Innehalten und nachdenken

Kulturamts-Affäre Innehalten und nachdenken Zur Berichterstattung über das Merziger Kulturamt.Vielleicht sollten alle Beteiligten, die sich immer wieder lautstark zu Wort melden, einmal innehalten und reflektieren, was sie da eigentlich tun

Kulturamts-Affäre Innehalten und nachdenken Zur Berichterstattung über das Merziger Kulturamt.Vielleicht sollten alle Beteiligten, die sich immer wieder lautstark zu Wort melden, einmal innehalten und reflektieren, was sie da eigentlich tun. Lokale Politgiganten aller Couleur, die sich einst gerne in den erfolgreichen Kulturveranstaltungen gesonnt haben und nun als energische Aufklärer hervortun, genauso wie die regionalen Medien - einschließlich der diesen Leserbrief veröffentlichenden SZ -, die nur zu gern in epischer Breite den "Skandal" und das anschließend dargebotene Schauspiel der Jagd nach der, dem, den Schuldigen auswalzen, sie alle seien hier angesprochen. Der Schaden für die Stadt und die Bürger als Steuerzahler wird immer wieder als Grund für die nun laufende politische Hexenjagd bemüht. Aber wie definiert sich eigentlich dieser Schaden? Wird die rein haushälterische Betrachtung vom Kulturetat und seiner Überschreitung, wird das bloße Gegenrechnen von Einnahmen und Ausgaben der ganzen Tragik dieser Geschehnisse gerecht? Ich denke nicht! Da steht eine Schadenssumme im Raum, die bei so mancher Fehl-Planung der kommunalen Verwaltung schon locker überboten wurde. Hier möchte ich nur an den Gipsberg-Kreisel erinnern, der in wundersamer Weise gleich doppelt so teuer wurde wie geplant. Doch wurde dafür niemand so öffentlich hingerichtet, wie jetzt hier die Kulturamtsleiterin.Wird diese ihre Hinrichtung dem Verdienst gerecht, den sie sich in jahrelanger aufreibender Arbeit für die Stadt und mit vielen weit über ihre Grenzen ausstrahlenden Projekten - die Fellenbergmühle, ihre Bücher über die Stadt, das Seffersbachprojekt, das Hafenfest etc. - erworben hat? Wohl kaum! Was ist mit dem ganz persönlichen Schaden der Kulturamtsleiterin, die durch diese Form der medialen Aufbereitung in Wort und Bild vor aller Welt so vollkommen bloßgestellt, ja geradezu verbrannt wird? Wie soll sie zukünftig damit weiter leben, den Menschen auf der Straße ins Gesicht schauen? Macht sich jemand der eifrigen und selbstgerechten Jäger des verlorenen Kulturschatzes klar, wie diese sich ständig wiederholende negative Berichterstattung auf die Stadt als ganzes Gemeinwesen auswirkt? Welchen Schaden erleidet Merzig dadurch? Nicht zuletzt durch Frau Malburgs Arbeit hatte sich Merzig den Ruf der "heimlichen Kulturhauptstadt des Saarlandes" erworben - was wird nun daraus? Eines ist für mich gewiss: die Stadt wird mit dem finanziellen Verlust leichter und schneller fertig werden als mit dem Verlust dieser so engagierten Person, die sich leider, leider in einem selbst auferlegten Erfolgsdruck verstrickt hat. Markus Austgen, Merzig