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Merzig-Wadern
„Der Kreis braucht ein touristisches Highlight“ 

Angelika 
Hießerich-Peter
Angelika Hießerich-Peter FOTO: Christine Funk
Merzig-Wadern. Die FDP Merzig-Wadern hat in der Debatte um die touristische Ausrichtung des Landkreises reagiert und fordert nun eine Leitinvestition.

Die Debatte um die zukünftige Ausrichtung des Tourismus im Landkreis gewinnt an Fahrt: In der vergangenen Woche hatte der SPD-Kreisverband die Diskussion angestoßen, indem er in einem Positionspapier eine stärkere interkommunale Kooperation sowie die Bündelung von Aufgaben bei einer zentralen Stelle im Kreis gefordert hatte (die SZ berichtete).


Außerdem haben sich die Merziger Sozialdemokraten für ein externes Gutachten stark gemacht, das eine bessere Effizienz der touristischen Arbeit im Landkreis zum Untersuchungsgegenstand haben soll.

Als Reaktion auf die Positionierung der Sozialdemokraten fordert nun die FDP im Landkreis Merzig-Wadern eine „ganzjährig nutzbare Leitinvestition“ auf touristischem Gebiet. Die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Angelika Hießerich-Peter aus Mettlach erklärt: „Die Tatsache, dass der Landkreis im landesweiten Ranking Platz eins abgeben musste ist hauptsächlich dem Umstand geschuldet, dass in den letzten fünf Jahren im Landkreis St. Wendel ein massiver Bettenzuwachs stattgefunden hat.“ Allein der Center-Parc am Bostalsee bringe jährlich rund eine halbe Million Übernachtungen in die Statistik ein – „also fast so viele wie der gesamte Grüne Kreis“. Hinzu komme der Neubau eines Wellness-Hotels an gleicher Stelle mit einem zusätzlichen qualitativ sehr hochwertigen Angebot. Hießerich-Peter: „Beide Investitionen sind sicher ein touristischer Glücksfall für den Landkreis St. Wendel und für das gesamte Saarland.“



Parallel dazu habe es indes in  Merzig-Wadern einen Rückgang der verfügbaren Betten gegeben, zum Beispiel durch die Schließung von Haus Sonnenwald in Merzig. „Weitere Betriebsaufgaben kleinerer Hotels führten zu einem Rückgang der Übernachtungen um rund fünf Prozent im statistisch erfassten – gewerblichen – Bereich“, hält die FDP-Vertreterin fest. Nicht erfasst werde darin der Anteil der Übernachtungen in Ferienwohnungen oder Privatzimmern. Gerade dort sei der Grüne Kreis  weiterhin Vorreiter im Saarland. „Das Schielen auf die pure Zahl der Übernachtungen allein ist zu einseitig und gibt dabei keinerlei Auskunft über die Qualität der Wertschöpfung, also das Ausgabeverhalten der Gäste“, befindet die FDP-Vertreterin. Die aktuelle Studie zum Thema der HTW Saarbrücken belege, dass gerade die Gäste des Center-Parcs am Bostalsee nur sehr begrenzt außerhalb des Parks oder gar außerhalb des St. Wendeler Lands konsumieren. „Der überwiegende Teil dieser Gäste, vorwiegend Familien mit Kindern im Vorschulalter, verlassen den Park während ihres Urlaubs nur selten oder gar nicht“, so Hießerich-Peter. Die Gäste im Kreis Merzig-Wadern haben hingegen konsumieren in der gesamten Region, findet sie.

Die FDP-Frau räumt ein: „Bei den Marketing-Aktivitäten haben wir im Kreis Merzig-Wadern sicher noch Luft nach oben.“ Das setze aber voraus, dass in den relevanten Kommunen und im Landkreis die entsprechenden Gelder über die Haushalte zur Verfügung gestellt werden. Hier seien die Vertreter von SPD und CDU gefordert, die Mittel in den Haushalten einzustellen und nicht, „wie in den letzten Jahren üblich“, regelmäßig zu kürzen. Hießerich-Peter, die selbst ein Hotel in Mettlach betreibt: „Wenn im Zuge der Sparmaßnahmen die Marketingmittel gekürzt werden, müssen wir uns nicht wundern, dass wir auch weniger Gäste erreichen.“ Es sei Aufgabe der gewählten Vertreter, ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsfaktor Tourismus für unsere Region abzugeben und dafür zu werben. Das setze allerdings ein entsprechendes Maß an Tourismus-Bewusstsein voraus. Das aktuelle Tourismusbarometer des Saarlandes habe genau diesen Punkt untersucht und festgestellt, dass vor allem auf der kommunalpolitischen Ebene hier noch erheblicher Nachholbedarf besteht. Hießerich-Peter: „Die Einlassungen der SPD im Kreis belegen diese Feststellung.“

Der von der SPD angeführte Vergleich mit dem Landkreis Calw im nördlichen Schwarzwald hinkt nach ihrem Dafürhalten bei genauerem Hinsehen: Die Hauptthemen seien zwar dort wie hier Radeln, Wandern, Familien und Kulinarik – hinzu komme in Calw allerdings eine Wintersaison mit Schnee. „In  Merzig-Wadern fehlt ein ganzjährig nutzbares touristisches Allwetter-Angebot, für Gäste und Einheimische, wie etwa die Saarland-Therme in Kleinblittersdorf“, erklärt Hießerich-Peter. Eine solche Leitinvestition anzusiedeln, „sollte das Ziel der Akteure auf Kreis- und Landesebene sein“.