Wort zum Alltag von Christel Schmitt aus Wadern: Wir brauchen die Veränderung

Kolumne „Wort zum Alltag“ : Wir brauchen die Veränderung

Die Zahl der Menschen, die aus der Kirche austreten, steigt. Da stellt sich die Frage: Wie wichtig ist Religion den Menschen überhaupt noch? Und welche Rolle sollte die Kirche spielen?

Immer mehr Saarländer treten aus der Kirche aus. Das war kürzlich eine Meldung in den Medien. Für viele eine Meldung, die allenfalls ein „überrascht mich nicht“ entlockt. Die Kirche, so war zu lesen, empfindet es als schmerzlich. Die Frage „Warum Menschen die Kirche verlassen?“ möchte ich umdrehen und fragen: Wann und wie hat die Kirche die Menschen verlassen?

Natürlich kennen wir Gründe: Missbrauchsskandal, Kirchensteuer, Mangel an Glaubwürdigkeit, Verlust an Nähe zur Lebenswirklichkeit der Menschen und so weiter. Dazu kommen Verletzungen und Ausgrenzungen, die ganz persönlich treffen und das Kirchenbild einstürzen lassen. Wenn Menschen mir von ihrem Austritt erzählen, aber gleichzeitig sagen: „Ich habe meinen Glauben nicht mit abgelegt“, berührt mich das sehr. Mir ist die Auseinandersetzung mit meinem Glauben wichtiger denn je und ich räume ein, dass auch ich manchmal an meiner Kirche leide. Der frühere Bundestags-Präsident Norbert Lammert sagte unlängst: „Trotz des Vertrauensverlustes und der Abwendung vieler von der Kirche gibt es in der Gesellschaft eine überragende Akzeptanz für religiöse Werte und die Menschen sind von der christlichen und religiösen Prägung überzeugt.“ Er verwies  auf unser Grundgesetz, das davon geprägt ist, zum Beispiel Paragraph eins: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Ich glaube nicht, dass Religion weniger wichtig wird, sondern die gelebten Formen verändern sich. Kirche sollte hier ihre große Chance sehen und den Menschen zeigen, dass sie nicht zum Selbstzweck existiert, sondern zum Dienst an den Menschen und Hilfe sein soll bei der Suche nach Sinn und Orientierung fürs Leben. Kirche wird so ihrem Auftrag gerecht, wenn sie sich als Teil der Welt und ihren Auftrag für diese begreift.

Hier gewinnt der Aufruf der Kirche im Bistum Trier unter dem Leitwort  „Schritte in die Zukunft wagen“  neue Bedeutung. Eine Neuausrichtung hin zu einer Kirche, in der Christen sich den Menschen zuwenden und Engagierte gleichberechtigt mit den Hauptamtlichen an den Entscheidungsprozessen beteiligt sein werden. Es ist eine große Chance und ich möchte vielen Mut machen zu diesem Neuanfang, damit die gute Botschaft Jesu für und mit allen Menschen gelebt und glaubwürdiger wird.

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