Reiten: Das Ziel ist die EM in England

Reiten : Das Ziel ist die EM in England

Julie Thielen zählt zu den Top-Talenten im deutschen Springreiten. Dies bestätigt die 15 Jahre alte Losheimerin gleich zum Saisonstart mit nationalen und internationalen Erfolgen.

Als sich der Staub verzogen hatte und auf dem Parcours von Fontainebleau die deutsche Nationalhymne erklang, lief Julie Thielen eine Gänsehaut über den Rücken. Ob sich „Bad Man“ Mitte April beim weltgrößten Pony-Turnier nach stürmischem Galopp über die Hindernisse ähnlich fühlte, sah man dem vierbeinigen Partner der 15 Jahre alten Losheimerin nicht an, doch er wieherte zufrieden. Der gemeinsame Ritt über den kniffligen 1,25-Meter-Parcours brachte schließlich Gold.

Einen Tag später gewann Julie auf „Tonlyn Bobbys Girl“ auch noch den Wettbewerb über 1,20 Meter. Damit war sie die einzige deutsche Springreiterin, die in Frankreich zwei Prüfungen für sich entscheiden konnte. Das Kunststück war der Bundeskader-Athletin und ihren Ponys bereits eine Woche zuvor beim Nationen-Preis in Belgien gelungen. Mit zwei ersten Plätzen hatte die Saarländerin in Opglabbeek großen Anteil am vierten Platz der deutschen Mannschaft und einen Saisonstart nach Maß.

„Ich bin mega-stolz auf meine Pferde. Alles, was wir in der Wintersaison geübt und trainiert haben, haben sie mit mir prima umgesetzt“, lobte Julie. 2017 war das erfolgreichste Jahr ihrer jungen Karriere. Julie gewann Silber beim renommierten „Preis der Besten“ in Warendorf und beim weltgrößten Jugendreiter-Festival in Hagen. Neben dem Sieg beim Bundeschampionat in Warendorf mit „Top Medusa“ und Grand-Prix-Erfolgen in Gahlen und Legden gewann die süddeutsche Vizemeisterin auch ein S–Springen im schweizerischen Chevenez.

Für ihre nationalen und internationalen Erfolge wurde sie am vergangenen Freitag auch bei der Sportlerehrung der Gemeinde Losheim ausgezeichnet (siehe auch Text unten). Doch während die lokalen Landes- und Bundessieger aus verschiedenen Sportarten im Saalbau ihre Urkunden für die Titel der Jahre 2016 und 2017 überreicht bekamen, saß Julie schon wieder im Sattel. Mama Daniela nahm bei der Feierstunde den Preis entgegen, während die Tochter beim „Großen Preis von Honzrath“ Gold und Silber abräumte – und alle Oxer übersprang.

Nachdem Julie im M-Springen mit dem Pony „Bad Man“ gegen die Großpferde gewonnen hatte, qualifizierte sie sich für das Stechen im S-Springen mit zwei Pferden. „Volles Risiko“ lautete die Taktik bei den Starts auf „Showbizz“ und „Contento“. Der Plan ging auf. Die fehlerfreien Tempo-Ritte schockten die Konkurrenten, die wie im Vorjahr das Nachsehen hatten. Bruder Fabio, 10, stockte das Familienkonto mit Siegen im A-Stilspringen und Fehler/Zeit-A-Springen auf. Die Frühform der Thielens stimmt also. Und das ist wichtig, denn Julie hat in ihrem letzten Jahr als Pony-Reiterin noch viel vor. Der Start beim Pfingstturnier des Heimatvereins RFV Losheim ist Herzenssache und eine optimale Vorbereitung auf die renommierten Turniere in Warendorf und Hagen. Im niederländischen Wierden will sie mit der deutschen Mannschaft beim Nationen-Preis reiten und sich beim Bundestrainer für höhere Aufgaben empfehlen. „Ziel ist es, im August bei der Pony-EM in England zu starten“, sagt Julie und strahlt. „Bad Man“ und „Tonlyn Bobbys Girl“ wiehern zustimmend.

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