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Glaubens-Kolumne Wort zum Alltag
Wofür das jüdische Lichterfest steht

Das jüdische Lichterfest Chanukka begann in diesem Jahr am Sonntag-Abend, 2. Dezember, zeitgleich mit dem ersten Advent, und dauert acht Tage. Die dazu gehörende Geschichte von der Eroberung Jerusalems und der Entweihung des dortigen Tempels durch die Syrer kannte ich und auch die von der Wiedereinweihung des Tempels durch die Makkabäer, woraus Chanukka, das Lichterfest, entstanden ist.

Doch von diesen dramatischen Geschehnissen wird in der Bibel selbst nicht berichtet, weil sie jenseits der zeitlichen Grenze liegen, die man für die biblische Literatur gezogen hat. So ist das erste der vier Makkabäer-Bücher ein Geschichtswerk, das von Alexander dem Großen und seinen Nachfolgern ausgeht. Darin wird alles aus natürlichen Verhältnissen erklärt, selbst die Siege der Makkabäer nur aus ihrem Mut und ihrem Weitblick, nichts durch übernatürliche Eingriffe Gottes. Keine Tendenz und keine religiöse oder politische Parteinahme verwirre die geschichtliche Wahrheit.


Nach der Rückeroberung Jerusalems und nach der Reinigung des entweihten Tempels im Dezember 165 (vor der Zeitrechnung) entfernte man den heidnischen Altar. Als anlässlich der Neuweihung des Tempels die Menora, der siebenarmige Leuchter, angezündet werden sollte, fand sich nur noch ein einziges kleines Gefäß koscheren, reinen Öls, was vermutlich nur noch für einen einzigen Tag ausgereicht hätte. Die Herstellung neuen Öls für den Tempel hätte aber mindestens acht Tage gedauert. Doch entgegen aller Erwartung brannte dieses Licht acht Tage lang, bis neues Öl hergestellt war.

So zündet man seither am ersten Abend an dem nun achtarmigen Leuchter, der Chanukkía, ein Licht an mit Hilfe eines separaten Lichtes. Am zweiten Abend werden zwei Lichter angezündet und jeden folgenden Abend kommt ein weiteres Licht hinzu. Diese Lichter löscht man aber nicht, sondern lässt sie jeden Abend zu Ende brennen. Bis auf den heutigen Tag gedenken Juden in aller Welt auf diese Weise des Ereignisses der Tempelweihe: mit dem Lichterfest Chanukka.