im Mittelpunkt, ebenso die Sanierung von Straßen, Wegen und Plätzen.“ Es gelte, Hallen und Bürgerhäuser energetisch zu sanieren und Leerstände zu vermeiden. Alte, leerstehende Gebäude sollten von der Gemeinde aufgekauft und abgerissen werden, um neuen Wohnraum für junge Familien zu schaffen. Vorstellen kann er sich auch die Gemeinde als Vermittlerin, die die Gebäude an Interessenten verkauft. Dabei kann er sich vorstellen, dass Bauherren Zuschüsse erhalten.

Der unabhängige Bewerber Helmut Harth kandidiert für das Amt des Bürgermeisters. Foto: Werner Krewer

Das Problem, dass es Baulücken gibt, ist laut Müller und Kondak bekannt. „Es gibt an der ein oder anderen Stelle  Baulücken“, sagte der Sozialdemokrat, der als Teamcoach bei den Saarlouiser Ford-Werken arbeitet. Mitarbeiter der Verwaltung und Ortsvorsteher seien im ständigen Kontakt mit den Grundstücks- und Immobilieneigentümern. „Doch viele Besitzer verkaufen nicht“, konterte er die Forderung von Harth, die Baulücken zu schließen, statt auf neue Wohngebiete zu setzen.

Nach Ansicht des SPD-Kandidaten steht die Gemeinde „einzigartig“ da. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Lothar Christ und die Fraktionen im Gemeiderat haben gut zusammenarbeitet.“ Nach dem Generationenwechsel, den er vollziehen wolle, gelte es, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Die Stärkung der Ortsteile seien wichtig, ebenso Bauplätze für junge Menschen, die zuhause bleiben wollen. Auch sollen Begegnungsstätten in den Orten geschaffen werden, da Gaststätten in den Dörfern mehr und mehr schließen würden. Am Herzen liege ihm auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dazu sei eine gute Kinderbetreuung wichtig. Das Fernziel, das er ansteuere: „die Kita-Betreuung auf Null fahren“ – was auch der CDU-Mann Müller propagiert.

Einig sind sich die Bewerber von CDU und SPD, dass es beim Endstufenausbau in vielen Baugebieten Nachholbedarf gibt. Auf rund zehn Millionen Euro schätzte Müller die Summe, die in den kommenden Jahren investiert werden muss. „Die Menschen haben einen Rechtsanspruch darauf“, sagte Kondak. Als  Finanzierungshilfe  könnte auch ein Betrag aus  dem Saarlandpakt dienen. Dabei stellt die Landesregierung der Gemeinde pro Jahr eine Million Euro für Investitionen zur Verfügung. Auch  Bildung, Betreuung, Entwicklung der Dörfer, Tourismus und Vereine könnten von diesem Geld profitieren.

Der Hausbacher Norbert Müller will als Kandidat der CDU den Chefsessel im Rathaus erobern. Foto: Werner Krewer

Bei Thema Verkehrsbelastung räumte Kondak ein: „Wir haben Nachholbedarf.“ Man müsse jetzt reagieren. Bei der Landstraße seien allerdings nicht die Losheimer federführend, sondern „das Land muss unseren Wünschen nachkommen“. Stationäre Blitzer sollen nach seiner Ansicht Raser ausbremsen, ebenso sollen Tempo-30-Zonen ausgebaut werden – Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, die auch bei Müller auf der Agenda stehen.

„An allen Ortseingängen wird zu schnell gefahren“, sagte Harth. Er forderte mehr Kontrollen, Blitzer oder Temposchwellen. Auch mahnte er neue Mobilitätskonzepte an, in die auch der ÖPNV und mehr Radwege eingebunden werden sollen. Mit Bürger-, Nachtbussen oder Gemeinschaftsautos kann man nach seiner Ansicht das Verkehrsaufkommen verringern und Senioren mobiler machen.

Auf die schwarzen Zahlen, die der Losheimer Haushalt schreibt, sind  CDU-Fraktionschef Müller und SPD-Fraktionsmitglied Kondak stolz. Der Christdemokrat kann sich, wie er sagt, noch an Zeiten erinnern, in denen es in der Gemeinde nicht so rosig aussah. „Jetzt haben wir Überschüsse und sind frei von Kassenkrediten“, sagte der erste Beigeordnete  Doch langfristige Schulden, etwa die für die Kanalsanierung, gebe es immer noch. Dies bestätigte auch Kondak, der zweiter Beigeordneter der Gemeinde ist. „Wir haben Disziplin bewiesen, profitieren vom Tourismus und von der Gewerbesteuer“, sagte er. „Ein paar Baustellen sind offen.“ Nach Ansicht des parteilosen Bewerbers Harth hat die Gemeinde zu viel Geld auf die hohe Kante gelegt statt zu investieren. Sein Beispiel: „Das Dach meines Hauses ist kaputt ist und ein Kostenanschlag weist die Reparatur mit 1000 Euro aus. Wenn mir das zu teuer ist und ich lasse es nicht sanieren, habe ich zwar auf den Moment 1000 Euro gespart, muss aber im Jahr darauf aber vielleicht 10 000 Euro in die Sanierung stecken.“

Auch kritisierte er, dass die Gemeinde zu wenig Fördertöpfe angezapft habe – eine Aussage, der Müller und Kondak widersprachen. „Wir sind stets auf der Suche nach Fördertöpfen und haben einen guten Kontakt nach Saarbrücken“, sagte der CDU-Mann. „Wir haben viele Fördermittel beantragt“, bestätigte Kondak. „Es wird nur immer schwieriger, EU-Gelder abzurufen.“ Harths Forderung, sich mit den Mettlachern und Wadern zusammenzutun und einen Wirtschaftsförderer anzuheuern, der sich kümmern soll, dass Zuschüsse fließen, stieß auf wenig Gegenliebe. Zudem solle sich ein hauptamtlicher Mitarbeiter mit Gebäudemanagement befassen und sich um Leerstände und Baulücken kümmern – einen Vorschlag, den Moderator Christian Beckinger kommentierte: „Wird es Rathaus dann nicht ein bisschen eng?“ Mit der Frage hatte er die Lacher auf seiner Seite.

„Kostet der Stausee die Gemeinde jedes Jahr 400 000 Euro?“, lautete eine Frage aus dem Publikum. Müller bejahte. Diese Summe schlage jedes Jahr im Haushalt des Eigenbetriebes Tourismus zu Buche. Das Geld werde benötigt, um das Gewässer und dessen Umfeld zu erhalten. Weder Kreis noch Land würden sich an den Kosten beteiligen. Nach den Worten von Harth sei dies nicht zu akzeptieren. Er forderte dazu auf, weiter aktiv zu sein und brachte Partnerschaften zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Hand ins Spiel, um auch in den Campingplatz investieren zu können. Die 400 000 Euro sind nach Ansicht von Kondak gut angelegt.  „Weit über eine halbe Million Besucher bringen jedes Jahr circa elf Millionen Euro an zusätzlichen Umsätzen, die auch den Bereichen Handel, Dienstleistungen und Handwerk zugute kommen“, lautete sein Argument.

Zum Schluss durften die Zuhörer noch einmal schmunzeln – bei den Antworten auf die Frage „Was schätzen Sie an ihrem Mitbewerber?“ Müller bescheinigte Kondak, „ein netter Mensch“ zu sein. „Wir können gut ein Bier zusammen trinken.“ Harth wiederum zollte Harth Anerkennung dafür, dass er sich schon so lange politisch für die Gemeinde engagiere. Kondak wiederum zollte Harth, Respekt, das Bürgermeisteramt in diesem Alter noch anzustreben. „Mit ihm über viele Themen zu diskutieren, macht Spaß.“

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