1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Losheim am See

Carina Großmann aus Weiskirchen verriet Vorbereitung.

Gedenken : „Düstere Geschichte vor Augen geführt“

Die Gedenkstunde für die Opfer der Reichspogromnacht vor 80 Jahren hat eine 16-Jährige tief beeindruckt.

Bei der denkwürdigen Gedenkveranstaltung am Freitag anlässlich der Reichspogromnacht vor 80 Jahren trug auch die 16-jährige Carina Großmann aus Weiskirchen mit einem Wortbeitrag zum Gelingen dieser Veranstaltung bei (wir berichteten). Die Schülerin der Klasse 11b der Peter-Dewes-Gemeinschaftsschule stellte sich im Anschluss einem kurzen SZ-Interview.

Was hast du bei den Vorbereitungen auf diese Veranstaltung und bei der Gedenkfeier empfunden?

CARINA GROßMANN Als wir uns im Detail mit dem beschäftigten, was den beiden jüdischen Familien in Losheim während und nach der Reichspogromnacht widerfahren ist, ist mir eigentlich zum ersten Mal richtig bewusst geworden, was dieses düstere Kapitel deutscher Geschichte für einzelne Menschen bedeutet haben muss. Während man sonst in den Medien viel Allgemeines über diese Zeit und die Gewaltherrschaft der Nazis erfährt, wurde mir die ganze düstere Geschichte bei der Auseinandersetzung mit den konkreten Beispielen hier in Losheim erst so richtig vor Augen geführt.

Was hat dich bei eurer Gemeinschaftsarbeit am meisten beeindruckt?

GROßMANN Ich konnte eigentlich zum ersten Mal wirklich nachvollziehen, was es für die betroffenen jüdischen Menschen damals bedeutet haben muss, auf einmal selbst von guten Nachbarn ausgestoßen zu werden. Das muss furchtbar gewesen sein!

Und wie findest du das Verhalten vieler Menschen in dieser Zeit, die tatenlos zugesehen haben, wie jüdische Mitmenschen praktisch über Nacht ausgestoßen, misshandelt und später vielfach ermordet worden sind?

GROSSMANN Bei mir hat die Auseinandersetzung mit diesem Thema und den konkreten Beispielen aus Losheim die Empfindung hervorgerufen, dass die Menschen unter der Gewaltherrschaft der Nazis von einer riesigen Furcht um das eigene Schicksal gelähmt worden sein müssen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass so viele Nachbarn von jüdischen Familien bei den Gewalttaten der damaligen Machthaber tatenlos weggeschaut haben.