Christian will bald wieder sportlich aktiv seinRockkonzert soll Geld für Therapien bringen

Mitlosheim. Schritt für Schritt arbeitet er sich ins Leben zurück. Die ersten Gehversuche - wenn auch mit Krücken - gelingen. Tapfer arbeitet der 18-Jährige sich durch die Therapien, erträgt Krankengymnastik und diverse Übungen, die Heilung versprechen

 Von links: Andreas Krämer, Timo Hess, Christian Krämer, Andreas Aomar und Waltraud Krämer. Foto: Rolf Ruppenthal

Von links: Andreas Krämer, Timo Hess, Christian Krämer, Andreas Aomar und Waltraud Krämer. Foto: Rolf Ruppenthal

Mitlosheim. Schritt für Schritt arbeitet er sich ins Leben zurück. Die ersten Gehversuche - wenn auch mit Krücken - gelingen. Tapfer arbeitet der 18-Jährige sich durch die Therapien, erträgt Krankengymnastik und diverse Übungen, die Heilung versprechen. Ein Ziel hat Christian Krämer ganz klar vor Augen: seinen Rollstuhl für immer in die Ecke zu stellen und bald wieder für seine Handballer und Fußballer wertvolle Punkte einzuheimsen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf die Blutung im Rückenmark den sportlich durchtrainierten Mitlosheimer - am 13. Juli, dem ersten Tag der Sommerferien. "Ich hatte Schmerzen im Rücken, konnte das linke Bein nicht mehr bewegen", berichtet er. Zunächst glaubte Mutter Waltraud an eine Blockade der Wirbelsäule. "Doch als ich versuchte, ihm aufzuhelfen und er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, habe ich den Krankenwagen alarmiert." Die Diagnose wenige Tage später: eine Blutung im Rückenmark - ein Leiden, das in der Regel nur Senioren betreffe, wie die Mutter ergänzt. Jeden anderen hätte dieser Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen - nicht so Christian. Die Krankheit mit all ihren Folgen brach seinen eisernen Willen nicht - selbst nicht die Gewissheit, seine Lehrstelle bei Homanit nicht antreten zu können. "Ich habe einen guten Realschulabschluss, dann mache ich halt mein Abitur", schwor er sich. Und noch eines weiß er genau: Seine Freunde, Schulkollegen und Sportkameraden lassen ihn nicht im Stich. Die Familie steht ihm treu und liebevoll zur Seite. Die kratzte all ihr Geld zusammen, um das Bad behindertengerecht umzubauen. Geld von Versicherung oder Krankenkasse - Fehlanzeige. Die Versicherung Generali warf Christian sogar aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. "Seit Jahren bin ich dort Mitglied", klagt die Mutter. Die SZ hat bei der Versicherung nach dem Grund gefragt, bislang aber keine Antwort erhalten. Traurig ist die Absage der Krankenkasse IKK-Südwest. Die hatte Waltraud Krämer angeschrieben und einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt. "Um eine Einstufung in die Pflegestufe eins vornehmen zu können, ist ein tagesdurchschnittlicher Hilfebedarf von mindestens 90 Minuten erforderlich", ist in dem Schreiben zu lesen. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung will herausgefunden haben, dass für den Hilfsbedarf nur eine Minute notwendig ist "Allein dem Jungen ins Auto zu helfen, braucht's eine Viertelstunde", sagt Andreas Aomar, der Lebensgefährte von Waltraud Krämer. "Die Mutter soll einen neuen Antrag stellen", heißt es von der IKK auf SZ-Anfrage. Während sich Krankenkasse und Versicherung bitten lassen, bieten die Mitlosheimer und Losheimer spontan Hilfe an - ob Sportler, Frauengemeinschaft, Schiedsrichterverband, Feuerwehr, Globus, das Jubilar-Paar Hässler oder die Organisation "Bürger in Not". Der Vorstand des Gemeindeverkehrsverbandes spendet und plant, auch den Erlös seines Kartoffelessens in den Dienst der guten Sache zu stellen, wie Vorstandsmitglied Oliver Kunz sagt. Unterstützung kommt auch vom Malteser Hilfsdienst. "Da hat uns Helga Hasssler-Scherer jede Menge geholfen." Mitlosheim. Unzählige Mails hat er verschickt, ebenso viele Telefonate geführt und Bittgänge angetreten. Sein Ziel: Geld für seinen Sportfreund zu sammeln. "Die Idee, ein Benefizkonzert für Christian zu organisieren, kam mir vor gut einem Jahr", sagt der Mitlosheimer Timo Hess. Angerührt von dem traurigen Schicksal seines Sportkameraden Christian Krämer, hatte er nur noch ein Ansinnen: helfen. Und was kommt besser als ein Rockkonzert? Gesagt, getan. Er knüpft Kontakte, putzt Klingen, um Geld zusammenzutragen. "Es war stressig. Manches Mal habe ich auf Granit gebissen." Doch entmutigen ließ er sich nicht. Sein Erfolg: Die Bands ließen sich nicht lange bitten - sie spielen gratis. "Nur die Spritkosten muss ich zahlen." Und für die Übernachtung muss er ebenfalls sorgen. Am kommenden Samstag, 19. Juni, 16 Uhr, geht's los mit dem Rockfestival für die gute Sache. Einlass ist ab 15 Uhr. Weitere Spenden werden dringend gebraucht. Wer spenden möchte oder weitere Informationen braucht, kann sich direkt an Timo Hess wenden. mstInfos: timohess1@gmx.de oder Telefon (01 72) 9 53 25 69 "Ich hatte Schmerzen im Rücken, konnte das linke Bein nicht mehr bewegen."Christian Krämer

Auf einen BlickDie Bands: Krawallbrüder, Goodfellas aus Hannover mit der Band Ruffiction aus Berlin, Bloodbydayz, Circle of Death. HintergrundEine ganz besondere Aktion organisiert der Mitlosheimer Timo Hess für seinen Sportskameraden am kommenden Samstag, 19. Juni. "HardCore for HeartCore - HeartCare" hat er sein Benefizkonzert genannt. Das steigt in der Losheimer Eisenbahnhalle (siehe Bericht unten).mst

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