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Glaubenskolumne "Wort zum Alltag" zu ersten Begegnungen seit Corona

Glaubenskolumne „Wort zum Alltag“ : Wieder lernen, miteinander Mensch zu sein

Vor einigen Tagen kam ich mit einer Mutter ins Gespräch und fragte sie, wie sie die Zeit der Pandemie bisher miteinander überstanden hätten. Überraschend erzählte sie mir, wie ihre Tochter, vier Jahre, nach einigen Wochen zum ersten Mal wieder ihre beste Freundin sehen konnte, und sie beide nicht wussten, was sie sich sagen sollten.

Sie müssten das nun wieder lernen. Das machte mich nachdenklich. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen neben ihren Familien den Kontakt mit ihren Freunden. Wenn ich mir die ersten Tage der Lockerungen ansehe, erfahren wir uns Erwachsene da nicht ähnlich?

Wir freuen uns, uns wieder physisch zu begegnen, und müssen doch lernen, uns unter diesen Bedingungen wieder näher zu kommen. Im Kleinen geht das meist schon bald gut. Aber im Großen müssen wir immer wieder lernen, eine Gesellschaft zu sein. Wir brauchen dabei viel Geduld mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen, aber auch mit denen, die Verantwortung übernehmen.

Mit Sorge erleben wir, wie das Ringen um den besten Weg aus der Krise, wie die Verunsicherung und Unzufriedenheit genutzt werden, um Stimmung zu machen. Und so verrückt manche Verschwörungstheorie auch daherkommen mag, aus unserer Geschichte müssten wir gelernt haben, wie gefährlich sie werden können, und wir sollten sie daher nicht ignorieren. Oft haben wir Menschen die Sehnsucht nach einfachen Antworten und suchen dann jemanden, der Schuld ist. Solche Wege führen immer zu Unheil. Das Leben, gerade wenn es mal nicht so einfach ist, ist eher wie ein Labyrinth. Man kann dort auch die Orientierung verlieren und muss manche weite Wege gehen. Aber im Gegensatz zum Irrgarten hat das Labyrinth eine Mitte und ein Ziel. Lernen wir miteinander Mensch zu sein, uns zu begegnen, ringen wir um unsere Wege und nutzen wir die Zeit miteinander, zu fragen, wie unsere Zukunft aussehen soll und haben dabei etwas Vertrauen.