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Merzig-Wadern
Fortschritte in Sachen Barrierefreiheit

Durch diesen Innenhofaufzug wurde das Gebäude der Friedrich-Bernhard-Karcher-Schule in Beckingen für Behinderte zugänglich gemacht.
Durch diesen Innenhofaufzug wurde das Gebäude der Friedrich-Bernhard-Karcher-Schule in Beckingen für Behinderte zugänglich gemacht. FOTO: Landkreis Merzig-Wadern
Merzig-Wadern. Lutz Quack, der Behindertenbeauftragte des Landkreises Merzig-Wadern, hat im Kreistag einen Zwischenbericht zum Umbaustand der Kreisschulen vorgelegt. Von Christian Beckinger

An den weiterführenden Schulen im Landkreis hat es in den vergangenen Jahren spürbare Fortschritte in punkto Barrierefreiheit gegeben – viele Schulen sind heute wesentlich besser behindertengerecht ausgestaltet als noch vor sieben Jahren. Das geht aus dem Zwischenbericht hervor, den Lutz Quack, der Behindertenbeauftragte des Landkreises, in der jüngsten Sitzung des Kreistages vorstellte. Quack verglich darin das Ausmaß der behindertengerechten Ausgestaltung an den Kreisschulen im Jahr 2010 mit dem Jahr 2017. Der Landkreis Merzig-Wadern ist Träger aller allgemeinbildenden Schulen in den sieben Kreis-Kommunen. Dort werden nach den Angaben von Quack aktuell rund 8900 Schüler von rund 780 Lehrkräften unterrichtet.


Quack sagte, noch im Jahr 2010 sei es um die Barrierefreiheit in den meisten Schulen noch schlecht bestellt gewesen. Das habe sich allerdings bis zum heutigen Tag grundlegend gewandelt. So war 2010 von den sechs Gemeinschaftsschulen im Kreis nur eine als „überwiegend barrierefrei“ anzusehen, nämlich die Peter-Dewes-Schule in Losheim. Heute gebe es indes nur noch eine Schule, die dieses Prädikat (siehe Infokasten) nicht erreiche, sondern lediglich als „teilweise barrierefrei“ zu betrachten sei – die Eichenlaubschule in Weiskirchen. An allen übrigen Gemeinschaftsschulen habe es bauliche Veränderungen gegeben, die eine Nutzung der Schule durch Menschen mit Behinderungen deutlich erleichtern.

Ein ähnliches Bild ergebe sich bei den Gymnasien: 2010 habe nur das Waderner Hochwaldgymnasium als „überwiegend barrierefrei“ gelten können, heute treffe dies auf alle drei Gymnasien im Kreis und auch das Perler Schengen-Lyzeum zu. Beim Hochwald-Gymnasium und dem Merziger Peter-Wust-Gymnasium könne man sogar von einer uneingeschränkten Barrierefreiheit sprechen, sagte Quack.



Etwas uneinheitlicher sieht es bei den Berufsbildungszentren aus: Während sich am BBZ Merzig die behindertengerechte Gestaltung an beiden Standorten (Waldstraße und Von-Boch-Straße) hin zu einer weitgehenden Barrierefreiheit entwickelt habe, müsse das BBZG Hochwald in Nunkirchen auch heute noch als „nicht barrierefrei“ gelten. Bei den vier Förderschulen im Kreis sei die Entwicklung ebenfalls differenziert: Die Schule zum Broch in Merchingen sei schon 2010 uneingeschränkt behindertengerecht gewesen. Die Schule Auf der Wild in Brotdorf und die Förderschule Lernen in Noswendel hätten sich von „nicht barrierefrei“ 2010 immerhin zum Prädikat „teilweise barrierefrei“ verbessert. Weiterhin „nicht barrierefrei“ sei die Förderschule in Niederlosheim.

Quack sagte, für seine Bewertung habe er jeden Schulstandort besucht und die Bereiche, die im Hinblick auf Barrierefreiheit besonders sensibel sind, in Augenschein genommen. Dazu zählen etwa die Eingänge zum Schulgebäude, die Klassen- und Funktionsräume, Aufzüge, Treppenhäuser, Toiletten, Umkleide- und Duschräume, Sporthallen und so weiter. Von jeder Begehung seien Berichte mit Fotodokumentationen und entsprechenden Checklisten erstellt worden. Zudem habe es von jeder Schule jährliche Sachberichte zum Stand der Barrierefreiheit gegeben.

Den rechtlichen Rahmen für seine Bewertungen bilden verschiedene grundlegende Bestimmungen. So sei schon im Artikel drei des Grundgesetzes festgelegt, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden dürfe. In den Sozialgesetzbüchern und den Behinderten-Gleichstellungsgesetzen auf Bundes- und Länderebene finde das seine konkrete Ausgestaltung. Von großer Bedeutung ist auch die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die seit 2011 EU-weit in Kraft sei. Wie die Barrierefreiheit konkret auszugestalten sei, das sei in diversen DIN-Vorschriften sowie der Landesbauordnung geregelt. Grundsätzlich gelte gemäß Behinderten-Gleichstellungsgesetz: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“

Quack demonstrierte anhand von konkreten Beispielen, wie der Landkreis in den vergangenen Jahren durch den Umbau bestehender Schulgebäude oder Erweiterungsbauten die Barrierefreiheit verbessert habe. Wobei eines deutlich geworden sei, sagte Quack: „Barrierefreiheit ist bei einem Neubau leichter, effektiver und günstiger zu erreichen als bei einem Umbau bestehender Bausubstanz.“ Allein in den vergangenen vier Jahren habe der Landkreis über eine halbe Million Euro für verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit ausgegeben. Der Landkreis, so das Fazit von Quack, befinde sich beim Thema Barrierefreiheit auf einem guten Weg, aber „es gibt noch einiges zu tun – denn die Einrichtungen des Landkreises bestehen nicht nur aus modernen Schulanlagen“.

Beispiel für Barrierefreiheit an Schulen: eine Behindertentoilette im Erweiterungsbau des Merziger Gymnasiums am Stefansberg.
Beispiel für Barrierefreiheit an Schulen: eine Behindertentoilette im Erweiterungsbau des Merziger Gymnasiums am Stefansberg. FOTO: Landkreis Merzig-Wadern