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Zwischen Blitzgeräten und Bewusstseinsschulung

Die Kandidaten und Moderatoren hatten ein großes Publikum, das viele Fragen zur Diskussion beisteuerte.
Die Kandidaten und Moderatoren hatten ein großes Publikum, das viele Fragen zur Diskussion beisteuerte.
Beckingen. Rund zwei Stunden fühlten die Moderatoren und das Publikum den drei Kandidaten auf den Zahn. SZ-Redaktionsmitglied dokumentiert auf dieser Seite das Wichtigste davon. Jana Freiberger

Was hat Ihr Wahlkampf gekostet, und wer zahlt?



Petto: Ich habe keine Sponsoren, ich zahle das selbst. 10 000 Euro reichen nicht, es ist wahrscheinlich mehr. Man sagt ja immer ein Euro pro Einwohner. Das wird so hinkommen. Das kann ich nicht absetzen, aber natürlich als Werbekosten bei der Steuerabrechnung geltend machen.

Minas: Wir werden final bei 18 000 bis 20 000 Euro rauskommen. Mein Anteil ist bis heute etwa 4000 bis 5000 Euro . Den Rest zahlt die Partei, Großgeldgeber gibt es nicht.

Collmann: Wir werden bei 10 000 bis 12 000 Euro liegen. Ich habe 3000 Euro eingebracht, die neun Ortsvereine der SPD haben einen Beitrag geleistet, die Mandatsträger. Und so kommt man auf das Geld.

Warum möchten Sie Bürgermeister werden?

Collmann: Ich habe einfach Lust auf eine neue Herausforderung. Ich war hier zehn Jahre lang Ortsvorsteher und es hat mir Spaß gemacht, mit den Menschen zu arbeiten und für die Menschen da zu sein. Ich weiß, was Bürgernähe bedeutet. Ich weiß, wo der Schuh drückt.

Minas: Ich bin relativ jung Ortsvorsteher geworden. Ich würde fast sagen, einer der Jüngsten im Saarland. Dann kam, nachdem ich das ein Jahr lang war, ein entscheidender Einschnitt. Das war mein Outing. Und da hab ich mich, ich weiß das noch ganz genau, auf den Dorfplatz in Erbringen gestellt und hab gedacht, jetzt gibt's zwei Möglichkeiten in deinem Leben. Entweder ist es jetzt vorbei, oder du kriegst Unterstützung. Und die Unterstützung kam. Und die Leute sind zu mir gekommen und haben gesagt, egal was mit dir ist, ob du schwul bist oder ob du eine Frau hast oder wie auch immer, du bist ein guter Kerl. Und das ist das, was ich bis heute mitnehme. Das ist die Ehrlichkeit, wenn man mit den Menschen spricht, wenn man sie ernst nimmt und wenn man auf Augenhöhe mit ihnen Politik macht, dann kann man viel erreichen.

Jetzt gehen Sie ja offensiv mit Ihrem Schwulsein um. Ich weiß, in der Nachbarkommune war das bei der CDU mal problematisch, da ist ein Kandidat letztendlich deswegen nicht aufgestellt worden. Wie geht die CDU hier damit um? Gab es da Widerstände?

Minas: Also, wir sind ja ehrlich. Drei Tage vor meiner Nominierungsveranstaltung, wir hatten in der Halle mit 200 Leuten gerechnet, hat irgendein Mensch anonym versucht, gegen mich zu spielen und alle Funktionsträger der CDU angeschrieben und mich und meinen damaligen Partner, wir sind ja immer noch in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, obwohl wir getrennt sind, der Wahlkampf hat auch seins dazu beigetragen, versucht, mich zu diffamieren. Man hat mich beleidigt und wollte erreichen, dass die CDU sich für jemand anderes entscheidet. In dieser Halle hier waren von 110 CDUlern 99 Prozent, die mir ihre Stimme gegeben haben. Das war Ansporn und das zeigt die Geschlossenheit und den Rückhalt. Petto: Es ist tatsächlich so, wenn man so lange selbstständig ist, dann möchte man einfach auch was Neues machen. Ich suche eine neue Herausforderung. Wir sind im Internethandel tätig, wir machen das recht gut. Ich kriege aber tatsächlich nur über Gefällt-mir-Button ein Feedback von den Kunden, dass wir gute Arbeit machen. Und ich sehe meine Fähigkeiten tatsächlich auch in anderen Bereichen und kann mir gut vorstellen, dass gerade ein unparteiischer Bürgermeister mit den Kenntnissen eines Unternehmers hier viel bewerkstelligen kann. Deswegen habe ich mir gedacht, das könnte ein Job sein, der tatsächlich der Gemeinde etwas bringt, indem ich hier frischen Wind reinbringen kann und mich neuen Herausforderungen stellen kann, die ich bis jetzt in meinem beruflichen Leben so noch nicht hatte.

Alle Ortsdurchfahrten in Beckingen sind stark vom Durchgangsverkehr belastet. Dazu kommen einige heikle Straßen, wie die Waldstraße in Beckingen. Vor allem an den Ortseingängen wird in der Regel viel zu schnell gefahren. Auf welche Werkzeuge setzen Sie, um diese Situation zu entschärfen?

Petto: Meine Meinung ist, dass man mit dem vorgeschlagenen Blitzer die Geschwindigkeit nicht tatsächlich reduziert. Ich denke, wir müssen in so einer Gemeinde ein neues Bewusstsein schaffen, dass zu schnell Fahren Menschenleben gefährdet. Das kann man durch mobile Blitzanlagen machen oder vielleicht durch entsprechende Beschilderung, wo man auf die Gefahren hinweist. Allerdings glaube ich, dass stationäre Blitzer hier nicht das geeignete Mittel sind. Wir müssen alle an uns arbeiten, dass das besser wird.

Minas: Ich bin gegen einen einzigen stationären Blitzer in der Gemeinde, denn egal, wo der steht, der löst unsere Probleme in den anderen Straßen nicht. Die Gemeinde Beckingen hat eben eine Hauptstraßenlage, das ist die Talstraße, wir haben die Probleme in der Waldstraße, auch in Oppen und den Eingangsbereichen. Deswegen habe ich gesagt, wir brauchen ein flexibles System. Mein Vorschlag war eine stationäre Säule. Die kostet uns dann in der Anschaffung und der Herrichtung 10 000 Euro mit einer mobilen Einheit. Diese Einheit kann man rausnehmen und kann überall in der Gemeinde, vor Schulen, vor Kindergärten, vor Eingangsbereichen, vor Neubaugebieten, blitzen.

Collmann: Ich möchte vorwegnehmen, dass es mir nur um die Verkehrssicherheit geht und nicht um Abzockerei. Mir geht es darum, die Leute dazu zu kriegen, dass sie die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhalten. Ich sehe da persönlich nur eine einzige Möglichkeit. Das sind stationäre Blitzer. Wie komme ich darauf? Vor drei Jahren sind in Saarlouis stationäre Blitzer errichtet worden, an sechs Stellen, und ich nehme das Beispiel in Saarlouis am Hallenbad. Da liegt die Reduzierung bei 98 Prozent. Die fahren also von Anfang an langsam. Es gibt auch noch die Möglichkeit, dass man sechs, sieben, acht Blitzer installiert, aber das Innenleben muss ja nur in zwei oder drei sein, die kann man immer wieder an Stellen wechseln.

Wären Geschwindigkeitsanzeigen zur Selbstkontrolle, die einen traurigen oder fröhlichen Smiley zeigen, auch eine Möglichkeit? Oder sind diese Anzeigen zu teuer? (Frage aus dem Publikum)

Collmann: Was es kostet, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber wenn es um die Verkehrssicherheit geht, ist es egal, was es kostet.

Minas: Die Verwaltung hat genau diesen Vorschlag schon in den Ausschuss gegeben. Dass wir sukzessive diese Tafeln, wie sie schon in der Waldstraße stehen, an den Ortseingängen aufstellen.

Petto: Grundsätzlich finde ich die Smileys ganz gut, die wirken bei mir auch. Wir haben den ein oder anderen ja auch schon. Das ist ein Mittel des Bewusstseinsmachens, was ich vorhin schon angesprochen habe.

Der Windpark am Litermont ist umstritten. Der Gemeinderat hat sein Einvernehmen für die riesigen Räder nicht hergestellt. Wie geht's weiter?

Collmann: Wie es da weitergeht, bin ich im Moment überfragt. Ich bin für erneuerbare Energie, für Windenergie, aber die Bürger sind nicht richtig mit ins Boot genommen worden. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir gemeinsam mit dem Gemeinderat, der Bürgerinitiative und den Bürgern eine vernünftige Lösung finden.

Minas: Es ist ja so, dass der Gemeinderat einstimmig mit einer Enthaltung den Antrag abgelehnt hat und auch den Pachtvertrag abgelehnt hat. Wenn wir jemals wieder über Windkraft sprechen, dann zusammen mit der Bürgerinitiative und den Bürgern. Und zwar ohne die Belastung, die die Windräder in Höhe von 230 Metern für die Bürger in Düppenweiler gebracht hätten. Wenn die Räder 50 Meter kürzer wären und es ein Einvernehmen mit der Bürgerinitiative gäbe, dann wäre ich auch für die Windräder . Wenn die EnBW bereit ist, über eine neue Anlage zu sprechen, dann muss man die Unterlagen bewerten, und dann müssen sich alle gemeinsam beraten.

Petto: Die Bürger sehen sich nicht ausreichend informiert. Auch ich konnte das Verfahren damals nicht richtig verstehen. Grundsätzlich müssen wir die Bürger fragen, wollen sie das? Egal, in welcher Höhe und uns dem Votum stellen. Windkraft ist natürlich sinnvoll, andererseits möchte sie keiner vor der Haustür haben.Beckingen. "Eine wichtige Mitteilung der Feuerwehr zuerst": So leitete SZ-Redakteur Wolf Porz am Montag seine Moderation in der Deutschherrenhalle unfreiwilliger Weise ein. Bevor der Schlagabtausch der Bürgermeisterkandidaten beginnen konnte, sollte zunächst ein nicht rechtmäßig geparktes Auto entfernt werden. "Das steht über einem offenen Kanaldeckel", witzelte Porz. "Da sind ein paar Kandidaten, die sind in den Kanal gefallen. Die würden gerne auch dazukommen", ergänzte der zweite Moderator Thomas Gerber (SR) schmunzelnd. Kurz darauf wird Porz eine zweite Nachricht überreicht: "Auf dem Parkplatz steht ein Auto mit laufendem Motor, drin sitzt aber niemand". Man möge den Motor bitte abstellen.

Mitten in der Diskussion hört man plötzlich einen der Moderatoren "Oh, Polizei " ins Mikrofon murmeln. Die 650 Köpfe drehen sich zur Eingangstür um. Der Polizist, der die Halle betreten hat, greift zum Mikrofon: "Ich bitte den Fahrer des Autos, der direkt vor der Polizeigarage geparkt hat, dieses unverzüglich dort wegzufahren", hallt seine Stimme durch den Raum - und erntet allgemeines Gelächter.

Aufmerksamer Zuhörer: Amtsinhaber Erhard Seger.
Aufmerksamer Zuhörer: Amtsinhaber Erhard Seger.
Parkplatznot an der Halle machte erfinderisch – teilweise auf kuriose Art. Fotos: Rolf Ruppenthal
Parkplatznot an der Halle machte erfinderisch – teilweise auf kuriose Art. Fotos: Rolf Ruppenthal