Die Sicherheit muss Vorrang haben

Es ist eine Tragödie, das Unglück, bei dem am Sonntag ein Wanderer in Losheim ums Leben kam. Doch anders als in der literarischen Bedeutung des Wortes ist dieser furchtbare Unfall nicht allein durch schicksalhafte Verstrickung verursacht worden, sondern auch durch menschliche Fehleinschätzungen

Es ist eine Tragödie, das Unglück, bei dem am Sonntag ein Wanderer in Losheim ums Leben kam. Doch anders als in der literarischen Bedeutung des Wortes ist dieser furchtbare Unfall nicht allein durch schicksalhafte Verstrickung verursacht worden, sondern auch durch menschliche Fehleinschätzungen. Diejenigen, die für die Ausgestaltung des Wanderweges zuständig waren, unterlagen einer fatalen Fehleinschätzung, als sie mit einem simplen Holzgeländer vor einer offenkundig gefährlichen Stelle warnen wollten. Doch jenes Geländer suggerierte eine trügerische Sicherheit, die es nicht gab. Als nun das unglückliche Opfer die Holzkonstruktion als Sicherheitseinrichtung wahrgenommen und benutzt hat (auch dies eine Fehleinschätzung mit schlimmen Folgen), kam es zur Katastrophe.Daraus den Schluss zu ziehen, auf Premiumwegen, die um ihres Erlebnischarakters wegen auch über schmale Pfaden, durch unwegsames Gelände, an Schluchten entlang und über Wasserläufe führen, bestehe generell Gefahr für Leib und Leben, ist gleichwohl überzogen. Jeder, der sich in der Natur bewegt, setzt sich einem gewissen Risiko aus und muss auch selbst Verantwortung für sein eigenes Wohl übernehmen. Allerdings muss auf einem ausgewiesenen Weg dafür Sorge getragen werden, dass jeder Benutzer auf besondere Gefahrenstellen aufmerksam gemacht wird. Und das so, dass jeder dies auf Anhieb versteht und nicht zu riskanten Handlungen verleitet wird. Das bedeutet nicht, dass sämtliche Wege nun mit massiven Geländern oder Zäunen ausgestattet werden müssten. Manchmal reichen einfache Warnschilder - so wie an etlichen Meeres-Steilküsten oder auch Pfaden durchs Gebirge, wo ebenfalls die Gefahr eines lebensgefährlichen Absturzes besteht. Und manchmal reicht es, den Wanderer auf seinem Marsch nicht zu nah an mögliche Gefahrenpunkte heranzuführen. Auch wenn das dem Weg etwas von seiner Attraktivität nimmt - die Sicherheit muss immer Vorrang haben.