Glaubenskolumne "Wort zum Alltag" zu Konflikten und Selbstwert

Glaubenskolumne „Wort zum Alltag“ : Was denke ich über mich?

Kaum dass Menschen beieinander sind, fangen sie an, einander zu beobachten, zu bewerten, zu beurteilen, einzuordnen. Es entstehen Bilder vom anderen und von uns selbst, ob wir es deutlich wahrnehmen oder auch nicht.

Wir deuten unwillkürlich unsere Erfahrungen im Miteinander, seien sie wohlwollend oder kritisch. Da sind Starke und Schwache. Da sind Begabte und weniger Begabte, Einfache und Schwierige, Gemeinschaftsmenschen und Eigenbrötler. Da gibt es dann Freund und Feind.

Ein Konflikt mit einem Mitmenschen bringt mich immer in Kontakt mit mir selbst. Mein Umgang damit zeigt mir, welche Selbstwertwirklichkeit mich bestimmt. Mancher wird gesteuert von „Glaubenssätzen“ wie: „Ich bin weniger wert als andere.“ So eine Überzeugung bringt mich dazu, den Konfliktpartner als übermächtige Bedrohung anzusehen. Und in der Begegnung werte ich jedes Wort so eines Konfliktpartners, jede Geste und auch jedes Schweigen sofort negativ. Da ist mir jemand zum Feind geworden und je mehr Distanz entsteht, desto fantastischer wachsen und verfestigen sich die Feindbilder.

Was hilft? Zuerst: Den eigenen Aussagen über sich selbst auf die Spur kommen. Was denke ich über mich? Woher kommt diese inneren „Glaubenssätze“? Und dann? Dann: den durch Taten absolut glaubwürdigen Aussagen Gottes über den Wert meiner Existenz vertrauen lernen. Die Wahrheiten und Worte Gottes zu verinnerlichten, objektiv wahren Glaubenssätzen werden lassen. Was sie auch sind. Dazu treffe ich die Entscheidung. Was noch? In einer aufrichtigen Begegnung mit dem „Feind“ und der oft anderen Wirklichkeit als der von mir gedachten und gefühlten, zerplatzen die Bilder, die so viel Raum eingenommen hatten. Ein Mensch, der sich gerade durch die Existenz und Taten Jesu Christi als von Gott gewollt und geliebt erkennt, der ist innerlich gesünder und beziehungsfähiger.

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