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Kolumne
Ein Lächeln

Vor Jahren geriet ich einmal in eine kleine Ausstellung lothringischer Bergleute. Neugierig schaute ich mir an, was dort aufgebaut war, und hatte plötzlich ein etwas vergilbtes Blatt in der Hand, sein französischer Titel: „Un sourire“. Ich fragte den Hüter der Schätze, ob ich das Blatt kaufen könne? Er schüttelte den Kopf, sagte dann aber: „Ich schenke Ihnen ‚ein Lächeln’“ und reichte mir das Blatt.

Dieses Lächeln hat seither für mich eine besondere Bewandtnis:  Beim Besuch eines Hospiz-Patienten, anlässlich eines Gartenfestes, saß ich neben dem Patienten am Tisch. Dann zeigte jemand auf mich und fragte den Kranken scherzhaft, ob ich ihn denn wieder besuchen dürfe? Der Patient, der seinen Kopf schon eine ganze Weile gesenkt hielt, antwortete nicht, drehte aber seinen Kopf fast unmerklich zu mir hin, schaute mir kurz direkt in die Augen, während ein Lächeln über sein Gesicht huschte, das mir für immer in der Erinnerung haften bleibt.
    Im 17. Jahrhundert schrieb ein unbekannter Autor: „Ein Lächeln kostet nichts und bewirkt viel. Es bereichert die, die es erhalten, ohne die zu verarmen, die es hergeben. Es dauert nur einen Augenblick, aber die Erinnerung daran ist manchmal für immer und ewig. Niemand ist reich genug, um es zu empfangen, niemand ist arm genug, um es nicht zu verdienen. Es erschafft das Glück im Heim, es ist das Zeichen für die Freundschaft. Ein Lächeln bringt dem die Ruhe, der ermüdet ist, gibt Kraft dem Entmutigten. Man kann es weder kaufen noch leihen, kann es nicht stehlen, denn es ist etwas, das erst in dem Moment seinen Wert erhält, in dem es verschenkt wird. Wenn du einmal einem Menschen begegnest, der sein Lächeln verloren hat, sei großzügig, schenke ihm das Deinige, denn niemand hat mehr ein Lächeln nötig als der, der nichts davon anderen abgeben kann.“


Erika Hügel, Mitglied der Synagogengemeinde Saar