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Kreis Merzig-Wadern: Arbeitskammer kritisiert Angebot im ÖPNV

Merzig-Wadern : Sonntags fährt kaum ein Bus im Grünen Kreis

Nur wenige Menschen im Kreis Merzig-Wadern nutzen Bus und Bahn. Einen Grund dafür sieht die Arbeitskammer im lückenhaften Angebot.

Der Landkreis Merzig-Wadern ist nach Ansicht der Arbeitskammer in vielen Bereichen gut aufgestellt: Die Arbeitslosigkeit ist die zweitniedrigste im Saarland, die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren ist überdurchschnittlich. Viele lobende Worte fanden die Mitarbeiter der Arbeitskammer bei der Vorstellung des Kreisreports für den Grünen Kreis. Doch in einem Punkt übte Jürgen Meyer, Leiter der Stabsstelle Innovation und Umwelt, deutliche Kritik: beim öffentlichen Nahverkehr.

„Noch viel Luft nach oben“ ist die Präsentation überschrieben, mit der Meyer die Auswertungen der Arbeitskammer darstellt. „Die Nutzerquote ist die geringste im ganzen Land“, erläutert er – nur zwei Prozent der Befragten nutzen den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) täglich oder fast täglich. Zum Vergleich: Im Landkreis St. Wendel liegt diese Quote bei vier Prozent, in Neunkirchen und Saarlouis bei vier Prozent, im Saarpfalz-Kreis bei fünf Prozent und im Regionalverband Saarbrücken bei zehn Prozent. Doch nicht nur die Nutzerquote ist unter dem Durchschnitt. Auch die Zufriedenheit der Befragten mit dem ÖPNV im Grünen Kreis ist nach Meyers Worten „eher dürftig“. Lediglich 33 Prozent gaben an, mit dem Nahverkehrsangebot zufrieden zu sein. In allen anderen Landkreisen liegt diese Quote bei über 50 Prozent, der Saarpfalz-Kreis und der Regionalverband Saarbrücken erreichen sogar fast 70 Prozent.

„Woran könnte das liegen?“, fragt Meyer und versucht sich auch gleich an der Antwort. Ein wesentliches Problem sieht er im Fahrplanangebot: Sonntags gebe es keine Angebote und samstags „nur an ganz wenigen Stellen“. Ausnahmen stellten lediglich die Verbindungen dar, die von anderer Seite organisiert werden, wie von den Kreis-Verkehrsbetrieben Saarlouis oder der Deutschen Bahn. „Viele Menschen arbeiten nach 19 Uhr, samstags oder sonntags“, führt er weiter aus. Für diese komme eine Nutzung des Nahverkehrs im Kreis nicht infrage.

Aber auch im touristischen Bereich sieht Meyer Probleme durch die fehlenden Verbindungen am Wochenende: „Es gibt viele Ziele, die Nutzer generieren könnten, aber es gibt kein Angebot.“ In Sachen Nahverkehr sei dringend ein Umdenken nötig, ist seine Schlussfolgerung. Die Frage sei: „Will der Landkreis sich stärker engagieren oder nicht?“

Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich räumt gewisse Schwächen im ÖPNV ein: „Es ist sicher so, dass der Landkreis Merzig-Wadern kein Landkreis mit einem extrem ausgebauten Angebot ist.“ Aber, so kündigt sie an: „Das wird sich mit dem neuen Nahverkehrsplan ändern.“ Im neuen Angebot würden die Wochenenden aufgenommen, außerdem werde versucht, Gewerbegebiete besser anzuschließen. Auch auf touristischen Zielen solle ein stärkerer Fokus liegen.

Insgesamt soll es bis in fünf Jahren dann ein Angebot von 2,3 Millionen gefahrenen Kilometern pro Jahr geben, kündigt die Landrätin an. Dies seien rund 800 000 Kilometer mehr als zurzeit. „Ob das dazu führt, dass der ÖPNV stärker genutzt wird, bleibt abzuwarten“, räumt Schlegel-Friedrich jedoch ein. Denn: „In einem großen Flächen-Landkreis werden Sie nicht alle Ziele anbinden können, wie es in einer Stadt wie Saarbrücken möglich ist.“ Mit dem Auto seien alle Ziele vergleichsweise schnell zu erreichen – „diese 1-a-Qualität werden wir im ÖPNV nicht abbilden können“. Zudem, so die Landrätin: Wenn in den ÖPNV investiert würde, müssten an anderer Stelle Gelder eingespart werden. „Der Schwerpunkt unseres Landkreises liegt ganz klar im Bereich der Schulen“, sagt sie. Einer höheren Bildungsrendite den Vorzug zu geben sei „eine nachvollziehbare Entscheidung“.