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Trauer
Trauer um den ehemaligen Landrat Linicus

 Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte bei einem Empfang in Merzig im Januar 2007 Landrat a.D. Linicus.
 Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte bei einem Empfang in Merzig im Januar 2007 Landrat a.D. Linicus. FOTO: rup
Merzig-Wadern. Kurt Matthias Linicus starb mit 97 Jahren in Merzig. Er war sehr sozial engagiert und Vater des Hilfsfonds „Bürger in Not”. Von Christian Beckinger

Der langjährige Landrat des Kreises Merzig-Wadern, Kurt Matthias Linicus, ist tot. Wie seine Familie am Wochenende bekannt gab, starb Linicus bereits am 9. November im Alter von 97 Jahren. Er hatte seinen Lebensabend in Merzig verbracht. Der Verstorbene zählt zu den prägenden Persönlichkeiten des Landkreises nach dem Zweiten Weltkrieg: 1952 trat der am 4. Juni 1921 geborene Linicus das Amt des Landrates an und blieb bis zum Februar 1985, also fast 33 Jahre lang, Leiter der Kreisverwaltung. Sein unmittelbarer Nachfolger wurde Michael Kreiselmeyer, auf den wiederum 2004 die heute amtierende Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich folgte.


Der studierte Jurist Linicus wurde nach seiner Ernennung zum Regierungsassessor 1951 in die Kreisverwaltung versetzt. Mit Wirkung vom 15. Mai 1952 wurde er von der Regierung des Saarlandes nach Zustimmung durch den Kreisrat zum Regierungsrat und Landrat des Kreises Merzig-Wadern ernannt, zunächst kommissarisch, zum 1. Januar 1953 dann endgültig.

In seiner Amtszeit legte Linicus großen Wert auf die Modernisierung des Schulwesens, hier seien beispielhaft genannt der Neubau der Realschule in Merzig, der Neubau der Sporthalle in Merzig sowie des BBZ und der Bau der damaligen Sonderschulen Noswendel und Merchingen. „Mit der Neustrukturierung der Volkshochschule und der Musikschule sowie der Unterstützung der Christlichen Erwachsenenbildung hat er auch die Erwachsenenbildung deutlich ausgebaut und modernisiert“, teilt die Kreisverwaltung mit. Ende der 60er Jahre war zudem über eine Zusammenlegung des Kreises Merzig-Wadern mit dem Nachbarkreis Saarlouis diskutiert worden. Dem großen Einsatz von Linicus ist nach den Worten der Kreisverwaltung zu verdanken, dass der Landkreis in seiner damaligen und noch heute im Wesentlichen bestehenden Form erhalten bleiben konnte.



„Es gab für mich nichts schöneres, als Landrat zu sein“, hatte der aus Trier stammende Linicus anlässlich seines 90. Geburtstages im Jahr 2011 erklärt. Landrat Linicus zeigte sein vielfältiges soziales Engagement unter anderem beim Aufbau des SOS-Kinderdorfes in Hilbringen. Er zählte, neben dem Unternehmer-Ehepaar Beatrice und Luitwin von Boch, damaliger Generaldirektor von Villeroy & Boch, zu den Mitbegründern der Einrichtung, für die im Jahr 1959 die Grundsteinlegung erfolgte. Unter seinem Vorsitz wurde zudem 1977 der Hilfsfonds „Bürger in Not” des Landkreises ins Leben gerufen. Lange Jahre war er auch Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes im Landkreis.

Zeit seines Lebens blieb Linicus dem deutschen SOS-Kinderdorfverein treu verbunden. Er war ein Freund und Weggefährte von Hermann Gmeiner, dem Gründer der SOS-Kinderdörfer. Der Kinderdorfverein würdigte den Verstorbenen mit den Worten: „Als ehemaliger Landesstellenleiter im Saarland, als Mitglied des Vorstands und als Vorsitzender des Verwaltungsrats gestaltete er über Jahrzehnte das erfolgreiche und nachhaltige Wachstum des SOS-Kinderdorfvereins in Deutschland an entscheidender Stelle mit.“ Bis 2003, also noch lange nach seinem Ausscheiden aus seinem Amt als Landrat des Kreises, hatte Linicus die Verwaltungsstelle Saar des SOS-Kinderdorfes geleitet. Für sein soziales und gesellschaftliches Engagement wurde er 2003 mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet.

CDU-Mann Linicus zählte auch zu den Gründungsvätern des Kreisverbandes Merzig-Wadern der Christdemokraten, den er 1955 mit aus der Taufe gehoben hatte. Bis zuletzt nahm Linicus trotz seines hohen Alters am politischen und gesellschaftlichen Leben des Landkreises teil, war gern gesehener Gast auf diversen Festakten und öffentlichen Veranstaltungen, wie etwa beim Festakt zum 200-jährigen Bestehen des Kreises Merzig-Wadern im Juli 2016.

„Ich habe mit großem Bedauern vom Tod von Landrat a.D. Kurt Matthias Linicus erfahren. Er war ein sehr beliebter und aktiver Landrat, hat von 1952 bis 1985 die Geschicke unseres Landkreises gelenkt und sich dabei immer für die Belange der Bürger und der Region eingesetzt“, so kommentiert Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich den Tod eines ihrer Amtsvorgänger. Linicus habe „den Boden für die gute Entwicklung des grünen Kreises bereitet, auf die seine Nachfolger und somit auch ich aufbauen konnten“. So sei vieles mit ihm verbunden, sagt die Landrätin. „Sein Andenken wird so immer weiterleben.“

Für Kurt Matthias Linicus wird am Freitag, 30. November, um 14 Uhr eine Eucharistiefeier in der Pfarrkirche St. Peter in Merzig zelebriert. Die Beisetzung findet nach Auskunft der Hinterbliebenen im engsten Familienkreis statt.

So fing alles an. 1959 legte der Vater der Kinderdorf-Idee, Hermann Gmeiner (Vierter v. l.) im Beisein von Landrat Kurt Linicus (Zweiter v. l.) und Luitwin von Boch (Dritter v. l.) den Grundstein für das Hilbringer Kinderdorf.
So fing alles an. 1959 legte der Vater der Kinderdorf-Idee, Hermann Gmeiner (Vierter v. l.) im Beisein von Landrat Kurt Linicus (Zweiter v. l.) und Luitwin von Boch (Dritter v. l.) den Grundstein für das Hilbringer Kinderdorf. FOTO: kinderdorf