Kolumne "Wort zum Alltag" zu überzogenen Erwartungen

Kolumne „Wort zum Alltag“ : Auch Unvollendetes ist schon gut

Oft sagen wir: „Ja, ja, ist gut so!“ – und meinen dabei das Gegenteil. Es könnte ja eigentlich noch viel besser, größer oder schneller sein. Da wäre schon noch mehr drin. Wann ist etwas wirklich gut?

Es ist doch immer noch eine Steigerung oder Optimierung möglich. Wann dürfen wir nach getaner Arbeit mit fester Überzeugung „Ja, es ist gut so!“ sagen und das auch genau so meinen?

Oft sind wir gefangen in überzogenen Erwartungen an uns selbst und an andere. Wir vergleichen uns mit anderen, setzen uns Ziele immer am Limit des Möglichen, fühlen uns unter Druck durch so viele Aufgaben, die scheinbar oder auch tatsächlich an uns herangetragen werden.

Der Schöpfungsbericht auf den ersten Seiten der Bibel malt dazu ein befreiendes Gegenbild. Gott, der Schöpfer, erschafft die Welt in Etappen und bereits nach verschiedenen Zwischenschritten heißt es: Gott sah, dass es gut war. Es fehlt zwar bis zum letzten Schöpfungstag noch immer ganz viel, aber auch das Unvollendete ist in Gottes Augen schon gut. Es hat in sich schon eine Güte. Wir sind ein Teil von Gottes Schöpfung, sein Abbild, und sind deshalb schon von Anfang an gut. Unsere Güte ist nicht davon abhängig, was und wie viel wir leisten, sondern was wir sind, ein Abbild Gottes.

Wenn wir von Gott her gut sind, sollten wir dann nicht auch gütig sein zu anderen und zu uns selbst? Die Güte unserer Arbeit wird sich zeigen, wenn wir mit Geist, Herz und Verstand handeln, entsprechend unseren begrenzten Möglichkeiten. Vielleicht schaffen auch wir es, zu jedem Zwischenschritt auf unserem Arbeits- und Lebensweg gelassen und überzeugt zu sagen: „Ja, es ist gut so!“

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