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Der Nachbarschaftsmarkt in Wahlen bietet fair gehandelte Bananen an

Kostenpflichtiger Inhalt: Bio-Bananen in Wahlen : „Wir wissen, dass es auch anders geht“

Im Nachbarschaftsmarkt Multi Koppes in Wahlen sind nun fair gehandelte Bananen erhältlich. Davon sollen Kunden und Erzeuger profitieren.

Auf dem Tisch vor dem Nachbarschaftsmarkt Multi Koppes in Wahlen liegen Bananen. Daneben steht ein weißes fahrbares Regal, in dessen Korb sich ebenfalls Dutzende der Südfrüchte befinden. Dabei handelt es sich nicht um konventionelle Bananen, wie Gertrud Selzer im Gespräch mit der SZ betont. Das Vorstandsmitglied der Aktion Dritte Welt Saar geht ins Detail: „120 Familien, die in der Küstenregion im Süden von Ecuador leben, bauen dort auf sehr kleinen Flächen Bananen und Kakao an – ohne chemische Dünger und Pestizide, also nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus.“ Die Früchte seien fair gehandelt, ökologisch produziert und frei von Gentechnik, sagt Selzer. „Die Schalen kann man kompostieren“, ergänzt Jörg Koppes, Inhaber des Nachbarschaftsmarkts.

Selzer und Koppes arbeiten mit dem gemeinnützigen Verein Banafair zusammen. Die Kooperationspartner wollen nach ihren Worten für gerechte Arbeitsbedingungen, eine nachhaltige Entwicklung sowie fairen Handel kämpfen. Denn im Moment finde der Bananenhandel „unter katastrophalen Bedingungen“ statt, wie Selzer betont. Arbeitnehmerrechte und Umweltschutz spielten in der konventionellen Bananenproduktion häufig überhaupt keine Rolle. Doch damit will sie sich nicht abfinden: „Wir wissen, dass es auch anders geht, und arbeiten deshalb mit Banafair zusammen.“

Aufgrund dieser Kooperation bieten Selzer und Koppes nun in ihren Läden die Bananen der Bauern-Kooperative Urocal aus Ecuador an – Koppes im Nachbarschaftsmarkt Multi Koppes in Wahlen und Selzer im Weltladen der Aktion Dritte Welt Saar in Losheim.

Die Aktion Dritte Welt Saar hat sich laut Selzer auf die Fahnen geschrieben, dass „die gesamte Lieferkette von den Erzeugern im Ursprungsland über alle Zwischenhändler bis zum Verkauf an den Endkunden“ transparent sein müsse. Das betreffe vor allem den Preis. Außerdem orientiere sich der Verein an den Grundsätzen der Weltläden. So sei ausbeuterische Kinderarbeit ein Tabu. „Wir arbeiten nur mit Handelsorganisationen, die zu 100 Prozent fair arbeiten“, fügt sie hinzu. „Greenwashing“ lehnt Selzer ab. Darunter sind PR-Methoden zu verstehen, die Unternehmen ein umweltfreundliches Image verleihen, ohne dass das der Realität entspricht. Sie lehne daher das Transfair-Siegel ab. Stattdessen setze die Aktion Dritte Welt Saar eigenen Angaben zufolge auf Organisationen, die hochwertige Produkte aus wirklich fairem Handel anbieten – wie eben Banafair.

Von der Kooperation profitieren in den Augen Selzers nicht nur die Konsumenten, die qualitativ hochwertige und fair produzierte Früchte essen können, sondern auch die Erzeuger. So erhielten die Bauern in Ecuador langfristige Handelsbeziehungen und stabile Preise, die für existenzsichernde Einnahmen sorgten. Die Bio-Bananen kosten laut Koppes pro Kilo 2,50 Euro und somit 50 Cent mehr als konventionell produzierte Südfrüchte. Der sich daraus ergebende Mehrwert komme den Erzeugern in Südamerika zugute, sagt Selzer. Die Genossenschaft Urocal stecke das Geld beispielsweise in die Weiterbildung der Bauern oder auch in Programme für Kinder und Jugendliche. Selzer sagt: „Der Genossenschaftsverband unterstützt die Bauern auf verschiedenen Ebenen. Das Wichtigste ist ihm, dass die Böden fruchtbar und die Menschen gesund bleiben.“

Menschen sollen unter menschenwürdigen Bedingungen von ihren Produkten leben können – so lautet ein Grundprinzip der Aktion Dritte Welt Saar. Oder wie Selzer es auf den Punkt bringt: „Für uns gehören zu einer fairen Welt auf jeden Fall faire Löhne und Gewerkschaftsfreiheit überall auf dem Planeten.“ Nun sollen auch Bio-Bananen aus Ecuador zur Entstehung dieser Welt beitragen.