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SZ-Glaubenskolumne "Wort zum Alltag" zu Christi Himmelfahrt

Kolumne „Wort zum Alltag“ : Blick zum Himmel statt Tour mit Bollerwagen

Der Feiertag Christi Himmelfahrt bedeutet für viele nur eine Bollerwagen-Tour zum Vatertag. Doch für was steht der 40. Tag nach Ostern wirklich?

Mit den Füßen auf der Erde – mit dem Herzen im Himmel. 40 Tage nach Ostern feiert die Christenheit das Hochfest Christi Himmelfahrt. Dieser Termin – dieses Jahr der 21. Mai – ergibt sich aus der Zeitangabe in der Apostelgeschichte Kapitel 1, Vers 3. Ich finde es schade, dass dieses Fest aus dem Bewusstsein vieler Leute heute verschwunden ist. Christi Himmelfahrt hat für viele Christen hier bei uns keine tiefer gehende Bedeutung mehr. Vielleicht ist dies dadurch bedingt, dass man landauf, landab an eben diesem Tag den sogenannten Vatertag feiert und in Gruppen mit Bollerwagen, die mit Getränken gefüllt sind, übers Land zieht.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Menschen keinen rechten Zugang zu dem Festgeheimnis gefunden haben, weil sie sich das, was an diesem Tag aus der Bibel vorgelesen wird (Apostelgeschichte 1, 1-11) und auch in der Malerei in unzähligen Werken festgehalten wurde, nicht recht vorstellen können: Jesus wird von der Erde emporgehoben, eine Wolke nimmt ihn auf und entzieht ihn den Blicken seiner Jünger. So etwas entspricht nicht der Lebensrealität der Menschen.

Doch wenn man diese bildhafte Beschreibung in der Apostelgeschichte einmal deutet, dann ergeben sich daraus für mich zwei Aussagen. Zum einen sagt uns dieses Fest: Jesus Christus ist in seiner Auferstehung heimgegangen zu seinem Vater. Seinen Auftrag auf Erden hat er ausgeführt, und nun geht er dorthin zurück, woher er gekommen ist: zu unserem Gott. Die Wolke, die ihn aufnimmt, ist ein Bild für die Gegenwart Gottes. Dieses Bild begegnet uns an vielen Stellen in der Heiligen Schrift. In seiner Himmelfahrt zeigt uns Jesus, was wir für uns selbst erhoffen dürfen: nach dem irdischen Leben erwartet uns das himmlische Leben, das ewige Leben bei Gott und mit Gott.

Die zweite Aussage, die ich aus dem Bibeltext herauslese, ergibt sich aus den Versen 10 und 11: Da wird gesagt, dass die Jünger Jesus nachschauen. Sie stehen wie angewurzelt da und blicken zum Himmel. Zwei Männer (Engelsgestalten), die in weißen Gewändern plötzlich vor ihnen stehen, fragen sie: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ In dieser Frage steckt der Auftrag: Hallo, Leute, steht nicht so da rum, sondern führt das fort, was Jesus begonnen hat: Schafft in dieser Welt Raum für das Reich Gottes. Verkündet den Menschen die Frohe Botschaft und ladet sie ein, den Worten Jesu zu glauben und zu vertrauen. Oder, um es mit Worten des Heiligen Don Bosco (1815-1888) zu sagen: „Steht mit den Füßen auf der Erde und wohnt mit dem Herzen im Himmel.“