Zwei Beckinger Ingenieure wollen die Abwasserwirtschaft verändern

Beckingen Abwasser : Wie Gewässer keimfrei werden sollen

Die Ingenieure Georg Bauer und Franz Steiner wollen die Abwasserwirtschaft revolutionieren.

Im Jahr 2027 kommt auf die Kommunen im Landkreis Merzig-Wadern ein gewaltiges Problem zu – davon sind die Ingenieure Georg Bauer und Franz Steiner felsenfest überzeugt. Die beiden Männer aus Beckingen verweisen im Gespräch mit der SZ auf die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (EU). In dieser heißt es, dass die Kommunen ihre offenen Gewässer bis spätestens 2027 in einen „guten ökologischen Zustand“ bringen müssen. Laut dem österreichischen Umweltbundesamt definiert sich ein „guter ökologischer Zustand“ über die Vielfältigkeit der vorhandenen Flora und Fauna.

Doch was passiert, wenn die Gemeinden es bis 2027 nicht schaffen, ihre Flüsse in einen „guten ökologischen Zustand“ zu bringen? Dann drohen laut Steiner Bußgelder, „die nicht zu bezahlen sind“. Er spricht in diesem Zusammenhang sogar von „Horrorzahlen“.

Die Optimierung der Kläranlagen sieht er jedoch nicht als probates Mittel, um die Flüsse zu entkeimen. Steiner verweist auf die hohen Kosten der Umrüstung. Er steht Kläranlagen generell kritisch gegenüber: „Der Weg der klassischen Kläranlage ist falsch.“ Bauer ergänzt, dass mit nur 1,6 Litern Urin und Fäkalien täglich 86 Liter kontaminiertes Wasser pro Einwohner erzeugt würden.

Steiner betont, dass die Alternative zum derzeitigen Abwassersystem kostengünstig und nachhaltig sein müsse. Er und Bauer fordern, dass Wasser nicht mehr als Transportmittel für die Fäkalien benutzt wird. Stattdessen sollen die Fäkalien mit Hilfe der Luftströmung in einen Behälter gelangen und in regelmäßigen Abständen leer gesaugt werden.

Franz Steiner glaubt, dass die Gemeinden damit viel Geld sparen könnten, da sie keine Kläranlagen mehr bräuchten. Und Bauer schlägt vor, die Fäkalien von Bakterien zu reinigen und als Dünger in der  Landwirtschaft zu benutzen.

Steiner und Bauer sehen die Bürgermeister in der Pflicht, sich zu informieren und beim Entsorgungsverband Saar (EVS) für Veränderungen einzusetzen. Von ihrer Heimatgemeinde Beckingen zeigen sich die beiden Ingenieure in diesem Zusammenhang enttäuscht.

So habe ihnen der Beckinger Gemeinderat im November vergangenen Jahres zugesichert, dass man ihr Konzept beim Bau von Neubaugebieten in die Überlegungen miteinbeziehen werde. Doch als zuletzt Neubaugebiete in Angriff genommen wurden, sei das nicht der Fall gewesen.

Beckingens Bürgermeister Thomas Collmann weist diesen Vorwurf auf SZ-Anfrage zurück: „Das Konzept ist abgewägt worden, aber der Gemeinderat hat sich für einen anderen Weg entschieden. Das ist der normale demokratische Prozess.“