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Bei der Frauengemeinschaft in Losheim stritten sich Queen und King

Kostenpflichtiger Inhalt: Fastnacht in Losheim : Närrische Oscars für ideenreiche Frauen

Nach Hollywood hatten die Damen der Katholischen Frauengemeinschaft bei ihrer Kappensitzung eingeladen.

Die Damen der Katholischen Frauengemeinschaft Losheim sind mit ihren Themen immer brandaktuell. Kaum waren in Hollywood die Oscars vergeben, da wurde auch schon in der Eisenbahnhalle der Rote Teppich ausgerollt. Der Ruf der Theatergruppe war doch tatsächlich bis nach Los Angeles gedrungen. Todschick nahmen die Damen dort die begehrte Trophäe entgegen und kamen dann per Flugzeug – ein Film bewies die Echtheit dieser Reise – direkt nach Losheim gedüst.

„Wo nehmen die nur immer die Ideen her?“, fragte eine Zuschauerin, nachdem sie begeistert applaudiert hatte. Ja, der Ideenreichtum der Theatergruppe ist unerschöpflich. Natürlich wurden die Männer auch in diesem Jahr kräftig beharkt, aber sie durften sich wehren, indem beispielsweise König Friedekurt den Unterschied zwischen Fliegen und Frauen erklärte: „Fliegen nerven nur im Sommer.“ Es gab einen heftigen Schlagabtausch zwischen Queen und King. Wenn es so bei den Royals zugeht, dann gute Nacht, England.

Die Mitglieder des Frauentreffs hatten eine Castingagentur eröffnet und beschlossen, Männerrollen künftig nur noch mit Frauen zu besetzen. Der klassische Macho habe ausgedient. Der „Quotenmann“ in ihrer Jury fand diese Idee schlecht und würde sie allenfalls für „Dick und Doof“ durchgehen lassen. Aber seine Kolleginnen setzten sich durch, und so gaben weibliche Zorros, Tarzans, Colombos und ähnliche Helden eine Zwerchfell erschütternde Performance.

Neben der Theaterspielerei können die Damen auch hervorragend singen und tanzen. Für einen Programmpunkt verwandelten sie sich in eine Schar reizender Liza Minellis. Dann wurde es peinlich: Der Sohn eines biederen Ehepaares hatte auf seinem Handy eine App entdeckt, die als Lügendetektor gute Dienste leistet. Wer die Unwahrheit sagt, bekommt einen Stromstoß versetzt. Das wurde sogleich erfolgreich an Sohn und Ehemann ausprobiert. Aber dann bekam Mama das Gerät in die Hand, und als sie zu einer längeren Strafpredigt für ihren Mann ansetzte, die mit den Worten „Dein Sohn“ begann, wälzte sie sich ebenfalls zuckend auf dem Teppich.

Der andere Teppich, nämlich der Rote, wurde anschließend von echten Stars bevölkert. Der Enkel von Frank Sinatra – kein anderer als der stimmgewaltige Kaplan Kevin Schirra – riss das Publikum mit „New York, New York“ zu Begeisterungsstürmen hin, und Captain Jack Sparrow, alias Ortsvorsteher Stefan Palm, wollte gleich die ganze Theatergruppe auf sein Piratenschiff entführen.

Keine Losheimer Frauenfösend ohne die Mitwirkung ihres geistlichen Oberhauptes, Pastor Peter Alt. Bei einem Interview, das Kättchen als Journalistin des Losheimer Pfarrbriefes mit Brad Pitt führte, fungierte Alt als Gebärdendolmetscher und legte dabei eine bewundernswerte Fitness an den Tag.

Ältester Gast in Hollywood war Fräulein Baumann, ganze 110 Jahre alt, Ehrenjungfrau und ehemaliges Mitglied in Heesters Krabbelgruppe. Nachdem sie ihre Lebensweisheit mit dem Publikum geteilt hatte, rief sie ihren Waldemar auf die Bühne und die beiden begannen, ungeachtet der dem Alter geschuldeten Baustellen, einen flotten Tanz.

Tänze steuerte auch die Losheimer KG Rot-Weiß bei. Die Barbies präsentierten „Classic Rock“, das Männerballett einen „Tanz der Nomaden“, und es gab einen Auftritt des Kindertanzpaares, das zum vierten Mal in Folge den Saarlandmeistertitel nach Losheim gebracht hatte. Auch das Prinzenpaar gab sich die Ehre, und die Weiskircher entsandten ihr Männerballett mit „Aladin“.

Höhepunkt des Abends war natürlich die Oscar-Verleihung. Wieder hatten die Damen in die Trickkiste gegriffen und geschickt drei ihrer Mitglieder in die Filme „Pretty Woman“, „Sister Act“ und „Titanic“ eingebaut. Einen Oscar für sein Lebenswerk bekam Pastor Alt, der seit acht Jahren bei jeder Sitzung dabei ist und den Ernst des Lebens mit seinem Humor würzt. Nach dem großen Finale entließen die beiden brillanten Moderatorinnen eine Schar von Zuschauerinnen, die auch beim Verlassen des Saales immer noch vergnügt in sich hineinschmunzelten.

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