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Fragen in Corona-Zeiten an Landkreis Merzig-Wadern, Städte und Gemeinden

Kostenpflichtiger Inhalt: Fragen in Zeiten von Corona : „Die Bürger sind sehr verständnisvoll und einsichtig“

Wie funktioniert das Corona-Krisenmanagement bei den Behörden im Landkreis? Die SZ hat nachgefragt.

Wann kann ich mich auf Corona testen lassen? Wo können Testergebnisse abgefragt werden? Und wie soll ich mich bis zur Übermittlung des Testergebnisses verhalten? Fragen wie diese landen derzeit täglich im Service-Center oder beim Bürgertelefon des Landkreises Merzig-Wadern. Wie der Kreis auf Anfrage der SZ sagt, gingen derzeit täglich deutlich mehr Anrufe ein als sonst – allein am Montag der vergangenen Woche weit über 700. Doch Corona ist nicht das einzige Thema, das die Bürger beschäftigt. Im Service-Center geht es nach Angaben des Landkreises auch um ganz alltägliche Themen – beispielsweise aus dem Bereich der Zulassungen. Weniger Nachfragen gebe es im Bereich des Jugendamtes.

Auch im Losheimer Rathaus gebe es nach Worten von Bürgermeister Helmut Harth vor allem Bürgerfragen betreffend „die üblichen Themen, vom Fluglärm bis zu kaputten Bürgersteigen“. Doch auch Corona spiele eine gewisse Rolle, beispielsweise beim Thema der Einkaufshilfen. „Das wird privat organisiert“, weiß Harth – die Gemeinde nenne bei Anfragen hierzu die entsprechenden Kontaktpersonen.

Helmut Harth. Foto: Teresa Enzweiler

Zu Anfang der Corona-Krise hätten sich nach Worten des Verwaltungschefs auch einige Gewerbetreibende an die Gemeinde gewandt. Typische Fragen: Was dürfen sie noch? Was müssen sie beachten? Hier gebe es laut Harth klare Regelungen; diese seien auch über das Amtsblatt und die Internetseite der Gemeinde veröffentlicht worden. „In dieser Richtung gibt es Klarheit“, betont er, fährt aber fort: „das Problem ist eher: Wie geht es weiter?“ Doch darauf weiß derzeit wohl niemand wirklich eine Antwort.

Jochen Kuttler. Foto: Tina Mann/TINA MANN

„Es ist eine Situation, die uns alle vor besondere Herausforderungen stellt“, sagt Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld. So musste die Verwaltung in der Kreisstadt, ebenso wie in anderen Rathäusern im Kreis, „binnen kürzester Zeit“ alle möglichen Notfallpläne entwickeln und für die Verwaltungsmitarbeiter die Möglichkeit zum Arbeiten von zu Hause aus (Home Office) schaffen. Im Merziger Rathaus seien die Verwaltungskräfte in zwei Teams aufgeteilt worden, die jeweils zwei Wochen von zu Hause aus und dann zwei Wochen in ihren Büros ihre Arbeit erledigen. Damit will die Verwaltung für den Fall der Fälle gewappnet sein, dass einer aus ihrer Mitte an der Corona-Krankheit Covid-19 erkrankt. Auch die tägliche Arbeit habe sich gravierend geändert, erzählt Hoffeld: „Besprechungen finden jetzt in Form von Videokonferenzen statt, jeder der Teilnehmer verbleibt dabei in seinem Büro.“ Es herrsche angesichts der besonderen Umstände „schon eine komische und seltsame Atmosphäre“ in den Dienstzimmern im Rathaus, sagt der Bürgermeister. Was ihn aber froh stimmt: „Alle Mitarbeiter sind hoch motiviert, jeder zieht mit, das ist ermutigend.“ Dennoch, so Hoffeld, „wären wir alle froh, wenn wir unsere gewohnten Freiheiten wieder hätten“.

Zumindest zeigen die meisten Bürger nach seiner Beobachtung viel Verständnis für die angeordneten Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen: „Ich merke schon, dass die Bürger sehr verständnisvoll und einsichtig sind.“ Auch das Ordnungsamt müsse nur ganz vereinzelt einmal zur Tat schreiten, wenn etwa gegen die Bestimmungen zum Kontaktverbot verstoßen werde. Ebenso hielten sich auch die Anfragen aus den Reihen der Bürgerschaft bei der Verwaltung im Rahmen. Zudem nutze die Kreisstadt sehr intensiv ihren Internetauftritt, um über aktuelle Entwicklungen zu informieren – und das werde von der Bevölkerung auch als Informationsquelle an- und wahrgenommen.

Diese Erfahrung bestätigt auch sein Waderner Amtskollege Jochen Kuttler. Die Bürger nutzen nach seiner Beobachtung in erheblichem Maße die Mitteilungen, die die Stadt über ihre Facebook-Seite sowie ihren Internetauftritt verbreitet. Daher bleibe es auch verhältnismäßig ruhig in der Kommune, findet Kuttler: „Die Menschen sind äußerst diszipliniert, alle haben Verständnis für die angeordneten Maßnahmen.“ Und auch wenn das Rathaus nur eingeschränkt und unter speziellen Sicherheits- und Hygiene-Auflagen zugänglich sei, stelle das für die meisten Bürger kein großes Problem dar.

Auch in Wadern hat sich die Arbeit für die Verwaltungskräfte geändert. Besprechungen finden oft in Form von Videokonferenzen statt, und wenn es doch einmal eine gemeinsame Sitzung geben sollte, so dauere die nie länger als 15 Minuten und alle Teilnehmer müssten mindestens zwei Meter Abstand voneinander halten, sagt Kuttler. Dieser Abstand gelte auch innerhalb der Büros. Die Stadt habe sogar soweit vorgesorgt, dass im äußersten Notfall die Verwaltungsaufgaben auch von ihren Nachbar-Kommunen Nonnweiler und Weiskirchen erledigt werden könnten. Dadurch dass die drei Hochwald-Kommunen seit 2018 ein gemeinsames Rechenzentrum bei der Firma KÜS Data in Losheim nutzten, bestehe die Möglichkeit, untereinander auf die jeweiligen Verwaltungssysteme zuzugreifen.

Auch im Waderner Rathaus wurden die Mitarbeiter in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich alle paar Tage bei der Arbeit vor Ort abwechseln – das jeweils andere Team arbeitet dann von daheim aus. „Es ist beeindruckend, was in der Arbeitswelt in kürzester Zeit möglich ist“, blickt Jochen Kuttler auf die Umwälzungen in den vergangenen beiden Wochen zurück.