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Im Gespräch
„Die Musik war irgendwie immer schon da“

Die Sängerin Lilly Among Clouds kommt am 19. Januar in die Synagoge nach Wawern.
Die Sängerin Lilly Among Clouds kommt am 19. Januar in die Synagoge nach Wawern. FOTO: Katja Ruge
Die Sängerin Lilly Among Clouds aus Würzburg, bürgerlich Elisabeth Brüchener, wollte anfangs eher in Richtung Journalismus.

Hinter „Lilly Among Clouds“ versteckt sich die 28-jährige Elisabeth Brüchener aus Würzburg. Zurzeit wird sie als eine der vielversprechendsten deutschen Newcomer gehandelt. Mit einer Mischung aus tanzbaren Songs und melancholischen Balladen ist sie am Freitag in der Synagoge in Wawern zu Gast. Die Saarbrücker Zeitung hatte Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihr.


Wie bist Du zur Musik gekommen?

Lilly: Die Musik war irgendwie immer schon da. Ich war zwar auch in der Musikschule, aber das war es gar nicht so sehr, was mich zur Musik gebracht hat. Eigentlich hat mir das nicht so viel Spaß gemacht. Der Klavierunterricht, den ich damals hatte, war irgendwie nicht so effektiv. Ich kann mich erinnern, dass der Klavierlehrer erst nach ungefähr sieben Jahren gemerkt hat, dass ich keine Noten lesen konnte, sondern die Tasten abzähle. Aber ich war auch schon vor dieser Zeit immer an Musik interessiert. Ich habe früher oft alleine gespielt, weil zwischen mir und meinen Geschwistern ein größerer Altersunterschied liegt. Mir war oft langweilig. Ich habe mir dann Melodien ausgedacht und dazu gesungen. Das machen Kinder ja gerne, aber ich bin da ziemlich lange dran geblieben.



Wie ging es weiter?

Lilly: Also eigentlich hat es erst so richtig angefangen, als ich mit dem Klavierunterricht aufgehört habe. Ich glaube, dass – wenn mir jemand was vorsetzt –, dass das mir dann so ein bisschen die Spannung am selber tüfteln nimmt. Ich habe erst sehr spät geschaut, was denn eigentlich andere Leute dazu sagen, was ich denn da so schreibe. An meinem 20. Geburtstag habe ich einen Saal angemietet, in dem ich für meine Freunde und Verwandte meine Musik vorgespielt habe. Als ich noch bei meinen Eltern in Straubing gewohnt habe, habe ich eigentlich noch gar nichts so richtig in diese Richtung gemacht. Ohne Kontakte ist es total schwer, da irgendwo reinzukommen. Als ich zum Studieren nach Würzburg gegangen bin, war es dort viel einfacherer.

Hast Du Dich in Würzburg mehr darum bemüht mit Deiner Musik auftreten zu können?

Lilly: Ja genau, aber es war eben so, dass sich dort auch die Veranstalter untereinander ausgetauscht haben. Da kommt man dann schnell von einem zum anderen. Mein Studium war irgendwann plötzlich vorbei, und ich hatte keinen Plan, wie es danach weitergehen sollte. Ich hatte zwar in Würzburg diese Kontakte, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich woanders spielen konnte. Man hat zwar immer wieder Leute kennengelernt, und es gab auch immer wieder welche, die mir Dinge versprochen haben, sich dann aber nie wieder meldeten. Irgendwann habe ich gesagt, ich lasse es und suche mir was Vernünftiges.

Warum machst Du jetzt doch nichts „Vernünftiges“?

Lilly: Ich habe über Facebook irgendwann eine kleine Verzweiflungsaktion gestartet und habe an alle möglichen Festivals den Link zu meinem Video „Blood & History“ geschickt. Daraufhin haben sich zwei, drei Leute gemeldet. Normalerweise sind die meisten von so was eher genervt. Aber einer von ihnen war mein jetztiger Manager, der meinte, dass er sich solche Sachen eigentlich nicht anschaut. Ich hatte Glück, und er hat es sich doch angeschaut. So hat alles angefangen. Im Nachhinein klingt es immer so, als ob da ein klarer Plan dahinter war, aber das war überhaupt nicht so.

Du hast eigentlich Politik studiert. Hattest Du damals einen Plan, was Du damit machen wolltest oder wusstest Du schon immer, dass Du auf die Bühne möchtest?

Lilly: Ich wollte anfangs eher in Richtung Journalismus. Ich fand es schon immer spannend, mit Leuten zu sprechen und zu hören, was sie zu sagen haben. Deswegen wollte ich noch ein bisschen mehr über die Welt lernen. Ein bisschen planlos bin ich da aber schon rangegangen. Mir ging es erst mal darum rauskommen, auszuziehen und mit etwas anzufangen. Sängerin zu werden, war bei alldem nie mein Ziel. In den letzten zwei bis drei Jahren habe ich gemerkt, dass das eher ein Problem war.

Warum?

Lilly: Musik zu machen, habe ich nie als mein großes Ziel angesehen. Ich habe mich innerlich immer ein bisschen dagegen gewehrt, weil ich nicht einschätzen konnte, was mit mir passiert, wenn ich mich dieser Kunst stelle. Wenn man die meiste Zeit damit beschäftigt ist, etwas zu kreieren und in diesem Konflikt mit sich selbst und mit dem, was man schafft steht. Ich konnte damals nicht einschätzen, ob ich damit umgehen kann, oder ob ich das überhaupt will. Man kann es ja auch einfach für sich machen. Man muss es ja nicht unter Leute bringen. Es war viel dabei, was mich verunsichert hat.

Was hat es mit Deinem Künstlernamen „Lilly Among Clouds“ auf sich?

Lilly: Der Name kommt vom englischen Sprichwort „she has got her head in the clouds“ und beschreibt entweder Verliebte oder Leute, die mit ihren Gedanken einfach woanders sind und grübeln. Wenn ich unter Leuten bin, bin ich nicht in meine Gedanken vertieft, aber ich habe durch dieses Grübeln schon unheimlich viele Lieder geschrieben. Der Name beschreibt mich, was mich musikalisch angeht, auch voll gut. Ich bin zufrieden damit. „Lilly Among Clouds“ verrät genug Pop und geht eben auch ein bisschen in die Indie-Richtung.

Wie gehst Du vor wenn Du Songs schreibst?

Lilly: Ich habe immer ziemlich viel Musik im Kopf. Ich höre eigentlich ziemlich wenig Musik oder habe welche laufen, weil mir das manchmal einfach zu viel ist. Deswegen passt auch mein Name so gut, denn ich habe manchmal wirklich das Gefühl, dass der Kopf nicht aufhört zu arbeiten. Ganz oft ist es so, dass ich eine Melodie im Kopf habe und dann zum Beispiel beim Autofahren oder beim Abspülen einen Satz vor mich hinsinge, und dann finde ich die Melodie so cool und setze ich mich hin und schreibe dazu. Manchmal ist man aber auch in der Stimmung, sich zu verkrümeln, und dann geht man ans Klavier und fängt an. Musikschreiben war schon immer das größte für mich. Selbst wenn ich nicht singen könnte, würde ich immer schreiben. Das ist wie Leute, die malen, aber keine Ausstellung machen.

Was inspiriert oder beeinflusst Dich?

Lilly: Ganz oft sind es natürlich Dinge, die in meinem Leben passieren oder auch was bei anderen so los ist. Das schreibe ich dann oft aus ihrer Sichtweise. Nicht unbedingt alles, worüber ich schreibe, ist mir selbst passiert. Mich inspiriert das normale, harte Leben. Alles, was eben so passiert. Ich würde nie sagen, dass der Text oder der Inhalt mich am meisten inspiriert, sondern eigentlich die Melodien. Ich bin absolut melodienverliebt.

Was war der wichtigste Einfluss für Dein Album „Aerial Perspectives“?

Lilly: Das Album ist ein Mix aus den Liedern von den letzten 20 Jahren.  Bei dem Album ging es eher schon darum, aus diesem großen Topf von Songs, die ich schon hatte, einfach mal das zu nehmen, worauf wir Bock hatten. Das hat wirklich Spaß gemacht, eine so große Freiheit zu haben. Beim nächsten Album habe ich eher Lust, mir mal rauszusuchen, welche Stimmungen ich noch auf dem Album haben möchte.

Du singst auf Englisch. Warum hast Du Dich dazu entschieden?

Lilly: Ich schreibe schon, seit ich die Sprache kann, auf Englisch. Ich habe zwar auch Gedichte auf Deutsch geschrieben, aber Liedtexte waren irgendwie immer ziemlich schnell auf Englisch. Mein Hauptproblem ist wahrscheinlich, dass ich das Singen mit englischen Liedern gelernt habe. Die meisten Künstler, die ich nachgesungen habe, haben auf Englisch gesungen. Es war eigentlich nie deutsch.

Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Lilly: Das, was ich mache, ist Indie-Pop, zumindest soll es danach klingen. Es soll auf jeden Fall so dramatisch und eigen klingen, wie mein Name auch aussagt.

Was darf das Publikum am Freitag in der Synagoge in Wawern erwarten?

Lilly: Wir sind mit einem Trio unterwegs, und das ist schon fast wie eine richtige Band. Es ist auf jeden Fall alles dabei, was man online von mir so findet: ehrliche Musik. Es ist aber kein Singer-Songwriter-Konzert. Viele sind oft überrascht, dass es bunter ist, als man denken würde. Ich war schon mal in der Snyagoge in Wawern, und das ist so ein toller Raum und eine hat eine ganz spezielle Akustik. Die Städter sollten sich von der ländlichen Umgebung nicht abschrecken lassen. Ich freue mich schon mega auf das Konzert.

Die Fragen stellte Jana Bohlmann.