Wort zum Alltag: Maria hat geholfen

Kolumne „Wort zum Alltag“ : Wie Maria den Menschen auf ihrem Weg hilft

Die Harlinger Marienkapelle ist am morgigen Himmelfahrtstag Ziel zahlreicher Pilger und Pilgerinnen. Das heißt, Anziehungspunkt ist wohl auch die schlichte, einfache Figur der Maria mit ihrem Sohn Jesus aus dem 15. Jahrhundert.

Offen schaut sie jeden an, zeigt das Wichtigste, den Wichtigsten in ihrem Leben: Jesus. Der Strahlenkranz, die vielen sie umschwärmenden Engel, die kostbare Krone, die über sie gehalten wird, haben Menschen später in der Harlinger Kapelle dazugesetzt. Die Figur der Maria ist freundlich, offen, bodenständig. Sie lädt ein, zu dem zu kommen, den sie den Menschen zeigt: Jesus.

Jedes Jahr treffen sich am Morgen des Himmelfahrtstages Menschen zum Gottesdienst in der Bietzer Pfarrkirche und gehen dann miteinander den Weg zur Harlinger Kapelle. Sie gehen nicht alleine, sondern mit anderen. Sie nehmen ihre Sorgen und Nöte, ihren Alltag mit. Freude und Dankbarkeit sind auch dabei. Da geht eine Mutter, die sich Sorgen um den Ausbildungsplatz für den Sohn macht. Da geht ein alter Mann. Im letzten Jahr war seine Frau noch mit dabei; jetzt macht ihm seine Einsamkeit zu schaffen. Eine junge Frau mit ihren Kindern ist dabei, sie hat sich gerade von ihrem Mann getrennt. Zwei frisch Verliebte haben sich auch mit eingereiht. Eine Familie voll Dankbarkeit mit dem neuen Erdenbürger im Kinderwagen hat sich angeschlossen. „Er ist zum ersten Mal dabei“, sagt der junge Vater. Hilfe und Zuwendung erwarten sie.

Nicht nur die Votivtafeln in der Kapelle mit „Maria hat geholfen“ oder „Danke Maria!“ erzählen von erlebtem Glauben! Eine Lehrstelle wird sich auf diesem Weg kaum finden – vielleicht aber geht die Mutter gestärkt zurück und kann ihrem Sohn besser zur Seite stehen. Dem alten Mann bringt die Wallfahrt die Frau nicht zurück, vielleicht kann er aber in der Gemeinschaft mit den anderen ein wenig seine Einsamkeit vergessen. Die Trennung vom Mann kann sicherlich nicht durch die Prozession überwunden werden – doch vielleicht erfährt die junge Frau mit ihren Kindern Stärkung und Trost.

Ich gehe gerne mit auf diesem Weg, weil ich den Eindruck habe: Diese Maria, die fest auf dieser Erde steht, diese Maria ist den Menschen und ihrem Alltag nah. Sie hat selbst mitten im Leben gestanden. Sie hat einiges durchmachen müssen. Sie hat Vertrauen in Gott gelebt. Den Menschen am Himmelfahrtstag in Harlingen wünsche ich, dass sie in all ihre Sorgen und Nöten, in allem Schönen und Frohen erleben und spüren können: Gott lässt Dich nicht allein! Er geht mit Dir auf Deinem Lebensweg!

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