Glaubenskolumne "Wort zum Alltag": Die Leichtigkeit des Glaubens

Kolumne Wort zum Alltag : Die Leichtigkeit des Glaubens

In Kapitel 7 des Buches Prediger  heißt es: „Da ist ein Gerechter, der umkommt in seiner Gerechtigkeit, und dort ist ein Gottloser, der lange lebt in seiner Bosheit.“ Diese Erfahrung machen wir immer wieder: Den einen geht es gut, die es in unseren Augen nicht verdient haben, anderen ergeht es schlecht, obwohl sie sich nichts zuschulden haben kommen lassen.

Der Glaube mag Berge versetzen, aber er bewahrt uns nicht vor den Schicksalsschlägen des Lebens. Da kann man noch so viel beten, penibel Gebote befolgen oder sich streng an die kirchliche Moral halten. Am Ende macht es scheinbar keinen Unterschied, ob ich „Gerechter“ oder „Gottloser“ bin.

Wozu also all die Vorschriften beachten? Wozu in die Kirche gehen? Wozu überhaupt noch an Gott glauben? Dieser alte Vers wirft eine Frage auf, die sich Menschen noch heute stellen. Und er gibt einen Rat, was angesichts seiner ernüchternden Weltsicht zu tun ist. „Sei nicht allzu gerecht und erzeige dich nicht übermäßig weise! Sei aber auch nicht allzu gesetzlos und sei kein Narr!“ Verblüffend! Das kommt so lässig rüber. Man hört da Leichtigkeit, ja Gelassenheit heraus. Maß halten, auch in Glaubensdingen. Nicht so verbissen umgehen mit den biblischen Worten, die Gott uns geschenkt hat. In ihnen der himmlischen Freiheit nachspüren und sie mit dem Herzen lesen. Sie in unserem Alltag daran messen, ob sie dem Leben dienen oder ihm im Wege stehen.

So hat auch Jesus immer wieder gehandelt, indem er die Gebote der Schrift als Zuspruch las und nicht als Forderung, indem er den Menschen über das Gesetz stellte, wenn es seinem Wohlergehen widersprach. Das hat ihm viel Ärger eingebracht, ihn letztendlich ans Kreuz geführt. Aber auch darauf ließ er sich nicht festnageln. Gott befreit, selbst vom Tod.

Aus dieser Freiheit heraus leben wir. Und in dieser Freiheit glauben wir. Das dürfen wir uns im Alltag ruhig anmerken lassen und toleranter und barmherziger – auch zu uns selbst – durch diese Welt gehen. Den Glauben ernst nehmen, aber nicht verbissen und verkrampft handeln. Das ist die Weisheit, die der Prediger uns mit auf den Weg geben will. „Sei nicht allzu gerecht und erzeige dich nicht übermäßig weise! Sei aber auch nicht allzu gesetzlos und sei kein Narr!“ Probieren wir es aus.