"Keep Fresh" will den regionalen Handel im Kreis Merzig-Wadern stärken

Neues Angebot im Grünen Kreis : Mit einem Klick zu regionalen Lebensmitteln

Bei „Keep Fresh“ können Menschen in Dörfern Lebensmittel online bestellen und vor Ort abholen. Das Projekt läuft nun im Grünen Kreis an.

 Im ländlichen Raum schließen immer mehr Geschäfte. Die Versorgung mit Lebensmitteln vor Ort wird zunehmend schwieriger. Dieser Entwicklung hat Randolf Jobst den Kampf angesagt: Er will mit seinem Projekt „Keep Fresh“ dafür sorgen, dass die Menschen in den Dörfern auch in Zukunft über lokale Einkaufsmöglichkeiten verfügen. Was im Landkreis St. Wendel bereits läuft, soll im kommenden Jahr auch in den Grünen Kreis kommen. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren.

Bei „Keep Fresh“ macht Jobst sich die Digitalisierung zunutze. So können sich die Menschen online oder per App Lebensmittel bestellen und sie dann im Dorfgemeinschaftshaus ihres Ortes abholen. Somit gibt es Lebensmittel – und einen regelmäßigen Treffpunkt: Denn am Tag der Abholung kommenden die Menschen im Dorfgemeinschaftshaus zusammen und plaudern miteinander. Jobst hebt daher die „wahnsinnige soziale Kompetenz“ des Projektes hervor. Diese habe auch Daniela Schlegel-Friedrich (CDU), die Landrätin des Landkreises Merzig-Wadern, überzeugt. Sie ist laut Jobst eine Unterstützerin des Projekts.

Bei der Umsetzung von „Keep Fresh“ vor Ort spielen die Dorfcoaches eine entscheidende Rolle. Sie erkunden sich bei den Einwohnern, was wirklich gebraucht wird, damit „Keep Fresh“ den Bedürfnissen der Menschen vollauf gerecht werden kann. Jobst verspricht eine Lebensmittelversorgung „aus der Region für die Region“. Wer bei „Keep Fresh“ etwas bestelle, der erhalte garantiert Produkte aus dem eigenen Landkreis. So arbeitet Jobst in Merzig-Wadern mit der Initiative „Ebbes von Hei!“ und der Bäckerei Emmerich Marxen zusammen. Jobst will die regionalen Erzeuger fördern: „Wir wollen ländliche Strukturen stützen. Wir ermöglichen einen stationären regionalen Handel über eine regionale Plattform. Wie bei Amazon, aber bei uns kennt man den regionalen Händler und stärkt ihn.“

Das Projekt zeichne sich nach Worten von Jobst durch Nachhaltigkeit aus. Da die Erzeuger und Händler aus der Region stammen, entfällt der lange Transportweg. Für die Lieferung werden Elektro-Autos benutzt. Zudem werden die Lebensmittel, die Jobst von seinen Partnern erhält, nicht umverpackt. Jobst erklärt: „Der Kunde holt den Salatkopf direkt aus der Verpackung und nimmt ihn mit nach Hause.“ So entstehe kein zusätzlicher Müll. Jobst verweist auf die CO2-Vermeidung und sieht in der Teilnahme am Projekt einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.

Randolf Jobst hat das Projekt „Keep Fresh“ initiiert. Nun läuft es im Landkreis Merzig-Wadern an. Foto: Dirk Ley

Die Keimzelle von „Keep Fresh“ ist das Dorf Remmesweiler im Landkreis St. Wendel. Vom dortigen „Smart Village“ aus hat sich das Projekt zuerst in St. Wendel und dann darüber hinaus ausgebreitet. Vor zwei Jahren stellte der Landkreis eine Anfrage, ob sich „Keep Fresh“ vorstellen könne, an der Aktion „Land(auf)Schwung“ zu beteiligen. Jobst sagte zu und mittlerweile ist St. Wendel der Modelllandkreis. Wenn „Keep Fresh“ in einem weiteren Landkreis an den Start geht, dann fließen laut Jobst „die Erfahrungen aus dem Projekt Land(auf)Schwung 1:1 ein“.

Nun ist Merzig-Wadern an der Reihe. Vor etwas mehr als zwei Monaten trat die Landrätin Schlegel-Friedrich an Jobst heran. Mitte August stellte dieser „Keep Fresh“ in der Bürgermeisterdienstbesprechung vor. Dort konnte er Kooperationspartner gewinnen. In der Gemeinde Wadern wird sich Morscholz beteiligen. Und in Perl stellte sich der Bürgermeister Ralf Uhlenbruch (CDU) als ein großer Unterstützer heraus. In dessen Gemeinde werden gleich zwölf Dörfer teilnehmen. Auch die Merziger Stadtteile Besseringen und Hilbringen wollen laut Jobst versorgt werden.

Derzeit laufen Vorgespräche und Planungen. Die tatsächliche Versorgung beginnt laut Jobst frühestens im kommenden Jahr. Bei der Umsetzung des Konzeptes werden laut Jobst die Wirtschaftsförderung St. Wendel, der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU) sowie die Firma Cema für den Erfahrungstransfer sorgen.

An politischer Unterstützung bestehe kein Mangel, berichtet Jobst. „Keep Fresh“ wird vom Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft als Leader-Projekt anerkannt. Und das saarländische Umweltministerium unterstützt die Dörfer, die am Projekt teilnehmen, finanziell. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte im Rahmen seiner diesjährigen Sommertour, dass „Keep Fresh“ der beste Beweis sei, „dass Digitalisierung dieses Land voran bringt und dazu beiträgt, dass es den Menschen gut geht“. Hans ergänzte: „Das ist die Digitalisierung, wie ich mir sie vorstelle.“

Mit „Keep Fresh“ will Jobst gewährleisten, dass die Menschen in den Dörfern ihren täglichen Bedarf vor Ort komplett abdecken können. Zudem soll eine Plattform nicht nur für regionale Lebensmittel, sondern für den gesamten lokalen Handel entstehen. Jobst hat eigenen Angaben zufolge bereits Anfragen aus Rheinland-Pfalz und Bayern erhalten. Daher sagt er: „Das Projekt hat einen Modellcharakter für den ländlichen Bereich in ganz Deutschland.“ Er hat aber nicht vergessen, wie alles angefangen hat: „Ohne die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten im Landkreis St. Wendel wäre der Erfolg nicht möglich.“

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