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Birgit Philippi ist eine der wenigen Frauen an der Spitze eines Fuballclubs

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball : In Rissenthal sagt eine Frau, wo’s langgeht

Fußball ist auch heute noch weitgehend Männersache. Frauen auf dem Chefposten eines Vereins? Das gibt es nur selten. Eine aber ist bei ihrem Verein gar nicht mehr wegzudenken: Seit über 15 Jahren führt Birgit Philippi den SV Rissenthal.

Es gibt sicherlich nicht viele Frauen, die einen Fußball-Verein führen. Oftmals werden die, die sich der Verantwortung stellen, nicht nur hinter vorgehaltener Hand belächelt. Dennoch gab und gibt es Frauen, die es trotzdem tun. Eine davon ist Birgit Philippi. Beim SV Rissenthal, einem Verein aus der Fußball-Kreisliga Untere Saar, steht sie schon mehr als 15 Jahre als 1. Vorsitzende in der Verantwortung.

Birgit Philippi ist seit 2003 Chefin des SVR, mit einem Jahre Pause. Foto: Philippi Foto: Philippi

„Ohne das wirklich überragende Engagement von Birgit, gäbe es den Verein wohl nicht mehr.“ Diese Worte stammen von einer Frau, die sicher weiß, wovon sie spricht: Margret Kratz, ehemalige Frauen-Fußball-Nationalspielerin und seit mehr als 20 Jahren Verbands-Sportlehrerin des Saarländischen Fußball-Verbandes, stammt aus Rissenthal und ist mit dem Verein bestens vertraut. „Birgit hat sich in einer für den Verein sehr schwierigen Zeit zur Verfügung gestellt und hat in den Jahren, als es keine Herren-Mannschaft gab, alles getan, damit der Verein weiter besteht“, sagt Kratz weiter. Ein großes Lob aus berufenem Mund.

Rissenthal hat 670 Einwohner, gehört zur Gemeinde Losheim am See, und stellt derzeit zwei aktive Mannschaften, die am Spiel-Betrieb teilnehmen. Sicher eine beachtliche Leistung, dass der eher kleine Verein, der rund 160 Mitglieder zählt, so viele Aktive stellen kann. An was es hapert, ist eine funktionierende Jugend-Abteilung. „Daran arbeiten wir, bieten Training an, das auch gut angenommen wird, doch im Moment stehen die Räder ja still“, sagt Philippi.

 Margret Kratz trainierte auch schon die Damen des SVR. Foto: Andreas Schlichter

2003 hatte sie den Vorsitz beim SVR übernommen. „Wir waren damals in einer schwierigen Phase, und da niemand bereit war, den Verein zu führen, hab ich es halt gemacht“, schildert Philippi, die als Bankkauffrau bei der Sparkasse Merzig-Wadern arbeitet, die Anfänge ihrer Vereins-Arbeit.

Bis auf eine einjährige Unterbrechung im Jahr 2016 ist sie seitdem in der Verantwortung. Als Highlight ihrer Amtszeit nennt Philippi die Umgestaltung des Sportplatzes in einen schmucken Naturrasen-Platz. „Da hat der gesamte Verein mitgemacht, und die neue Anlage konnte am 17. Juli 2018 mit einem großen Fest eingeweiht werden. Für alle im Verein war dieses Ereignis ein Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte“, blickt Philippi gerne auf die Einweihung zurück. Wenn man so lange ein Ehrenamt ausübt, dann gibt es immer mal Reibungs-Punkte. Die gab es auch bei Birgit Philippi, doch sie sagt: „Ich hatte schon Momente, wo ich kurz dachte, ich werfe den Bettel hin. Doch so richtig ernsthaft habe ich das noch nicht in Erwägung gezogen.“

Beim 1956 gegründeten Verein hat auch der Frauen-Fußball eine große Tradition. Und – wie sollte es anders sein – Philippi hat über viele Jahre hinweg in dieser Abteilung als Spielerin und Kapitänin ihre Spuren hinterlassen. „Birgit ist ein grundehrlicher Typ, war als Spielerin sehr zielstrebig und für die Abteilung ein absoluter Gewinn“, meint Margret Kratz, die beim SVR schon als Trainerin arbeitete. Derzeit spielen die Frauen des Clubs in einer Spiel-Gemeinschaft mit Oppen und Wahlen-Niederlosheim.

Wie alle Vereine haben auch die Fußballer in Rissenthal mit dem Coronavirus zu kämpfen. „Es ist für uns sehr schwer, die jetzige Zeit zu überstehen. Die Einnahmen fehlen, doch die Ausgaben laufen weiter. Wir hatten Glück, dass wir unsere Kappensitzung noch abhalten konnten, aber das Viezfest Anfang Oktober werden wir wohl absagen müssen“, meint Philippi. „Zuletzt wurden die Getränke-Bestände aus dem Clubheim veräußert, da kam ein bisschen Geld rein.“

Dass man die unterbrochene Saison zu Ende spielen kann, daran glaubt die Vorsitzende nicht. „Wir waren bei der SFV-Abstimmung dafür, dass die Runde abgebrochen wird. Das Virus ist halt eine Sache, die niemand beeinflussen kann und es weiß ja auch keiner so recht, wie und vor allem wann es weitergehen wird“, sagt die Club-Chefin.