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Sport überwindet Grenzen: Begegnungen beim Gassi gehen als Türöffner

Sport überwindet Grenzen : Begegnungen beim Gassi gehen als Türöffner

() Wie es ist, als junger Mensch in ein fremdes Land zu kommen, kann Vitali Boldt nachempfinden. Der 44-Jährige ist in Kasachstan geboren. 1993 fand er als Spätaussiedler den Weg nach Deutschland. „Deutsch lesen und schreiben konnte ich schon ein wenig, mit dem Sprechen haperte es aber noch“, erinnert sich Boldt, der seit vielen Jahren der Vorsitzende und auch der Spielertrainer der Basketballer von Borussia Merzig ist. Ab September 2016 ging die Herren-Mannschaft wieder in der höchsten saarländischen Klasse, der Landesliga, auf Korbjagd – und sie schaffte als Tabellenzehnter den Klassenverbleib.

Bei den seit eh und je multikulturell aufgestellten Borussen frönen seit Längerem auch einige Flüchtlinge dem Basketball-Sport. Der erste von ihnen, der vor gut anderthalb Jahren zur Mannschaft stieß, war Mohammad Labniya. Der junge Syrer kam 2015 nach Deutschland und musste wie Boldt seinerzeit erst einmal Deutsch büffeln.

Während Labniya im Sommer 2015 am Berufsbildungszentrum Merzig unterkam, war für Boldt im neuen Umfeld damals die Volkshochschule mit einem sechsmonatigen Sprachkurs erste Anlaufstelle. Daneben halfen ihm nicht zuletzt Begegnungen beim Gassi gehen mit seinem Vierbeiner beim Ausbau seiner Sprachkompetenzen. „Ich ging damals häufiger mit dem Hund spazieren. Dabei habe ich eine Hunde-Besitzerin kennengelernt, mit der ich mich immer unterhalten habe. Außerdem habe ich privat viel gemacht, um Deutsch zu lernen“, erzählt Boldt.

Und da war natürlich nicht zuletzt der Basketball-Sport, der bei der Integration Hilfestellung leistete. „In Kasachstan hatte ich Sport studiert. Der Gang nach Deutschland direkt nach dem Studium war ein großer Schritt für mich. Der Sport hat mir sehr geholfen, meinen Platz in der Gesellschaft zu finden“, sagt der in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Luxemburg arbeitende Boldt.

Basketball spielte der Kasache zuerst in Dillingen, ehe er sich der Borussia anschloss, die aus einem Merziger Fußball-Club hervorgegangen war und sich 1999 von diesem abnabelte. Boldt weiß: „Über den Sport findet man recht schnell Anschluss und Freunde.“

Das gilt auch für Feras Orabi Albidani, der nach Labniya als zweiter „Syrien-Import“ dazukam und sich heute sehr im Verein engagiert. „Er ist in jedem Training dabei und generell sehr engagiert“, sagt Boldt, in dessen Fußstapfen Feras treten möchte, indem er den Schiedsrichter- und Trainerschein macht.

Kurze Zeit später fand dann auch noch Merhawi Guesh aus Eritrea den Weg zu Borussia Merzig. Mittlerweile ist das Trio fester Bestandteil des Merziger Vereins. „Man sieht, dass sich die Jungs hier wohl fühlen. Es ist einfach schön zu sehen, wie engagiert und hilfsbereit sie sind“, sagt Boldt – der zudem die spielerische Entwicklung seiner „Nachfolger“ lobt.