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Wort zum Alltag
Gerade in Zeiten von Facebook, iPod und Co. Sprachlosigkeit überwinden

In Familien wird nicht mehr miteinander gesprochen, vieles läuft nur noch über iPod und Bildschirm, Kinder und Erwachsene sind nicht mehr fähig, ganze Sätze zu bilden, unsere Sprache verödet, und der Wortschatz unserer Schüler wird immer kleiner. Die Stichworte könnte ich noch beliebig verlängern. In Gesprächen – nicht nur im Lehrerkollegium – wird es immer wieder angesprochen, wie schwierig die Kommunikation untereinander geworden ist.

Ich erlebe im Unterricht – und auch außerhalb – vermehrt eine andere Tendenz, die mich ins Grübeln gebracht hat. Wenn ich mit Schülern ins Erzählen komme, von mir und meinen persönlichen Erlebnissen berichte, werden die Augen größer, werden die Ohren aufmerksamer und die Nachfragen immer klarer. Fast so, als wollten die Kids genau das aufsaugen. Und ich habe den Eindruck, sie sind aufmerksam, weil sie das Gefühl haben: Jetzt geht es um Wichtiges. Das ist nichts aus  dem Lehrbuch. Kein Drehbuch einer Serie. Da ist jemand authentisch.


Und eigentlich mache ich nichts anderes als das, was auch die ersten Christen machen. Sie erzählen von ihrem Glauben. Von ihren Erfahrungen mit Jesus. Sie bringen ihre eigenen Gefühle, ihre Trauer und Wut, ihre Hoffnungen und Ängste, ihre Träume und Wünsche ins Gespräch. Die junge Botschaft des auferstandenen Jesus lebt genau davon: von Menschen, die authentisch und echt und lebensnah ihren Glauben und ihr Leben weitergeben. Und das macht sie und die Botschaft so glaubhaft.

Die beiden Apostel Petrus und Johannes müssen wohl so klar und deutlich vor allen in Jerusalem von ihrem Glauben an den auferstandenen Jesus geredet haben, dass die Hohenpriester ihnen verboten, darüber zu reden. Doch Petrus erwidert nur: „Ich muss davon erzählen, was ich erlebt habe! Diese aufbauende Botschaft, das was mich so erfüllt, das sollen alle von mir hören!“



Vielleicht ist es das, was ich von den beiden und den ersten Christen lernen kann: Rede nachhaltig von dir, von deinem Glauben von deinem Leben, von dem, was dich bewegt, was du denkst und fühlst. Erzähle und bringe dich ins Spiel! Und das ist dann nicht nur eine Sprachübung für die Schule – das ist dann das Leben ins Gespräch bringen. Überwinde die Sprachlosigkeit, indem du dein Leben, deinen Glauben, indem du dich ins Gespräch bringst.

Christian Schöneberger, Gemeindereferent der Pfarrei brotdorf