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Weidendom
Firmlinge bauen Weidendom im Seegarten

Die Firmlinge laden die selbst gesammelten Weiden im Losheimer Seegarten aus, um damit das Gerüst des Weidendoms zu bestücken.
Die Firmlinge laden die selbst gesammelten Weiden im Losheimer Seegarten aus, um damit das Gerüst des Weidendoms zu bestücken. FOTO: Werner Krewer
Losheim. Um Jugendliche für den Glauben zu begeistern, bietet das Dekanat Losheim-Wadern eine etwas andere Vorbereitung auf die Firmung.

Es ist ein buntes Treiben an diesem grauen Dienstagvormittag im Seegarten am Losheimer Stausee. 20 junge Menschen wuseln bepackt mit Weiden durch den Garten und sind schwer beschäftigt mit einem besonderen Projekt: Gemeinsam bauen sie einen Weidendom, der fortan als Begegnungsstätte im Seegarten genutzt werden soll.



Überall wird gehämmert, werden Weidenruten gestutzt und mit angepackt. Wind und Wetter scheinen die gute Laune der jungen Leute nicht trüben zu können. Das eiserne Gestell des Weidendoms in der Form eines Fisches, dem urchristlichen Symbol, muss mit Weiden bestückt werden. Die jungen Leute, die hier kräftig Hand anlegen, kommen aus den Kirchengemeinden von Losheim, Wadern und Weiskirchen und möchten in diesem November und Dezember gefirmt werden. Gemeinschaftsaktionen wie der Bau dieses Weidendoms gehören zur Vorbereitung auf die Firmung dazu.

Ausgedacht hat sich dieses Projekt der Katechet Thomas Peitz. Die Idee, dass Kirche auch außerhalb des klassischen Gebäudes in Erscheinung treten sollte, bestand schon länger. Ein Weidendom erschien Peitz als geeignetes Vorhaben. Die Begeisterung für das Projekt merkt man dem ehrenamtlichen Katecheten an. „Der Seegarten bietet sich als idealer Rückzugsort an. Auch Jesus hat schon an einem See zum Zusammenkommen aufgerufen“, erklärt Thomas Peitz.

Wichtig war ihm vor allem, kein starres Gebäude zu errichten, sondern etwas Lebendiges zu erschaffen, sagt er. „Bei diesem Projekt lag es uns am Herzen, einen Raum in der Natur zu schaffen, der wachsen kann und sich immer wieder verändert.“ Der Weidendom soll zukünftig als Begegnungsstätte und Ort der Besinnung genutzt werden. Auch Gottesdienste könnten an dieser Stätte in Zukunft im Seegarten in Losheim stattfinden.

Lebendig ist nicht nur der fischförmige Weidendom, lebendig sind auch die Firmlinge. Ganz vertieft sind die jungen Menschen in ihre Arbeit. „Es hat heute tatsächlich noch niemand auf sein Handy geschaut“, erzählt Katechet Thomas Peitz und schmunzelt. „Das ist natürlich toll. Die Jugendlichen sollen sich ganz auf das Projekt einlassen und selbst mitgestalten.“ Das Tun steht bei diesem Projekt klar im Vordergrund. Eine Lektion, die die Firmlinge für ihr Leben mit auf den Weg bekommen:  Viele Hände werden gebraucht, um den Weidendom fertigzustellen.

Gemeindereferent Jörg Mang von der Pfarrgemeinde Weiskirchen ist an diesem Dienstagmorgen auch mit von der Partie und hat ein Auge auf seine Schützlinge. Er zeigt sich ebenfalls begeistert von der Aktion: „Glauben, leben, handeln und reflektieren, all das wird hier verbunden. Und das ist es, was wir erreichen wollen.“

Mang setzt sich schon lange für ein Alternativprogramm für Firmlinge ein. Er möchte die Firmvorbereitung raus aus den Wohnzimmern ins echte Leben verlagern. „Es ist wichtig, dass wir nicht nur reden, sondern handeln, bewegen und etwas entstehen lassen und das dann in einen christlichen Bezug setzen“, erklärt der Gemeindereferent. Aus diesem Grund können sich die Firmlinge aus den Gemeinden Losheim, Wadern und Weiskirchen (die zusammen das Dekanat Wadern-Losheim bilden) ein interaktives Programm zur Vorbereitung auf die Zeremonie individuell zusammenstellen.

„Ich denke, mit Veranstaltungen wie diesen können wir gerade für junge Menschen wieder einen Kontakt zur Kirche herstellen“, sagt Mang. „Die meisten Jugendlichen finden Kirche langweilig. Wir müssen ihnen was bieten, um sie vom Computer wegzubekommen. Deswegen lassen wir uns immer wieder neue Ideen für unser Programm einfallen.“ Den Weidendom empfindet er aber auch als Angebot an alle Leute in der Umgebung. Dieser soll die Menschen zusammenbringen und ihnen als Versammlungsort dienen.

Kurz vor 13 Uhr versammeln sich alle unter dem weißen Pavillon, unter dem man vor dem wechselhaften Wetter geschützt ist. Es gibt Essen. Eine Pause hat sich jeder der Teilnehmer redlich verdient. Beherzt wird in die mitgebrachten Fleischkäse-Brötchen gebissen und danach mit Cola runtergespült.

„Heute morgen war ich noch ziemlich skeptisch und hatte gar keine Lust zu kommen“, erzählt Rosanna Frank aus Weiskirchen. Die hübsche 15-Jährige mit den dunkelbraunen Locken ist völlig überrascht davon, wie viel Spaß ihr die Arbeit an der frischen Luft macht. Ihr ist es wichtig, gefirmt zu werden, denn „Kirche gehört halt einfach dazu“.

Anders sieht das der 15-jährige David Haßdenteufel aus Niederlosheim: „Ich glaube eher an die Wissenschaft. Von der Kirche an sich habe ich keinen Nutzen. Zumindest sehe oder merke ich nichts davon.“ Die Aktion hat dem groß gewachsenen Rotschopf aber trotzdem Spaß gemacht. Für die 14-jährige Laura Bilz aus Rimlingen stand vor allem das Zusammensein mit anderen im Mittelpunkt. Da sich jeder Firmling ein individuelles Vorbereitungsprogramm zusammenstellt, entfallen feste Gruppen. Für Laura ist das ein Vorteil: „Das Zusammensein mit den anderen war schön, und mir gefällt, dass ich immer wieder neue Leute kennenlerne.“

Die ganze Gruppe zeigt sich während der kurzen Verschnaufpause mehr als zufrieden mit der Veranstaltung. „Was bei solchen Aktionen bei den Firmlingen hängen bleibt, wissen wir nicht. Wir verstehen uns nur als Wegbegleiter und machen Angebote. Letztendlich müssen sie selbst etwas aus ihren Erfahrungen bei solchen Projekten machen“, sagt Gemeindereferent Jörg Mang und hofft, dass dieser Morgen bei dem ein oder anderen einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

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