| 20:21 Uhr

Merzig-Wadern
Gewerkschaft moniert fehlende Lohngerechtigkeit

Merzig-Wadern. „100 Jahre Wahlrecht, aber noch keine Lohngerechtigkeit“ - dies ist die mahnende Botschaft der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum internationalen Frauentag am heutigen Donnerstag. Die Gewerkschaft präsentiert Zahlen, die diese These untermauern: So würden Frauen rund 74 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs besetzen.

„100 Jahre Wahlrecht, aber noch keine Lohngerechtigkeit“ - dies ist die mahnende Botschaft der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum internationalen Frauentag am heutigen Donnerstag. Die Gewerkschaft präsentiert Zahlen, die diese These untermauern: So würden Frauen rund 74 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs besetzen.


„Die Teilzeit und der Niedriglohn – im Landkreis Merzig-Wadern ist beides weiblich“, betont die NGG. Bei den rund 8800 Teilzeit-Stellen im Landkreis liege der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 87 Prozent.

Mark Baumeister, Geschäftsführer der NGG Saar, spricht angesichts solcher Zahlen von einer „Karrierefalle“: Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeit-Verträge verbreitet: „Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme.“ Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. Das hat eine Studie herausgefunden. Danach sind für Teilzeit-Beschäftigte auch Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener.



„Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiter deutlich schlechter als Männer“, kritisiert Baumeister. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Im EU-Durchschnitt lag die so genannte „Gender Pay Gap“ dagegen nur bei 16 Prozent. „Es kann nicht sein, dass Paula auf bis zu mehrere Hundert Euro pro Monat verzichten muss, weil sie nicht Paul heißt“, moniert Baumeister. Auch für Frauen im Landkreis gibt es seit diesem Jahr erstmals einen Rechtsanspruch, zu erfahren, was ein männlicher Kollege in ähnlicher Position verdient, doch das Lohntransparenzgesetz gelte lediglich in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. „Davon hat eine Köchin oder Bäckereifachverkäuferin im Kleinbetrieb nichts“, bemängelt der Gewerkschafter. Hier müsse die neue Bundesregierung dringend nachbessern.

Sollte die Politik nichts gegen die Lohnungerechtigkeit unternehmen, dürfte sich nach Einschätzung der NGG auch die Altersarmut für Frauen im Kreis Merzig-Wadern verschärfen. „Geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten sorgen für magere Renten. Außerdem tragen Erziehungs- und Pflegezeiten dazu bei, dass nur wenige Rentenpunkte zusammenkommen“, erläutert Mark Baumeister. In einer aktuellen Studie beziffert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die „weibliche Rentenlücke“ in den alten Bundesländern auf 42 Prozent. Ein Rentner erhält Bezüge von durchschnittlich 994 Euro im Monat. Eine Rentnerin kommt dagegen auf 576 Euro. Baumeister: „Am Ende ist das für den Staat eine teure Sache. Die öffentliche Hand muss Armutsrenten durch Grundsicherung im Alter und Zuschüsse fürs Wohnen aufbessern.“

Hinzu kommt: Im Beruf sind nach Beobachtung der NGG viele Frauen Diskriminierung ausgesetzt. „Zotige Sprüche an der Theke sind da noch das Geringste“, sagt Baumeister. In 80 Prozent aller Fälle von sexueller Belästigung bei Frauen gehe die Gewalt von einem Mann aus. Dies hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in einer aktuellen Studie festgestellt.

Mit Blick auf das 100-jährige Bestehen des Frauenwahlrechts sagt Mark Baumeister: „Nach der rechtlichen Gleichstellung muss auch eine vollständige Gleichbehandlung im Job kommen. Unterschiedliche Löhne für Männer und Frauen darf es heute nicht mehr geben.“

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