Aktionstag in Residenz Losheim fordert mehr Wertschätzung für Pflegeberuf

Aktionstag in Losheim : Stolz darauf, Menschen zu pflegen

Die Abwärtsspirale bei Pflegekräften aufzuhalten und die positiven Seiten in den Vordergrund zu rücken, nennt Chantal Ostermann als Anliegen von „proud to care“.

Morgens trieb ihr noch der angekündigte Stellenabbau saarländischer Stahlbetriebe die Sorgenfalten auf die Stirn. Der späte Nachmittag gefiel ihr dann deutlich besser: Beim Besuch der Residenz Losheim am See genoss es Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger sichtlich, sich mit vielen Senioren und deren Pflegepersonal auf einen kleinen Plausch einzulassen.

Als sie dann noch Raimund Jakobs, den früheren langjährigen Bürgermeister der Seegemeinde entdeckte, der im vergangenen Jahr in der Residenz die Vollendung seines 90. Lebensjahres gefeiert hatte, fielen sich beide strahlend in die Arme. Das passte gleichzeitig perfekt zum bundesweiten Auftakt der Initiative „proud to care“, mit der sich die 120 Residenzen der Victor’s Gruppe für einen Imagewandel bei den Pflegeberufen engagieren wollen.

Rein farblich dominierte Pink das Bild im Erdgeschoss der Residenz. Luftballons, Deko und nicht zuletzt die T-Shirts der Pflegerinnen und Pfleger mit dem Logo „proud to care“ (stolz darauf, sich zu kümmern) stellten sicher, dass bei aller Feierlaune der Sinn des Ganzen nicht in Vergessenheit geriet. Chantal Ostermann, Mitglied der Geschäftsleitung und Innovationsbeauftragte der Victor’s-Gruppe, sagte zu der gestarteten Initiative: „Ziel ist es, die öffentliche Wahrnehmung auf das zu lenken, was Pflege auch ist – ein anspruchsvoller, zukunftssicherer und schöner Beruf mit vielen Karrierechancen.“

In den vergangenen Jahren sei ihrer Meinung nach in der öffentlichen Diskussion zu sehr über die negativen Aspekte diskutiert worden, was die aufgrund des demografischen Wandels ohnehin schon angespannte Lage bei der Mitarbeitergewinnung noch zusätzlich angeheizt habe. Diese Abwärtsspirale aufzuhalten und stattdessen die positiven Seiten in den Vordergrund zu rücken, das sei nach Auskunft von Chantal Ostermann das aktuelle Anliegen von „proud to care“, das insbesondere als ein Mitmachangebot an alle Träger in der Gesundheitsbranche zu verstehen sei.

In diesem Zusammenhang erinnerte Thorsten Sprengart, Leiter der Residenz Losheim am See, daran, dass es für die ganze Pflegebranche immer noch keinen flächendeckenden Tarifvertrag gibt. Da sei in erste Linie die Politik gefordert. Die Initiative „proud to care“ habe aber auch die involvierten Organisationen wie Pflege- und Krankenkassen, soziale Verbände und viele mehr im Fokus, denen die Victor’s-Gruppe nachdrücklich die wichtige Rolle guten Personals vor Augen führen wolle. Es betreue hilfebedürftige Menschen und ermögliche diesen ein selbstbestimmtes Leben. So habe er sich an diesem Tag sehr darüber gefreut, dass ein Awo-Vertreter einen pinkfarbenen „proud to care“-Sticker gleich demonstrativ an sein Auto gepappt habe.

Ein Höhepunkt am Starttag dieser Initiative war aber nicht zuletzt der Besuch von Anke Rehlinger, die von Hartmut Ostermann, Aufsichtsrats-Vorsitzender der Victor’s Group, Chantal Ostermann und Thorsten Sprengart begrüßt wurde. Die Ministerin nahm sich gleich die Zeit, nach der offiziellen Begrüßung mit allen anwesenden Residenzbewohnern und deren Pflegepersonal einige Worte zu wechseln. Klar, dass sie das Wiedersehen mit Raimund Jakobs nutzte, um sich über die Frage nach dessen Wohlbefinden in der Residenz hinaus mit dem alten Freund über die eine oder andere Anekdote aus der Vergangenheit auszutauschen.

Anke Rehlinger freut sich über das Treffen mit Raimund Jakobs. Foto: a-n

Auf großes Interesse stieß schließlich noch ein Musikvideo mit dem Titel „proud to care“, das von dem Berliner Rapper Graf Fidi mit echten Mitarbeitern, Azubis und Bewohnern gedreht worden ist. Dazu sagte die Innovationsbeauftragte Chantal Ostermann: „Dieses Musikvideo ist das emotionale Herzstück unserer Initiative. Wir laden ausdrücklich alle Träger der Gesundheitsbranche ein, sich der Initiative anzuschließen. Ob kirchlich, caritativ, staatlich oder privat organisiert, ob aus der Alten- oder Krankenpflege kommend, wir sitzen alle im selben Boot und sollten gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung