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Glaubens-Kolumne "Wort zum Alltag" der SZ zum Jahreswechsel

Glaubens-Kolumne „Wort zum Alltag“ : Mit Gelassenheit ins neue Jahr

Es war einmal ein älterer Mann, der eines Morgens aufwachte, in den Spiegel schaute und bemerkte, dass er noch drei Haare auf dem Kopf hatte. „Na ja“, dachte er, „ich glaube, ich kämme sie heute mal kraus nach hinten.“ Das tat er, und er hatte einen wunderschönen Tag.

Am nächsten Morgen wachte er auf, schaute in den Spiegel und sah, dass er nur zwei Haare auf dem Kopf hatte. „Na ja“, sagte er, „ich glaube, ich kämme mir heute damit einen Scheitel.“ Das tat er und er hatte einen großartigen Tag. Am nächsten Tag wachte er auf, schaute in den Spiegel und bemerkte, dass er nur noch ein Haar auf dem Kopf hatte. „Also“, sagte er, „heute trage ich mein Haar als Pferdeschwanz.“ Das tat er und hatte wirklich einen schönen Tag. Am nächsten Tag wachte er auf, schaute in den Spiegel und bemerkte, dass kein einziges Haar mehr auf seinem Kopf war. „Wunderbar!“, rief er, „dann brauche ich heute überhaupt keine Haarpflege.“

Zur Jahreswende wünsche ich uns allen die Gelassenheit dieses älteren Herrn, der sich nicht über den erfahrenen Mangel ärgerte, sondern der versuchte, aus jeder Situation, aus jedem Tag das Beste zu machen. Eine solche Einstellung kann uns helfen, in das neue Jahr zu gehen. Jeder Tag dieses neuen Jahres ist einmalig und ein Geschenk Gottes an mich. Es liegt weitgehend an mir, wie positiv ich zu diesem Geschenk stehe. Klar: Wir alle haben sicher Gründe, schon mal zu jammern und zu klagen. Manchmal ist das auch angesagt und angebracht. Aber das Jammern und Klagen sollte sich nicht zu einer Grundeinstellung unseres Lebens entwickeln. Denn dies entspricht nicht unserem christlichen Glauben.

Auch wenn manches um uns herum düster scheint und nicht alles so läuft, wie wir es uns wünschen, gelten für uns die Worte, die Dietrich Bonhoeffer im Dezember 1944 aus dem Gefängnis in einem Brief an seine Verlobte und seine Familie geschrieben hat: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserschaft, Prosit Neujahr.