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Serie Merzig-Wadern rockt
Ein Sound, der durch Mark und Bein geht

Die Band Croatoan fühlt sich in einem Metal-Subgenre besonders wohl.
Die Band Croatoan fühlt sich in einem Metal-Subgenre besonders wohl. FOTO: Sebastian Thiel / Croatoan / Sebastian Thiel
Nunkirchen. Die Band Croatoan aus Nunkirchen hat ihre musikalische Bestimmung in Slam, Beatdown und Hardcore gefunden.

Es ist dieselbe gemütliche Couch, derselbe Kühlschrank und eben die gemütliche Atmosphäre des Proberaums, den wir schon von den Blind Bastards kennen (die SZ berichtete). Doch die Musikrichtung der Band, deren Band-Aufkleber heute auf dem Couchtisch liegen, könnte nicht unterschiedlicher sein. Geballte musikalische Power gibt es hier nämlich zusammen mit Croatoan. So heißt die Gruppe, die in diesem Raum gemeinsam mit den Blind Bastards probt. „Da der Proberaum der Band-Kollegen groß genug für zwei Gruppen war und wir ursprünglich sowieso nur auf der anderen Flurseite waren, haben wir uns einfach zusammengetan“, sagt Bassist David Berwian.


Eine Mischung aus dem etwas langsameren Metal-Subgenre Slam, Beatdown und Hardcore, das ist der Stil der beiden Gitarristen Julian Schmidt, 21 Jahre alt, aus Thalexweiler und dem 23-jährigen Johannes Schäfer aus Wahlen. Der 22-jährige Bassist David Berwian aus Thalexweiler, Jonas Schillo am Schlagzeug, 23 Jahre alt und aus Wahlen, und der gleichaltrige Sänger Steven Burger aus Büschfeld sind da der gleichen Meinung. „Wir stehen alle auf Metalcore, Deathcore, Downtempo und Oldschool, daraus ergibt sich die Mischung, die man in unserer Musik hören kann“, sagt Johannes Schäfer.

Der Mix aus langsamem Metal sowie Hardcore und den Einflüssen aus ihren Musikgeschmäckern war aber auch schon einmal anders: Erst seit diesem Jahr gibt es die Band unter dem Namen Croatoan. Der Name geht auf eine Geschichte der verschwundenen Roanoke-Kolonie auf der gleichnamigen Insel vor dem US-Bundesstaat Carolina zurück (siehe Infokasten). Davor hieß die Band, in gleicher Besetzung, „Into Devil‘s Dreams“. Und sie klang seinerzeit wohl auch ganz anders: „Unser Musikstil hat sich so sehr verändert, dass wir ganz neu anfangen wollten“, sagt Jonas Schillo. Der Name habe einfach nicht mehr zu ihnen gepasst, denn sie hätten sich seit der Gründung im Jahr 2012 enorm weiterentwickelt, meint Schillo weiter. „Wir decken einen großen musikalischen Bereich ab, den andere Bands nicht schaffen. Das passt überall rein, zumindest innerhalb der enorm großen Hardcore- und Metalszene“, sagt Johannes Schäfer.



Und all das nicht zuletzt dank Stevens außergewöhnlicher Stimme, die wie eine Kettensäge röhrt und perfekt in diese Musikschiene zu passen scheint. „Das ist nur Training. Rauchen und Trinken hat nichts damit zu tun“, sagt der Sänger. Es sei viel Arbeit gewesen, seine Stimme so hinzubekommen, auch wenn sie klinge, als ob er zu viel geraucht und getrunken hätte.

Alle Songs aus der „Into Devil‘s Dreams“-Zeit haben sie komplett aus ihrem Repertoire gestrichen. Doch sie haben bereits sieben neue Lieder zusammen. Meist seien ihre Text englischsprachig mit deutschen Parts und handeln von der Bedeutung der Freundschaften, die sie untereinander pflegen, denn man gehe in der Masse immer mehr unter, sagt Berwian. Einer der Songs ist sogar, bis auf den Titel, komplett auf deutsch: „Flex On Fire“. Daneben stehen englische Songs wie „Unholy Prophets“, „Prison of Glass“, „Death Sentence“ und „Croatoan“. Diese vier Stücke haben sie schon auf einer EP verewigt. „Breaking All Our Enemys“ haben sie im Mai 2017 selbst bei Johannes im Keller aufgenommen.

Dafür gab es gleichermaßen Lob und Kritik. Die Aufnahme-Qualität lasse zu wünschen übrig, sei für eine Do-It-Yourself-Nummer aber sehr gut gelungen. „Es war schwer, ein Plattenlabel zu finden, und die finanziellen Mittel haben uns gefehlt“, erläutert Johannes. Auch vorher, unter dem alten Band-Namen hatten sie bereits eine CD veröffentlicht mit dem Titel „Broken Humanity“. Man habe es nicht einfach als junge Band in der Region, obwohl die Metal-Szene im Saarland recht gut organisiert sei und ausreichend unterstützt werde, finden die Jungs von Croatoan. Das alles sei bei der übrigen Musik-Szene in der Region nicht so gut entwickelt, erklärt Julian Schmidt. „Mehr Veranstaltungen für die Punk-Szene!“ wünschen sich die Jungs von Croatoan einmütig.