Dem Losheimer Forst geht es noch nie so schlecht wie heute

Forst in Losheim : Dem Losheimer Wald geht es schlecht

Folgen des Klimawandels und der Appetit des Borkenkäfers bescheren geringere Einnahmen aus dem Holzverkauf und viele neue Aufgaben.

Der Kommunalwald von Losheim am See bereichert die Gemeinde aktuell um die Erfahrung, dass es seit Kriegsende noch nie so schlecht um den eigenen Forst stand wie in diesen Tagen. Die Folgen des Klimawandels und der unstillbare Appetit des Borkenkäfers bescheren dem kommunalen Waldbesitzer einerseits auf absehbare Zeit geringere Einnahmen aus dem Holzverkauf und andererseits viele neue Aufgaben, die ohne zusätzliches Personal kaum zu stemmen sein werden.

Diese Erkenntnisse resultieren unter anderem aus der Schlussbesprechung für das neue Forstbetriebswerk, das für die kommenden zehn Jahre die nachhaltige Bewirtschaftung des Gemeindewaldes von Losheim festschreiben soll.

Neben Bürgermeister Helmut Harth nahmen Revierförster Ralf Simon und Forstwirtschaftsmeister Bertram Müller an dieser Schlussbesprechung im Rathaus teil. Der Leiter der Forstbehörde des Saarlandes, Hubertus Lehnhausen, war in dieser Runde neben weiteren Fachleuten ebenso vertreten wie Erich Fritz vom Saarforst Landesbetrieb. Die Ergebnisse seiner vorangegangenen Zustandserfassung (Waldinventur) präsentierte im Sitzungssaal der beauftragte Gutachter Otmar Ewen.

Den Vorgaben des saarländischen Landeswaldgesetzes entsprechend werden die Ergebnisse der Schlussbesprechung in einem Protokoll festgehalten, das später im Gemeinderat diskutiert werden soll. Dieses neue Forstbetriebswerk wird dann von der Forstbehörde in Saarbrücken offiziell in Kraft gesetzt.

In seinem Überblick über den aktuellen Zustand des Gemeindewaldes bezifferte Ewen zunächst mal die forstliche Betriebsfläche mit 2051,5 Hektar. Im Detail wies er darauf hin, dass er beispielsweise unter den Eichen mit einem lokalen Wald-Anteil von etwa neun Prozent so gut wie keine Naturverjüngung gefunden habe. Das sehe beispielsweise bei den Buchen mit einem Anteil von rund 23 Prozent deutlich erfreulicher aus: „Dort haben wir in vielen Bereichen natürlichen Zuwachs von jungen Pflanzen gefunden.“

Naturverjüngung finde zum Glück auch noch vielerorts im Gemeindewald unter den Fichten mit einem Anteil von etwa 27 Prozent statt. Dagegen habe insbesondere der Borkenkäfer dafür gesorgt, dass eine ökologische Fichtenbewirtschaftung durch die ökonomischen Folgen – „Fichten sind auf dem Holzmarkt aktuell fast nicht mehr zu verkaufen“ – kaum noch gewährleisten werden kann. Bertram Müller ergänzte diese Erkenntnisse mit einer aktuellen Beobachtung:Bertram Müller ergänzte diese Erkenntnisse mit einer aktuellen Beobachtung: „Ich habe gestern noch frische Bohraktivitäten des Borkenkäfers gefunden. So spät im Jahr habe ich das hier noch nie erlebt.“

Bürgermeister Helmut Harth hat eine junge Weißtanne entdeckt, deren Rinde sich ein Stück Wild schmecken ließ. Foto: a-n

Lehnhausen erinnerte an die Pläne des Umweltministeriums, mit der Pflanzung von Weißtannen, die dem Klimawandel besser als die Fichten trotzen können, zunehmend heißen und trockenen Sommern sowie der daraus zumeist folgenden Käferkalamität besser vorbeugen zu können. So mache es auch durchaus Sinn, Weißtannen in vorhandenen Fichtenbeständen zu pflanzen, um den Wald insgesamt zu stabilisieren. Der Leiter der Forstbehörde weiter: „Bei Neuanpflanzungen werden uns auch aufwendige Arbeiten wie die Bekämpfung des Adlerfarns bis hin zum Einzelschutz von jungen Bäumen gegen Wildverbiss nicht erspart bleiben.“ Gerade für den Wiederaufbau von Waldflächen und selbst für solche Vorkehrungen gegen den Wildverbiss stelle das Umweltministerium erhebliche Fördermittel zur Verfügung. Bei einer kleinen Rundfahrt durch Gemeindewaldbereiche freute sich Lehnhausen darüber, einige Weißtannen zu entdecken, die in der Folge eines Investitionsprogramms vor etwa 15 Jahren gepflanzt worden waren. Diese Bäume sind längst dank des Einzelschutzes dem Äserbereich des Wildes entwachsen und bereichern heute bei Bergen attraktive Waldbilder. Bürgermeister Helmut Harth zeigte sich am Ende optimistisch: „Wir hoffen, mit dieser neuen Forsteinrichtung die Weichen in der Bewirtschaftung unseres Gemeindewaldes so stellen zu können, dass wir uns trotz Klimawandel und Käferplage auch nach einem Jahrzehnt noch über einen ebenso nachhaltigen wie attraktiven Hochwald freuen können.“