Bürger-Energiegenosschenschaft steigert Bilanzgewinn um ein Drittel

Losheim : „Wir bauen die Energieversorgung der Zukunft“

Vertreter der Bürger-Energiegenossenschaft Hochwald stellen ihre aktuellen Geschäftszahlen vor. Sie sehen sich auf einem guten Weg.

Das waren wenig erfreuliche Wochen für die Befürworter von Windkraft-Projekten in unserem Kreis: Zunächst versagte das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) als Genehmigungsbehörde dem geplanten Windpark „Wintersteinchen“ bei Weiten aufgrund artenschutzrechtlicher Bedenken die Genehmigung. Und kurz darauf lehnte der Gemeinderat von Beckingen mit großer Mehrheit ein Angebot des Windkraft-Investors EnBW zum Bau von zwei Windrädern am Litermont ab (die SZ berichtete).

Bei Henry Selzer, dem Vorstandsvorsitzenden der Bürger-Energiegenossenschaft (BEG) Hochwald mit Sitz in Losheim, treibt dies den Blutdruck in die Höhe: „Die Politik hatte kurz vor den Kommunalwahlen Angst vor der eigenen Courage“, urteilt Selzer im Gespräch mit der SZ über diese beiden Entscheidungen. So wolle die Ratsmehrheit in Beckingen offenbar nichts mehr davon wissen, dass der Rat den geplanten Windpark-Standort am Litermont vor einigen Jahren mit überwältigender Mehrheit als Windkraft-Vorranggebiet ausgewiesen habe. Und auch beim ablehnenden Bescheid des Umweltministeriums unterstellten LUA zum Projekt Wintersteinchen vermutet Selzer maßgeblichen politischen Einfluss im Hintergrund.

Dabei ist nach seiner Überzeugung der weitere Ausbau regenerativer Energien in unserer Region angesichts des Klimawandels nicht nur ohne Alternative, sondern auch durchaus ein lohnendes Unterfangen. Dies beweise die Geschäfts-Entwicklung der von ihm mit ins Leben gerufenen Bürger-Energiegenossenschaft, deren aktuelle Geschäftszahlen Selzer und sein Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Millen jetzt der SZ präsentierten.

„Wir sind auf einem absolut guten Weg, werden dieses Jahr 3,2 Prozent Dividende an die Anteilseigner auszahlen und können darüber hinaus fast 50 000 Euro in die Rücklagen stecken“, betont Selzer. Die BEG habe 2018 nach seinen Worten einen Bilanzgewinn von über 175 000 Euro erzielt, nach rund 131 000 Euro im Vorjahr ein Plus von gut einem Drittel. Und das, wie Selzer überzeugt ist, auf sehr nachhaltige Art und Weise: „Wir haben ausschließlich in Projekte im Kreis investiert und arbeiten mit lokalen Anbietern zusammen“, sagt der BEG-Vorstandsvorsitzende.

Wie sein Aufsichtsratschef Jürgen Millen ergänzt, ist die BEG an 19 Windkraftanlagen im Landkreis beteiligt, davon gehören drei Windräder im Windpark Galgenberg auch der Genossenschaft direkt. Zudem gibt es Beteiligungen an neun Fotovoltaik-Anlagen. Und diese erneuerbaren Energien werden weiter an Bedeutung gewinnen, davon zeigt sich Henry Selzer überzeugt: „Dass es ohne Wind und Fotovoltaik nicht geht, ist jedem klar. Wir bauen hier aktuell die Energieversorgung der Zukunft.“ Und dabei sorge die Bürger-Energiegenossenschaft dafür, dass auch die Menschen vor Ort, in deren unmittelbarem Lebensumfeld mehr und mehr dieser nicht unumstrittenen Anlagen entstehen, von der dort erzeugten Wertschöpfung profitieren.

Und dieses Beteiligungsmodell kommt an, findet Jürgen Millen: Die Mitgliederzahl sei seit der Gründung der BEG im Januar 2012 auf 614 angestiegen, und das Interesse der Mitglieder an weiteren Beteiligungen nach wie vor hoch. So habe die BEG ihre jüngste Beteiligung, nämlich die am Windpark Perl, allein über zur Verfügung gestellte Gelder aus den Reihen ihrer Mitglieder finanziert bekommen. „Wir mussten keiner Werbung außerhalb der BEG machen“, sagt Millen.

Für Henry Selzer zeigt dies eines ganz deutlich: „Neben der lautstarken Minderheit der Windkraft-Gegner gibt es eine durchaus breite stille Akzeptanz für die Windkraft bei vielen Menschen vor Ort.“ Der Windpark auf dem Galgenberg bei Losheim, den die BEG selbst betreibt, zeigt nach Selzers Überzeugung deutlich, „dass Windkraft auch in unseren Mittelgebirgslagen profitabel funktionieren kann“. Die drei Windräder, die sich dort drehen, hätten seit ihrer Errichtung im Jahresschnitt immer die prognostizierten Energie-Erträge erzeugt.

Die Geschäftspolitik der Genossenschaft werde auch weiterhin auf Bodenständigkeit in jeglicher Form setzen, betonen Millen und Selzer. „Wir wollen bei unseren Investitionsvorhaben und Beteiligungen breit streuen und Risiken minimieren. Es geht uns darum, Kapital für weitere Projekte zu akquirieren und das Eigenkapital für unsere Mitglieder zu sichern.“

Henry Selzer, Vorstandsvorsitzender der Bürger-Energiegenossenschaft Hochwald. Foto: rup
Windräder stehen auf dem Galgenberg bei Losheim. Foto: Werner Krewer

Diese Geschäftspolitik habe bislang dazu geführt, dass die Genossenschaft keinerlei Schulden bei Banken habe und eine Eigenkapital-Quote von 90 Prozent besitze, betont Millen. Zudem setze die BEG bevorzugt auf kommunale oder regionale Energieversorger als Projektpartner, wie etwa die Stadtwerke Merzig oder den Energieversorger Energis.

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