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Losheim: Fluglärm bleibt für Region ein Dauerproblem

Losheim : Fluglärm bleibt für Region ein Dauerproblem

Immer wieder macht der Lärm von Kampfjets den Menschen im Hochwaldraum zu schaffen. Das dürfte sich so bald nicht ändern.

Erst sind sie nur leise zu vernehmen, doch dann werden sie immer lauter, je näher sie kommen. Beinahe täglich üben Kampfjetpiloten über dem Saarland und verursachen viel Lärm. Durchbrechen sie die Schallmauer, kann man den Knall von Merzig bis nach Saarbrücken hören. Für viele Saarländer ist der Fluglärm ein leidiges Thema, sie fühlen sich gestört. Regelmäßig gehen bei unserer Redaktion Beschwerden, insbesondere aus dem Hochwaldraum, über lange anhaltenden, penetranten Fluglärm ein. Insbesondere im Spätsommer und Frühherbst vergangenen  Jahres häuften sich die Klagen von Anwohnern aus dem Raum Wadern-Losheim-Weiskirchen.

Dabei wird von vielen als besonders störend empfunden, dass die militärischen Flugübungen ausgerechnet in die Zeit hinaus ausgedehnt werden, in der viele Menschen ihren Feierabend genießen. Bisweilen halten die Übungen bis 21.30 Uhr an, sie können aber bis in die Nacht um 23.30 Uhr ausgeweitet werden. Die SZ hat bei den zuständigen Stellen nachgefragt, wieso dies möglich ist und ob die Zahl der Übungsflüge tatsächlich zugenommen hat.

Die Betriebszeiten für die Übungsflüge beginnen montags bis freitags von 8 Uhr, und die Zeitspannen werden dem Luftfahrtsamt der Bundeswehr zufolge „entsprechend dem Übungsbedarf bei Tag und Nacht ausgerichtet“. Damit gemeint ist, dass sich die Zeiten des Flugbetriebs – je nach Bedarf der Piloten – an obligatorischen Tag- oder Nachtflugstunden unterscheiden. Zum Pflichtprogramm gehören ebenfalls die Überschallflüge, bei denen die Fluggeschwindigkeit der Piloten größer ist als die Schallgeschwindigkeit in der Umgebung des Luftfahrzeugs. So wird die Schallmauer durchbrochen und der Knall ausgelöst. Davon gab es nach Angaben der Bürgerininitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung mit Sitz in Landstuhl 2017 etwa 50 Stück und damit deutlich mehr als 2016 – da waren es 20 Überschallknalle. Der niedrigste Stand war demnach 2012 mit zehn solcher Knallereignisse im Jahr.

Besteht die Absicht, einen Übungsluftraum zu nutzen, muss dieser für einen bestimmten Zeitraum gebucht werden. Ob diese Nutzung tatsächlich stattfindet, hängt von verschiedenen Faktoren wie Verfügbarkeit von Luftfahrzeugen, Personal und Wetter ab. Für die Buchung eines bestimmten Luftraums sind Faktoren wie Größe und Beschaffenheit, aber auch die wirtschaftliche Nutzung und die Belastung der Bevölkerung ausschlaggebend. Die Anzahl solcher Planstunden war 2017 mit etwas mehr als 1400 Stunden etwa auf dem gleichen Niveau wie 2016. Als Grund, wieso man sich für diese Fläche über dem Saarland entschieden hat, nennt das Luftfahrtsamt der Bundeswehr den nicht so intensiven zivilen Flugbetrieb. In Ballungsräumen wie um Frankfurt am Main kommen daher weniger militärische Übungsstunden zustande als im Saarland. Eine zentrale Buchungsstelle versuche, die Gebiete möglichst gleichmäßig auszulasten.

Gebrauch von diesen Übungsstunden über dem Saarland machen, so hieß es von den Verantwortlichen, vorrangig die Bundeswehr, amerikanische Streitkräfte sowie Luftfahrzeuge aus dem Raum Frankreich und Benelux. Der Statistik der BI zufolge absolvieren die US-Kampfjetpiloten die meisten Flugstunden in unserer Region mit zuletzt 150 Stunden im Monat Dezember 2017. Zum Vergleich: Anfang 2017 waren es noch 350 Stunden, die im Laufe des Jahres etwa auf diesem Niveau blieben, ehe die Zahlen ab Oktober sanken. Die Bundeswehr absolvierte 2017 nicht mehr als 50 Übungsstunden über dem Saarland.

Statistisch gesehen nimmt der militärische Luftverkehr in Deutschland ab und sank im Zeitraum von 2004 bis 2016 von 3,44 Prozent auf 1,37 Prozent. Da gleichzeitig jedoch der zivile Luftverkehr zunimmt, bedeutet das nicht zwingend eine niedrigere Zahl an Flugstunden militärischer Maschinen. Für unsere Region steht eine Hotline zur Verfügung, über die man Beschwerden einreichen kann. Die Anzahl dieser schriftlichen und telefonischen Eingaben zum Flugbetrieb über dem Saarland hat sich im vergangenen Jahr gegenüber 2016 erhöht.

Besonders viele Beschwerden aus dem Saarland kommen aus Losheim am See und Wadern. Eine Erklärung dafür hat das Luftfahrtsamt der Bundeswehr nicht. Ein Sprecher erklärte, dass sich über diesen Orten die Einflugschneise der Kampfjets befindet und dort daher verstärkt Lärm verursacht wird. Über die Hotline der Bundeswehr und bei der BI können Bürger den Lärm beanstanden. Diese Proteste seien sinnvoll, da sie zur Bewertung der Belastung der Bevölkerung in unterschiedlichen Gremien hinzugezogen werden. Aber: „Ständig gleichlautende Dauerbeschwerden durch wenige Einzelne werden jedoch dabei statistisch nicht berücksichtigt“, heißt es aus dem Bundesamt.

Über die Feiertage wurden keine Übungsstunden absolviert, was sich vermutlich zum Jahresbeginn wieder ändern wird. Zwar liegt dem Bundesamt keine Expertise vor, die für eine gesundheitliche Belastung durch Fluglärm spricht. Allerdings leiden viele Saarländer wie Katrin Hanowski aus Losheim unter den Folgen. „Der Lärm macht krank“, sagt sie und erklärt, dass sie sich durch ihn in ihrem Arbeitsablauf gestört sowie gestresst fühlt.

Aufgrund der aktuellen politischen Situation im In- und Ausland, der Luftraumstruktur und weiterer Faktoren besteht kaum eine Chance auf Besserung und damit einer Lärmminderung, erklärte das Bundesamt für Luftfahrt. Zudem sei eine Verlegung der Fläche nicht angedacht. Stattdessen geht man von einer Konsolidierung des militärischen Flugbetriebs aus.