Kolumne "Wort zum Alltag": Lassen Sie sich das Träumen nicht verbieten

Kolumne „Wort zum Alltag“ : Wer träumt, gestaltet die Welt mit

Letzte Woche wurde an vielen Orten der Jahrestag von Woodstock gefeiert, das legendäre Musikfestival 1969. Wenige Wochen vorher erinnerten wir uns an die Mondlandung im selben Jahr. Außer, dass beide Ereignisse vor 50 Jahren stattfanden, scheint sie auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu verbinden.

Doch ich sehe noch eine weitere Gemeinsamkeit: das Träumen.

Die jungen Leute in Woodstock träumten von einer Welt der Liebe und des Friedens. Der Flug zum Mond hätte ohne den jahrhundertelangen Menschheitstraum von diesem Abenteuer wohl nicht stattgefunden. Oft wird das Träumen unterschätzt. Träumer werden belächelt, über Traumtänzer schüttelt man den Kopf, mindestens. Doch es sind Träume, die uns Kraft zum Handeln geben, die uns Mut machen, die dafür sorgen, dass die Hoffnung nicht untergeht. Sie geben heilsame Bilder und positive Fantasien, die zu Taten anspornen.

Welche Kraft hinter Träumen steckt, zeigt das Beispiel Martin Luther Kings. 1963 träumte er in seiner berühmten Rede „I have a dream“ von einer Welt, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben. 1968 wurde der Pfarrer King ermordet, doch sein Traum lebte weiter. Und wenn er auch längst noch nicht ganz erfüllt ist, es hat sich sehr viel getan.

400 Jahre vor Christus schrieb der Prophet Joel vom Träumen: „Eure Alten werden Träume haben und eure jungen Leute Visionen.“ (Joel 3,1). Es ist ein Versprechen an diejenigen, die sonst nicht an den Schaltstellen der Macht stehen, die sonst kaum Möglichkeiten haben, Politik und Gesellschaft mitzugestalten, der Wissenschaft neue Forschungsaufgaben zu geben und Pläne mit Finanzkraft voranzutreiben, weil sie zu jung oder zu alt dafür sind.

In der Bibel gilt der Traum als der Bereich, in der die Macht Gottes den Menschen besonders nahesteht. Wer träumt, gestaltet die Welt mit, auch ohne Macht und Geld. Träumen Sie, lieber Leser, liebe Leserin! Träumen Sie und lassen Sie sich von niemandem das Träumen verbieten. Gott möge Ihnen und uns allen Träume schenken, die nützen und helfen und Leben fördern.

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