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Warum die WM an Weihnachten toll ist

Chandler's Welt.

Mein Mensch hat ja mit Sport im Allgemeinen und mit Fußball im Besonderen nicht so sehr viel am Hut. Aber seit im vergangenen Jahr diese Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien stattgefunden hat, da hat er doch zumindest den geselligen Wert eines gemeinsamen Fußballabends vor dem Fernseher oder der Großleinwand beim Public Viewing kennen und schätzen gelernt.

So hat er sich doch tatsächlich vergangene Woche auf eine Diskussion mit seinen Kollegen über Fußball eingelassen, genauer: über die Fußball-Weltmeisterschaft. Und zwar jene, die in ein paar Jahren dort in diesem Wüstenstaat Katar stattfinden soll, bei den Ölscheichs. Weil es da im Sommer so heiß ist (was die Funktionäre vom Weltfußballverband bei ihrer Abstimmung über den Austragungsort doch glatt übersehen hatten), soll diese WM ja nun im Winter stattfinden, in der Zeit vor Weihnachten. Und alle Welt regt sich mächtig darüber auf.

Außer meinem Menschen. Der sieht es eher pragmatisch, kann der Terminansetzung sogar einiges Positives abgewinnen, wie er seinen verdutzten Kollegen sagte: Der Nikolaus kommt dann in jenem Jahr nicht in seinem majestätisch-behäbigen Gewand zu den Kindern, sondern ist als Schiedsrichter gewandet - passt doch auch eigentlich zu seiner Funktion. Knecht Ruprecht muss nicht mehr den Knüppel aus dem Sack ziehen, sondern verteilt gelbe und rote Karten an die Kinderchen, die nicht so artig gewesen waren. Das Christkind trägt bei der Bescherung ein Fanshirt, und unterm Weihnachtsbaum liegen dann massenweise Abos fürs Bezahlfernsehen. Bis dahin sind die Übertragungsrechte für die Fußball-WM wahrscheinlich so teuer, dass sich nur noch das Pay-TV die Übertragung überhaupt leisten kann. Aber das ist auch in Ordnung so, der Fußballverband Fifa ist ja ein ganz armer, notleidender Laden. Oder warum sonst mussten sich seine Funktionäre in so großer Zahl von den reichen Scheichs bestechen lassen, damit sie die WM in ein Land vergeben, wo's im Sommer mal locker 50 Grad im Schatten sind? Aber es gibt auch noch weitere positive Effekte der Weihnachts-WM: Die sonst so öden Weihnachtsmärkte werden dank Public Viewing zu quirligen Fanmeilen, und die nervigen Autokorsos nach Siegen dieses oder jenes Teams fallen aus wegen Straßenglätte. Oder aber sie laufen ganz gesittet und ruhig ab, weil die Fans alle auf Schlitten gezogen werden müssen. Ich muss meinem Menschen recht geben: WM zu Weihnachten, das ist doch dufte!