Glaubens-Kolumne Das Wort zum Alltag

Kolumne Wort zum Alltag : Geld beansprucht Glauben

Es ging ums Geld. Genauer, um eine Kreditsumme. Ein neues Auto sollte her. Die Finanzierung ist ganz einfach. Ein Kredit bei der Sparkasse. Vorsichtige Anfragen an die finanziellen Möglichkeiten wurden mit dem Verweis auf den Verdienst und eine in drei Jahren anstehende Prämie beantwortet.

Wenn man was will, dann rechnet man sich sogar die erheblichen Kosten schön und hat einen „aktiven Glauben“ an seine Möglichkeiten.

Das erste Geld, so schreibt es der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson, waren Tontafeln aus Mesopotamien, auf denen die Schulden verzeichnet wurden. Diese Schulden waren übertragbar und somit eine Währung. Es ist sicher kein Zufall, dass sich das Wort Kredit vom lateinischen credo (ich glaube) ableitet. Beim Umgang mit Geld landen wir schnell beim Glauben. Der Gläubiger glaubt dem Schuldner, dass er die Schulden zurückzahlen wird. Wehe, wenn der Schuldner dazu nicht in der Lage ist.

Geld beansprucht Glauben. Durch den Glauben verselbständigt es sich und ist dadurch eine globale Macht. Je mehr der Glaube an die Macht des Geldes steigt, umso mehr erhöht sich der Wert des Geldes und damit der Handelswert. Zinsbegrenzungen – oder Verbote von Wucherzinsen – versuchen, diese Dynamik zu begrenzen. Macht des Geldes! Wer denkt, alles kaufen zu können, der fühlt sich schnell allmächtig.

Zu den in der Bibel beschriebenen Zukunftsvisionen gehört die Abschaffung des Geldes: „Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst. Kommt und kauft ohne Geld, Wein und Milch ohne Bezahlung!“ (Jesaja 55,1)

Diese Abwesenheit des Geldes ist nur möglich, wenn einer die Kosten trägt, oder so einen unbegrenzten Besitz hat und damit großzügig umgeht. Es ist Befreiung. Es ist eine andere Welt. Es ist nur Gottes Möglichkeit und verwirklicht sich in einer Welt, in der seine Herrschaft ganz verwirklicht ist.

Es gibt auch viele Dinge, die nicht käuflich sind, oder die faule Früchte sind, wenn versucht wird, sie mit Geld zu kaufen, wie Liebe, Erkenntnis, Vertrauen, Versöhnung und so weiter.

Worin investiere ich meinen Glauben? In Gott oder Geld? Jesus benennt das Kontrastprogramm: „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen . . . Gott oder Mammon.“ (Lukas 16,13).

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