Kolumne „Wort zum Alltag“ : Kirche, die mit den Menschen geht

Immer weniger Gläubige nehmen an den Gottesdiensten teil, immer mehr Menschen treten aus den christlichen Kirchen aus. In der Vergangenheit – aber auch heute – wurden als „praktizierende Christinnen und Christen“ die bezeichnet, die am Sonntag zur Kirche gingen beziehungsweise gehen.

Seit Alters her spricht die Kirche von den vier Säulen christlichen Lebens: Liturgie, Diakonie, Zeugnis, Gemeinschaft. Wer praktizierendes Christentum auf die Teilnahme am Gottesdienst reduziert, lässt die drei Säulen Diakonie, Zeugnis und Gemeinschaft außen vor und drängt damit viele aus der Kirche. Ich kenne viele Jugendliche und Erwachsene, die in den Bereichen Diakonie und Gemeinschaft praktizierende Getaufte sind. Es wird ihnen aber abgesprochen, weil sie am Sonntag nicht zur Messe gehen. Im Bereich des Zeugnisses fühlen sich junge Menschen bei uns oft sehr einsam.

Seien wir froh, dass wir in Rappweiler die Jugendkirche Mia haben, wo Jugendliche und junge Erwachsene zusammenkommen und „ihre“ Gottesdienste feiern. Hier finden sie Heimat und Orientierung. Lassen wir sie nicht allein und unterstützen wir sie bei ihren Aktivitäten. Sie sind die Zukunft unserer Gemeinden. Versuchen wir, mit ihnen die Pfarreien der Zukunft lebendig zu gestalten.

Zum Praktizieren des Glaubens gehört auch die Ökumene. Grundlage hierfür ist es, den anderen Menschen zu respektieren und als Schwester oder Bruder wahrzunehmen und vielleicht sogar in Freundschaft einen gemeinsamen Weg zu gehen. Zum Praktizieren des Glaubens gehört auch, Fremde bei uns aufzunehmen, ihnen vorurteilsfrei zu begegnen. Christus hat die Nächstenliebe gepredigt. Der Weg, den Christus gegangen ist, ist auch unser Weg. Martin Werlen schreibt in seinem Buch „Heute im Blick“ Folgendes: „Wer Christus nachfolgt, geht nicht zu den Menschen, um ihnen den Kopf zu waschen, sondern kniet vor sie hin und wäscht ihnen die Füße. Den Kopf gewaschen hat Jesus nur den geistlichen Führern. Warum sollte es heute anders sein?“ Die Pfarrei der Zukunft gibt uns die einmalige Chance, das Leben in unseren Gemeinden auf die vier Säulen Christlichen Lebens zu gründen.

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