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Eine große Kinderstube

Vorsichtig kommen die zwei Köpfe sich näher. Katze und Kater beschnuppern sich, die Schnurrhaare berühren sich kurz. Sekunden später nehmen die beiden Tiere mit dem ockergelb-schwarz gefleckten Fell wieder einige Meter Abstand, allerdings, ohne den beziehungsweise die andere aus dem Blick zu lassen: Das sind Frühlingsgefühle auf Serval-Art Von SZ-Redakteurin Ulrike Paulmann

Vorsichtig kommen die zwei Köpfe sich näher. Katze und Kater beschnuppern sich, die Schnurrhaare berühren sich kurz. Sekunden später nehmen die beiden Tiere mit dem ockergelb-schwarz gefleckten Fell wieder einige Meter Abstand, allerdings, ohne den beziehungsweise die andere aus dem Blick zu lassen: Das sind Frühlingsgefühle auf Serval-Art. Zwei dieser Katzen, die ursprünglich in Afrika zuhause sind, beherbergt der Saarbrücker Zoo, ein Weibchen und seit einem halben Jahr auch ein männliches Exemplar. Zoodirektor Dr. Richard Francke sieht die zaghaften Anbandlungsversuche des Pärchens gern: "Wir warten auf die ersten Kinder." Nachwuchs ist dieser Tage ein großes Thema im Zoo. Wenn es wärmer wird, kommen sich viele Artgenossen näher. Andere Tiere sind schon weiter, sie erwarten bald Kinder oder haben bereits geboren. Zu den frisch gebackenen Eltern zählt Francke so manchen Zoobewohner, unter anderem auch die Nasenbären oder Esel: "Ein niedlicher Poitou-Esel kam zum Beispiel vor zwei Wochen auf die Welt." Die Nachkömmlinge der Walliser-Ziegen mit ihrem schwarz-weißen Fell beispielsweise liegen schon in der Sonne wie ihre Altvorderen und genießen das warme Wetter. Ihnen gleich tun es die Jüngsten der Kattas, die gemeinsam mit ihren Eltern ein einprägenswertes Schauspiel bieten. Während sich die erwachsenen Halbaffen nämlich wie meditierende Menschen aufrecht sitzend und mit von sich gestreckten Armen der Sonne zurecken, springen zwei Miniaturausgaben der Lemurenart wie Gummibälle um sie herum. Indem sie ihre Verwandten umwerfen, auf ihre Schultern klettern, ihnen den Schwanz durchs Gesicht ziehen und sich an deren Bauch entlanghangeln, lenken sie die "Großen" vom Sonnenbaden ab. Richard Francke sagt: "Kattas bekommen einmal im Jahr Junge." Und die Halbaffen sind die großen Lieblinge vieler Kindergartenkinder - insbesondere deshalb, weil diese bei Führungen in das Gehege der Kattas dürfen und sie dort füttern können. Nachwuchs können Zoogäste auch im Südamerika-Haus erleben. Während der momentan noch allein lebende Tapir (bald sollen sich ein Weibchen und sein Nachwuchs zu ihm gesellen) entspannt herumliegt und die leuchtend gelben Sonnensittiche den Besuch mit ohrenbetäubendem Tirilieren bedenken, schauen auch die kleinen Liszt-Affen neugierig nach den Menschen, die in den feuchtwarmen Raum treten. Auch hier "hängen" sich die winzigen Krallenäffchen ins Fell ihrer Altvorderen - "allerdings nur in das der Geschwister und des Vaters", erklärt Francke. Und da bleiben sie auch, wenn sich, wie gerade, Mutter- und Vatertier in eindeutigen Absichten nähern. Ihren Namen verdanken diese Tiere übrigens der Tatsache, dass ihre Haartracht ähnlich aussieht wie die des Komponisten Frank Liszt. Wer gerne kleine Affen sieht, ist auch vor dem Mandrill-Gehege richtig, denn auch hier gab es im März Nachwuchs. Die Vermehrung dieser Tiere mit den ausdrucksstarken Gesichtern klappt gut, sagt Francke. So gut, dass dem Weibchen demnächst ein Implantat eingepflanzt wird, das eine empfängnisverhütende Wirkung hat. Dass auch die kleinen Bennett-Kängurus Zuwachs bekommen haben, sehen die Besucher (noch) nur mit viel Glück. Drei Weibchen tragen ihre Kleinen in ihrem Beutel, einem elastischen Hautsack. Dort wachsen die Kleinen etwa acht Monate lang auf, bevor sie sich ganz herauswagen. Francke: "Sie brauchen so sechs, sieben Monate, bis sie zum ersten Mal herausschauen." Bislang, so sagt er, luge nur ein kleines Känguru ab und zu aus der Bauchtasche des Muttertieres heraus. Bei den zwei anderen kann der Besucher die Babys nur erahnen - die Bewegungen sind durch die Hauttasche gut sichtbar. Mutter- und Vaterfreuden stehen anderen Tieren des Zoos noch bevor. Die beliebten Seehunde bringen gewöhnlich im Juli/August Jungtiere zur Welt. Auch bei den Antilopen stellt sich der Nachwuchs erst später ein. Doch nicht bei allen klappt es gut mit den Babys. Francke weist auf die Geparden hin: "Es ist sehr schwer, diese zu vermehren." Tierkinder sind ein Anziehungspunkt für alle Zoobesucher (im vergangenen Jahr waren dies über 200 000). Doch neben dem "Putzigkeitsfaktor" für die Besucher gibt es noch andere Gründe, warum der Nachwuchs im Saarbrücker Zoo nicht fehlen sollte, erläutert der Zoodirektor: "Es ist wichtig, dass sich die Bestände regenerieren. Außerdem spielen die Kleinen für die Sozialisierung der übrigen Tiere eine große Rolle." "Es ist wichtig, dass sich die Bestände regenerieren." Zoodirektor Dr. Richard Francke



Auf einen BlickDer Saarbrücker Zoo ist täglich von 8.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Er liegt am Eschberg, in der Graf-Stauffenberg-Straße. Kontakt und weitere Infos gibt es unter Telefon (06 81) 980 440.