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Kulinarische Erlebniswoche
Blutwurst und Stampes nach Omas Rezept als Gaumenschmeichler

Ein Lieblingsgericht von Anneliese Lorscheider (73) aus Grimburg ist Möhren-Kartoffel-Gestampftes mit gebratener Blutwurst. Im Hotel zur Post in Kell am See steht es ab Samstag auf der Speisekarte. Der Betrieb beteiligt sich an der neuen Kulinarikreihe „Omas Küche“ in der Region Saar-Hunsrück, die am Wochenende startet.
Ein Lieblingsgericht von Anneliese Lorscheider (73) aus Grimburg ist Möhren-Kartoffel-Gestampftes mit gebratener Blutwurst. Im Hotel zur Post in Kell am See steht es ab Samstag auf der Speisekarte. Der Betrieb beteiligt sich an der neuen Kulinarikreihe „Omas Küche“ in der Region Saar-Hunsrück, die am Wochenende startet. FOTO: Christa Weber
Kell am See/Merzig-Wadern. 16 Gastronomen, viele davon aus unserem Kreis, lassen eine Woche lang alte Koch-Traditionen aufleben und zeigen, wie sie Lebensmittel aus der Region Saar-Hunsrück nachhaltig verwerten.

Anneliese Lorscheider hat sich in der Küche des Hotels Zur Post in Kell alles zurechtgelegt. Gerade schneidet sie Kartoffeln und Möhren in grobe Würfel und gibt sie in einen großen Topf. Auf dem Herd brutzelt derweil ein Ring Blutwurst.


„Wir machen Murrtenstampes mit gebratener Blutwurst“, erklärt die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin aus Grimburg. Das Rezept hat sie für die Kulinarik-Aktion „Omas Küche“ beigesteuert, an der sich neben dem Keller Hotel 15 weitere Gastronomiebetriebe aus der Saar-Hunsrück-Region beteiligen (siehe Info), die meisten davon befinden sich im Kreis Merzig-Wadern.

Vom 27. Januar bis 4. Februar prägen traditionelle Rezepte aus der Heimat die Speisekarten – ganz wie früher oder auch zeitgemäß umgesetzt. Die Lebensmittel dafür stammen größtenteils aus der Region, sind also „ebbes von hei“. Koch Michael Krämer hatte spontan die Idee, die Grimburger „Oma“ Anneliese Lorscheider nach Rezeptvorschlägen zu fragen. Sie war schnell überzeugt: „Mir liegt es am Herzen, dass die Leute wie früher mehr selbst kochen und weniger Produkte kaufen, die um die halbe Welt gekarrt wurden“, sagt die 73-Jährige.



Sie komme aus der Landwirtschaft und sei selbst Bäuerin gewesen. Aus dieser Zeit und von der saarländischen Mutter habe sie viele Rezepte gesammelt, die ihr für die Kulinarikwoche geeignet schienen. Damals sei es beispielsweise Alltag gewesen, dass von Tieren das gesamte Fleisch „von der Schnauze bis zum Fuß“ verwertet wurde. Dafür zu sensibilisieren, sei ja auch ein Ziel der Aktionswoche. Deshalb stehen Ochsenzunge, Rindfleischsuppe oder auch „Zidder“ (Sülze) auf dem Speiseplan.

Die alten Mundart-Ausrücke zu verwenden, gehört für Lorscheider zu „Omas Küche“ dazu: „Die Sprache ist wie die Rezepte ja auch ein Kulturgut.“ Der Stampfer für das Kartoffel-Möhren-Gestampfte heiße in ihrer Familie schon immer „Tinkert“. Dem Argument, dass die alten Rezepte sehr zeitaufwendig seien, widerspricht sie: „Stampes ist schnell gemacht, ein Gericht ohne viel Schnickschnack und trotzdem eine vollwertige Mahlzeit.“

Im Hotel zur Post zeigt sich das Motto „Omas Küche“ nicht nur auf dem Teller. Auch das Restaurant ist entsprechend dekoriert. Am Fenster steht ein alter Herd, das Personal trägt Schürzen aus Großmutters Zeiten. „Wir verwenden wirklich die Rezepte von früher“, betont Inhaber Michael Krämer. Dazu nutze er ein altes Kochbuch der Familie, in dem Rezepte auch handschriftlich eingefügt und mit Datum versehen wurden. „Weihnachtsschnitten 1942“ lautet zum Beispiel ein Eintrag.

Ins Menu der Eröffnungsveranstaltung hat es das Rezept für Weincrème geschafft. Mit diesem Essen für geladene Gäste startete in Kell am See die Aktionswoche „Omas Küche“, die offiziell an diesem Samstag in allen 16 teilnehmenden Betrieben beginnt. Das Angebot feiert Premiere und ist zugleich die erste von sechs über das gesamte Jahr verteilten Kulinarikreihen, die 2018 erstmals über das Wanderbüro Saar-Hunsrück in einem Kalender gebündelt wurden (siehe Info). Mit „Omas Küche“ könne man auch in der „grauen nebligen Jahreszeit Gäste in unsere Lokale locken“, sagte Jörn Winkhaus, der Chef der Regionalagentur Hunsrück Touristik, beim Auftaktessen in Kell. Zudem schaffe die Reihe Anreize für Produzenten und Gastronomen, kreativ mit alten Traditionen umzugehen und mehr auf heimische Produkte zu setzen. Die Idee sei „ganz wunderbar“, weil sie „auch mit Brauchtum und Heimatpflege zu tun habe“, fand Martin Alten, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kell am See. Peter Klein, Geschäftsführer der Saarschleifenland-Tourismus GmbH, lobte die grenzüberschreitende Kooperation von Akteuren im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Das Projekt wird im Landkreis Merzig-Wadern von der Saarschleifenland-Tourismus GmbH unterstützt und von dem EU-Förderprogramm LEADER gefördert.

Auf den Tisch kamen unter anderem Rindfleischsuppe, Sülze, Zunge, gekochtes Rindfleisch und Braten vom Hunsrückschwein. Ab Samstag bietet das Hotel zur Post zum Beispiel auch Linseneintopf, Wasserspatzen (Mehlklöße), Schnitzeltoast und Desserts wie arme Ritter (Süßspeise aus Eiermilch und Brötchen) und kalter Hund (Kuchen aus Keks und Schokolade) an. Und die Aktionswoche soll nachwirken: „Wir wollen versuchen, von den Gerichten etwas beizubehalten“, sagt Krämer. Sülze mit Bratkartoffeln zum Beispiel komme sicher bei den Radfahrern unter seinen Gästen gut an.