Frank Nüsken aus Wadrill schreibt über seine Schwerhörigkeit

Buchvorstellung : Ohne gute Ohren wird das Leben einsamer

Im Buch „Der Hörnichtgut“ hat Frank Nüsken aus Wadrill die eigene Leidensgeschichte der Schwerhörigkeit zu Papier gebracht.

Frank Nüsken hat den langen Prozess seiner Schwerhörigkeit bis zur Operation eines sogenannten Cochlea Implantats, das ihm seine Hörfähigkeit zurückgab, in dem Buch „Der Hörnichtgut – Einsam unter Freunden“ festgehalten. Er beschreibt die Persönlichkeitsveränderung, die mit fortschreitender Schwerhörigkeit einhergeht, ebenso wie Verhaltensänderungen der Mitmenschen im täglichen Umgang. „Das Buch gibt Einblicke in die Gefühlswelt und die zunehmende Vereinsamung des Schwerhörigen“, beschreibt der Autor sein Werk, das zudem auch anderen Menschen mit ähnlichen Problemen Mut machen und Missverständnisse ausräumen soll.

„Verstehen bedeutet, nicht nur Wörter oder Sätze zu hören. Hören ist nur die Voraussetzung für Verstehen. Verstehen bedeutet Inhalte zu begreifen, sie zu bewerten, die durch Sprache vermittelten Gefühle zu erfassen, für sich selbst zuzulassen, sich davon infizieren zu lassen – so wie Musik infiziert, mit Trauer, mit Freude und allen Schattierungen der Emotionen“, sagt Nüsken im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Das Buch zeigt, wie der stille, schleichende Prozess bewirkt, dass das Gehirn nicht mehr gefordert ist und zu verkümmern droht. „Wenn ich nicht aufpasse, werde ich zum trotteligen Alten.“

Das Buch lässt den Leser teilhaben am langsamen, für andere kaum wahrnehmbaren Prozess des „aus der Welt Fallens“, des nicht mehr beteiligt-Seins. „Der Hörnichtgut“ spart dennoch nicht mit Humor und Selbstironie. Am Beispiel beschriebener Erlebnisse spüren Leser, wie eine positive Lebenseinstellung das Leben erleichtern kann.

Die Beschreibung einzelner Situationen während des langen Weges des Hörverlusts lässt Leserinnen und Leser „Hörerlebnisse“ auch an ungewöhnlichen Orten miterleben. Die eigene jugendliche Unbefangenheit und Leichtfertigkeit im Umgang mit Geräuschbelastungen kommen ebenso zur Sprache wie merkwürdige ärztliche Ratschläge.

Der Ausweg aus der Schwerhörigkeit mit einem Cochlea Implantat wird als Befreiung wahrgenommen. Nüsken beschreibt es als Schlüssel, um wieder vollwertig am Leben teilnehmen zu können. Ein Cochlea Implantat (CI) ist eine Innenohrprothese für hochgradig schwerhörige oder ertaubte Menschen. Es wird bei einer Operation in die Hörschnecke (Innenohr) eingesetzt und stimuliert elektrisch den Hörnerv.

Das Buch beschreibt das Ereignis der Operation als den Durchbruch zu neuem Hören. Die Begeisterung über die wiedererlangte Hörfähigkeit kommt in diesem Buch deutlich zur Geltung. Es soll anderen Betroffenen Mut machen.

Fachleute schätzen den Anteil der von Hörbeeinträchtigung betroffenen Menschen in Deutschland auf etwa zwanzig Prozent. Doch auch Angehörige, Kollegen und Freunde sind indirekt betroffen und müssen damit umgehen. Dass das nicht immer ganz reibungslos abläuft, zeigt dieses Buch.

„Der Hörnichtgut“ ist im Buchhandel oder direkt beim Verlag Twentysix zum Preis von 5,99 Euro erhältlich (ISBN 9 78 37 40 74 54 00). Auch ein E-Book zum Preis von 3,99 Euro ist verfügbar.

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