Apropos Bye, bye Neun-Euro-Ticket

Drei Monate lang hat unsere Redakteurin, wo es möglich war, das Auto stehen lassen und ist mit dem Zug zur Arbeit gefahren. Das sparte Kosten und half der Umwelt. War's das nun?

Kolumne Apropos: Ende des Neun-Euro-Tickets
Foto: Hien

Ein Hauch von Wehmut erfasst mich, als ich, mit meinem auslaufenden Neun-Euro-Ticket im Gepäck, durch die Bahnhofsvorhalle schreite. Hinter mir vernebeln Rauchschwaden diverser Zigaretten den Eingangsbereich. Beim Bäcker die üblichen Gäste: Unentschlossene, die auf der Suche nach dem leckersten Teilchen hektisch die Auslage ablaufen, dazwischen starr geradeaus Stierende, die einfach nur Kaffee wollen. Dringend.

Ich gliedere mich in den Menschen-Strom Richtung Gleise ein. Exakt vier Minuten bleiben mir, bis der Zug kommt, das weiß ich mittlerweile, ohne auf die Uhr zu schauen. Und zu dieser Zeit war er in den vergangenen drei Monaten tatsächlich stets pünktlich, wenn ich mitgefahren bin. Über die Rolltreppe geht es ein letztes Mal nach oben. Ich mag dieses Gefühl, langsam in das Getümmel auf dem Bahnsteig einzutauchen und, wie auf einem Bühnenboden im Theater, immer mehr Mitfahrer zu erblicken.

Theater, ach ja. Was werden mir all diese skurrilen Szenen fehlen. Die Kinder, die versuchen, ihren Großeltern zu erklären, dass der Zug auf der rechten Seite schneller fährt als auf der linken. Die Radfahrer, die diskutieren, ob der Stellplatz ausreicht und welches Pedal welchen Rahmen zerkratzt. Die fidele Clique, altersmäßig irgendwo in den 50ern, die nach Dosenbier Nummer eins am Bahnsteig direkt nach der Belagerung zweier Vierer-Sitze Bier Nummer zwei kippt, morgens um halb zehn. Vielleicht werde ich sogar ein wenig vermissen, dass mein Zug zurück so gut wie nie pünktlich war und ich, am Bahnhof wartend, an mancher Kolumne gefeilt habe.

Das Neun-Euro-Ticket war mir Erleichterung und Erlebnis zugleich. Nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen haben zehn Prozent aller Fahrten mit dem Ticket das Auto ersetzt. Die langfristige Wirkung zweifeln viele an. Auch ich verabschiede mich aus dem ÖPNV – aber nur bis Oktober. Ab dann ermöglicht mir ein Jahresabo, weiter die eine oder andere Strecke im Zug statt im Auto zurückzulegen. Test bestanden, Deutsche Bahn.

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